Neue Caterer an Berliner Schulen : Schulessen wird 14 Euro teurer

Ab Montag gibt es an vielen Berliner Schulen neue Caterer, das Schulessen wird dabei deutlich teurer. Die Subventionierungen über das Bildungs- und Teilhabepaket könnten noch weiter in die Höhe schnellen. 2013 wurden schon über eine Million Portionen bezuschusst.

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Ab Montag gibt es in vielen Berliner Schulen neue Caterer.
Ab Montag gibt es in vielen Berliner Schulen neue Caterer.Foto: dpa

Der Neuanfang beim Schulessen ähnelte am Freitag einem Umzugskarussell: Unmengen Geschirr, riesige Töpfe und andere Gerätschaften wurden am Nachmittag verladen, weil ab Montag – in den Ferienhorten – an jeder fünften Grundschule neue Caterer ihren Dienst antreten. Dann wird sich zeigen, ob es auch qualitativ ein Neuanfang wird. Schüler und Eltern werden genau hinsehen, was auf den Tellern landet, denn sie müssen pro Monat 14 Euro mehr bezahlen als bisher, insgesamt 37 Euro. Viele sind skeptisch, ob sich das zusätzliche Geld in der Qualität niederschlagen wird.

„Wir werden Obst zur freien Verfügung und auch öfter ein Salatbuffet anbieten“, nennt Rolf Hoppe vom Caterer Luna zwei Unterschiede. Zudem wird es immer ein Getränk geben – so sehen es die Ausschreibungsbedingungen vor. Darüber hinaus geht Hoppe davon aus, dass es seltener Gerichte wie Milchreis oder Eintopf geben wird, die vor allem dazu da waren, die Kosten niedrig zu halten.

Schulessen. Was so auf dem Teller liegen könnte, zeigen wir hier.
Na bitte! Schmeckt doch. Meistens. Das Thema Schulessen bewegt nicht nur die Berliner Kinder, ...
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1 von 16Foto: Kitty Kleist-Heinrich
18.11.2013 15:04Na bitte! Schmeckt doch. Meistens. Das Thema Schulessen bewegt nicht nur die Berliner Kinder, ...

Höherer Preis für finanziellen Spielraum

„Wir müssen nicht mehr jeden Pfennig dreimal umdrehen“, beschreibt ein anderer Caterer den Unterschied. Die bisher üblichen Preise von rund zwei Euro pro Mahlzeit hatten es den Caterern unmöglich gemacht, regelmäßig Rohkost und Obst anzubieten. Der neue garantierte Preis von 3,25 Euro soll das ändern und den Caterern mehr finanziellen Spielraum geben. Bei Problemen müssen sie den schulischen Essensausschüssen Rede und Antwort stehen.

Die ersten Wochen dürften für die Köche nicht einfach sein: Sie müssen nicht nur den gewachsenen Erwartungen gerecht werden, sondern sich an den neuen Standorten zurechtfinden. Zudem sind Anbieter wie Z-Catering darunter, die noch nie für Schulen gekocht haben und jetzt aus dem Stand für 8000 Portionen die Ausschreibung gewannen. Andererseits gibt es Caterer wie Drei Köche, die viele Aufträge verloren haben und 30 Prozent ihres Personals abbauen mussten.

„Das ist heute ein Wehmutstag“, beschrieb Klaus Kühn von den Drei Köchen am Freitag seine Gemütslage. Besonders leid tat es ihm um die Zehlendorfer Schweizerhof-Grundschule, die ihn behalten wollte, aber aufgrund des umstrittenen neuen Auswahlverfahrens den Großcaterer Sodexo bekommt. „Ich mache nachher einen Abschiedsbesuch“, sagte Kühn am Morgen. So wie der Schweizerhof-Grundschule ging es rund 30 weiteren Schulen. Zudem gab es neun Schulen, um die sich wegen der geografischen Lage oder zu geringer Portionszahlen gar kein Caterer beworben hatte. Für acht von ihnen wurde laut Bildungsverwaltung eine Ersatzlösung gefunden. An der neunten Schule wird das Essen immerhin geliefert, aber es muss noch geklärt werden, wer es vor Ort ausgibt.

2013 weit über eine Million subventionierte Portionen

Neben der Qualität geht es jetzt vor allem um die Frage, ob die Eltern bereit sein werden, die höheren Kosten zu tragen. Noch wissen weder der Grundschulverband noch die Bildungsverwaltung von gehäuften Kündigungen. Viele werden wohl versuchen, über das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) Zuschüsse zu bekommen. Schon 2013 sind weit über eine Million Portionen über BuT subventioniert worden. Nach Angaben der Finanzverwaltung steht an der Spitze der BuT-Zuschüsse Friedrichshain-Kreuzberg mit 285.000 Portionen gefolgt von Neukölln (164.000), Mitte (142.000), Charlottenburg-Wilmersdorf (100.000). Die wenigsten Subventionen wurden, wie zu erwarten, im sozial besser gestellten Steglitz-Zehlendorf beantragt (16.000), wo auch weniger Schüler an der Ganztagsbetreuung der Grundschulen teilnehmen. Die Bezuschussung durch das BuT bedeutet für die Eltern, dass sie für ein Mittagessen nur 1 Euro bezahlen müssen. Regulär wären es bislang 1,30 bis über zwei Euro gewesen; je nachdem, ob Eltern einen Hortvertrag hatten oder nicht. Ab sofort wird die Belastung für die Eltern auf rund 1,80 bis 3,25  Euro pro Mahlzeit steigen, weil die Caterer einen festen Preis von 3,25 Euro bekommen. Deshalb nimmt die Bildungsverwaltung an, dass die BuT-Anträge "in die Höhe schießen" werden.

Hier geht es zu einer Online-Petition für ein kostenloses Schulmittagessen.

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