Nach der Berlin-Wahl : Die Gewinner und Verlierer

Manche Politiker stehen jetzt vor einem Trümmerfeld, andere erleben ein Hoch. Eine Übersicht zu Gewinnern und Verlierern.

von , , , und Susan Djahangard-Mahboob, Christoph Link
Franziska Giffey (SPD) hat sich von Heinz Buschkowsky emanzipiert.
Franziska Giffey (SPD) hat sich von Heinz Buschkowsky emanzipiert.Foto: picture alliance / dpa

Für ein paar Berliner Politiker hat sich mit dem sonntäglichen Wahlabend alles verändert. Große Erfolge, harte Niederlagen. Hier die größten Gewinner und Verlierer der Wahl.

Die Gewinner der Berlin-Wahl:

Franziska Giffey (SPD) - Vom Übervater emanzipiert

Auf den ersten Blick könnte man Neuköllns Bürgermeisterin für eine Wahlverliererin halten: Zwölf Prozent trennen sie vom Ergebnis ihres SPD-Vorgängers Heinz Buschkowsky.

Der hatte 2011 fast 43 Prozent eingefahren, jetzt sind es nur noch 30,5 Prozent für die SPD. Dennoch ist das immer noch das zweitbeste SPD-Bezirksergebnis: Nur Helmut Kleebanks SPD in Spandau schnitt besser ab (33,3). Allerdings ist Kleebank schon fünf Jahre im Amt, während Giffey nur ein Jahr Zeit hatte, sich als Bürgermeisterin zu profilieren, zumal Buschkowsky ihr mitten im Wahlkampf in den Rücken fiel, als er ihr den Besuch der Dar-as-Salam- Moschee ankreidete.

„Vielleicht wäre das Ergebnis sonst besser gewesen“, macht die 38-Jährige keinen Hehl aus ihrer Verärgerung über diese Attacke. Angesichts der 43 Prozent Buschkowskys erinnert Giffey daran, dass er dieses Rekordergebnis erst zum Ende seiner politischen Laufbahn einfuhr. Als er sich zu Anfang, im Jahr 1992, in einer ähnlichen Situation wie Giffey befand, weil er dem beliebten Frank Bielka gefolgt war und sich erstmals selbst dem Wähler stellen musste, verlor er seinen Posten an die CDU.

Sebastian Czaja (FDP) - Eingeflogen über den Flughafen Tegel

Vor ihrem Desaster war die FDP nur noch Steuersenkungspartei. Diesmal, in Berlin, setzte sie sich wieder monothematisch in Szene – und konnte ihr blamables Ergebnis von 2011 fast vervierfachen. Klar, dass nun mehr kommen muss als die trotzige und kaum durchsetzbare Forderung, einen innerstädtischen Ausweichflughafen offenzuhalten.

Tegel sei ja vor allem Symbol, nimmt der Chef der Bundespartei, Christian Lindner, die Kurve. Für den „Zukunftswillen der Stadt, ihre Öffnung zur Welt“. Und Berlins neuer FDP-Star Sebastian Czaja, mit dem die Liberalen wieder zwölf Sitze im Abgeordnetenhaus erobert haben, redet auch lieber von der „funktionierenden Stadt“. 

Er will bessere Infrastruktur, Innovation, Digitalisierung. Es könne nicht angehen, dass man „eher auf der Straße Drogen kriegt als einen Termin im Bürgeramt“. Dazu der Befund, dass Rot-Rot-Grün die „denkbar falscheste Konstellation für diese pulsierende Weltstadt“ sei. Aus dem Wahlkampfmodus scheint der 33-Jährige noch nicht ganz raus zu sein.

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CDU und AfD ziehen nach Wahl in Berlin Bilanz
CDU und AfD ziehen nach Wahl in Berlin Bilanz

Bernd Schlömer (FDP) - vom sinkenden Schiff aufs rettende Boot

Bernd Schlömer ist ein Coup gelungen: Der einstige Piratenchef hat es geschafft, rechtzeitig vom sinkenden Schiff der Partei abzuspringen und entgegen der <SB190,65,140>Vermutung vieler die richtige Richtung einzuschlagen: Als Spitzenkandidat der FDP im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zieht er nun ins Abgeordnetenhaus ein. 2013 war er aus der Piratenpartei aus- und 2015 in die FDP eingetreten.

Nun wurde er über die Bezirksliste der Liberalen gewählt. Im Direktwahlkreis 5 bekam er allerdings nur 3,2 Prozent der Stimmen. Nach Mitternacht hatte er erfahren, dass er unter den künftigen zwölf FDP-Abgeordneten ist: „Ich bin drin #agh16“, twitterte er um 1.38 Uhr und teilte später mit: „Ich freue mich wahnsinnig.“ Schlömer ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Der 45-Jährige ist Sozialwissenschaftler und Kriminologe und im Aufbaustab für einen Cyber- und Informationsraum des Verteidigungsministeriums tätig. Im AGH will er sich künftig für eine moderne Verwaltung – Stichwort „Digitales Bürgeramt“ – und Datenschutz starkmachen.

Riza Cörtlen (Die Partei) - Abwasser reinigen im Görlitzer Park

Riza Cörtlen ist für die Satirepartei „Die Partei“ in die Bezirksversammlung Friedrichshain-Kreuzberg eingezogen. Ein Gespräch über seine politischen Ziele.


Was wollen Sie verändern?
Wir brauchen einen sanften Tourismus mit klaren Regeln wie: Touristen müssen Angestammten auf dem Bürgersteig ausweichen. Der Tourismus hat unerträgliche Formen angenommen. Wir verwüsten doch auch nicht Mallorcas Strände und saufen dort den ganzen Tag.


Wie lösen Sie die Probleme im Görlitzer Park?
Der Park soll ein Rieselfeld werden, also eine Fläche, auf der Abwasser natürlich gereinigt wird. Das würde auch die Mieten senken und die Drogendealer in die umliegenden Straßen vertreiben.

Was soll aus den Flüchtlingen in der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule werden?
Die dürfen dort bleiben. Nur in den Pausen müssen sie raus. Und natürlich in den Ferien, vielleicht können sie da an einen Ski-Kurort fahren.

Werden Sie mit der AfD zusammenarbeiten?
Nein, so wie wir auch nicht mit den Backpfeifen der Altparteien arbeiten. Das macht doch alles keinen Unterschied. Auch die SPD-Abgeordneten wurden von Idioten demokratisch gewählt.

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