Mord an schwangerer Maria P. in Adlershof : Verlorene Leben

Eine hochschwangere junge Frau wird bei lebendigem Leib verbrannt. „Es war auch mein Kind“, sagt einer der beiden mutmaßlichen Mörder von Maria P. Seitdem schweigt er. Und noch sind viele Fragen offen.

von , und Francesco Giammarco
Der Tatort in der Köllnischen Heide.
Der Tatort in der Köllnischen Heide.Foto: Thomas Schröder

Tränen laufen über ihre Wangen, sie drückt ein weißes Stofftaschentuch auf ihre rot geweinten Augen. Es ist Mittwochmorgen, als diese Dame Mitte 40 im kleinen Wäldchen der Köllnischen Heide in Adlershof steht und mit tränenerstickter Stimme fragt: „Wieso sind wir Menschen nur zu solcher Grausamkeit fähig?“ Vor ihr stehen zwei weiße Kreuze im rot-braunen Laub. Eines klein, eines groß. Eines für Maria P., die hochschwangere 19-Jährige, die am vergangenen Donnerstagabend hier erst niedergestochen und dann bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Eines für ihr ungeborenes Kind. Die Tatverdächtigen sind zwei Gleichaltrige: Eren T., der Ex-Freund von Maria P. und Vater ihres Kindes. Und Daniel M., sein Freund.

Wieso sind wir Menschen nur zu solcher Grausamkeit fähig? Seitdem die Tat am Freitagmorgen bekannt geworden war, stellen sich viele diese Frage. Wie konnten die mutmaßlichen Täter so etwas tun? Wie kann so etwas passieren, mitten in Berlin? Antworten könnten kaum helfen, das Geschehene zu verstehen, sie lieferten höchstens eine Erklärung. Doch leicht zu finden sind sie nicht.

Die Familie von Eren T. wohnt in einer Nebenstraße nahe der U-Bahn Karl-Marx-Straße, mitten in Neukölln. Pflasterstein, keine Geschäfte. Es ist ein ruhiger Ort, kaum Autos. Das Haus selbst ist ein niedriges fünfstöckiges mit grüner Tür. Die Nachbarn, die durch sie hindurchgehen, wollen nicht sprechen.

"Er war der Ruhigste und Bravste"

Wenn man bei Familie T. klingelt, wird sofort geöffnet. Ein Mann, der sagt, er sei Erens Onkel, tritt auf den Flur im ersten Stock und zieht schützend die Wohnungstür hinter sich zu. Aus der Wohnung sind viele verschiedene Stimmen zu hören. Die ganze Familie ist offenbar zusammengekommen. Vor der Tür stehen mehrere Paar Schuhe. Erens Onkel ist ein Mann um die 50, graue Haare, grauer Bart. Mit leiser, höflicher Stimme bedankt er sich für das Interesse der Medien. Aber seine Familie sei nicht imstande, etwas zu sagen. „Die sind total fertig.“ Erens Mutter Güler T. habe sich schlafen gelegt.

Maria P. habe er nicht gekannt, sagt Erens Onkel. Er könne nicht verstehen, was passiert sei, sagt er, keiner könne es. „Es ist ein Rätsel.“ Nur so viel möchte er sagen. „Eren war der Beste von den Kindern. Der Ruhigste und Bravste.“ Er soll nie Ärger gemacht haben. Vor einigen Monaten habe er sich sogar bei der Polizei beworben, erzählt der Onkel. „Aber es gab Probleme mit der Sportprüfung.“ Die Polizei will das nicht bestätigen.

Mehr und mehr wird derzeit allerdings zum Tathergang am vergangenen Donnerstagabend bekannt. Selbst wenn die Staatsanwaltschaft Details zum „Kerngeschehen“ verschweigt. Es gebe Ungereimtheiten in den Aussagen, heißt es, eine Veröffentlichung würde die Ermittlungen gefährden. Mittlerweile sucht die Polizei auch nach Zeugen. In den Tagen vor ihrem Tod soll Maria P. zu ihrer Familie gesagt haben, dass sie sich von T. bedroht fühle. Zur Polizei, so viel ist gewiss, ging sie deswegen jedoch nicht.

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