Neues Mobilitätskonzept : Greenpeace will Tempo 30 in ganz Berlin

Die Umweltschutzorganisation hat ein paar Tipps für die „postfossile“ Mobilität. Die Stadt könne wachsen und trotzdem das Klima schützen.

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Nur noch schadstofffreie Autos sollen künftig in der Innenstadt fahren dürfen, findet Greenpeace. Foto: dpa
Nur noch schadstofffreie Autos sollen künftig in der Innenstadt fahren dürfen, findet Greenpeace.Foto: dpa

Gleichberechtigung für Radfahrer fordern die Macher des Volksentscheids Fahrrad. Greenpeace geht noch ein bisschen weiter: Berlin sollte flächendeckend Tempo 30 einführen und ab 2030 Autos mit Verbrennungsmotoren aus der Innenstadt verbannen. Nur so könne Berlin weiter wachsen und seine Klimaschutzziele trotzdem erreichen, heißt es im neuen Mobilitätskonzept der Umweltschutzorganisation für Berlin. Das Konzept wird an diesem Dienstag veröffentlicht, liegt dem Tagesspiegel aber bereits vor.

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Erarbeitet wurde das Papier vom Berliner Planungsbüro Urban Catalyst. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, die „Verkehrswende“ einzuleiten, sagen die Catalyst-Experten. Die Fixierung auf das Auto müsse bei der Planung neuer Stadtquartiere in der Peripherie aufgegeben werden. Für eine nachhaltige Mobilität sei die Entwicklung der „äußeren Stadt“ entscheidend. Hier müsse nachverdichtet werden: Parkplätze, eingeschossige Super- und Fachmärkte sowie überdimensionierte Verkehrsflächen sollten „zur Disposition gestellt“ werden, also künftig für eine „Mischnutzung“ von Wohnen, Arbeiten und Einkaufen zur Verfügung stehen.

Keine Einfamilienhäuser im Umkreis der S-Bahn

Die äußere Stadt müsse kompakter werden, die Ausfallstraßen sollten vom „Transit- zum Aufenthaltsraum“ umgestaltet werden. Ähnliche Ziele hatten auch die Planer der Internationalen Bauausstellung IBA 2020 formuliert, der rot-schwarze Senat sagte die IBA allerdings mit dem Verweis auf knappe Finanzmittel ab. Verdichtung bedeutet für die Macher der Studie, dass man beispielsweise im Umkreis von S- und U-Bahnhöfen keine Einfamilienhäuser mehr genehmigt. Durch ein staatliches Vorkaufsrecht sollten Grundstücke erworben und anschließend ähnlich dicht bebaut werden wie in der Innenstadt. Statt mit dem Auto sollten die Bewohner den ÖPNV nutzen oder auf einem der neuen Radschnellwege (Greenpeace fordert insgesamt 100 Kilometer) zur Arbeit fahren.

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Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten Bilder aus dem hippen/dreckigen/juten, alten Neukölln (je nach Alter und Herkunft).Und stellen zwei knifflige Fragen: In welchem Ortsteil steht das Karstadt am Neuköllner Hermannplatz? Genau, in Kreuzberg (der Bürgersteig ist die Grenze, das überragende Dach gehört zu Neukölln). Und wer sind die beiden Figuren in der Mitte? Das "tanzende Pärchen" steht dort seit den 80ern, erschaffen wurde es von Joachim Schmettau und drehte sich früher sogar mal. Moment: Joachim Schmettau ... Schmettau? Ja, genau, das ist auch der Mann vom markanten Wasserklops am Europa-Center. Foto: Kitty Kleist-HeinrichWeitere Bilder anzeigen
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14.01.2016 08:38Neukölln, Ortsteil Neukölln. Große Güte, was sollen wir denn noch schreiben über Neukölln? Ach, zeigen wir lieber die besten...

Um das Mobilitätsverhalten der Menschen zu ändern, sollten Kampagnen gestartet werden, etwa „zeitlich begrenzte Schul- und Spielstraßen, autofreie Sonntage, temporäre Umnutzungsaktionen von Parkplätzen, Straßenfeste“. Bei den Menschen sollte die „Sehnsucht nach einer gerechteren Neuaufteilung von Verkehrsräumen“ geweckt werden. Bei den Radfahrern ist diese Sehnsucht schon recht ausgeprägt. In Großsiedlungen wie Marzahn-Hellersdorf könnten durch den Rückbau von Straßen und Kreuzungen viele neue Bauflächen erschlossen werden.

Straßenbahn auf der Sonnenallee

Aber auch in scheinbar dicht bebauten Innenstadtquartieren wie der Sonnenallee sehen die Catalyst-Planer noch Baupotenzial durch Aufstockungen von Gebäuden. Die Allee sollte durchweg einspurig geführt werden, auf dem Mittelstreifen wäre dann Platz für eine Straßenbahn, die die „heute völlig überlastete Buslinie M41 ersetzt“. Politischer Sprengstoff ist die Kernforderung, Tempo 30 auf allen Straßen einzuführen. Mit dieser Idee war die ehemalige Spitzenkandidatin der Grünen, Renate Künast, im Berliner Wahlkampf 2011 angetreten.

Damals ging es den Grünen vor allem um mehr Verkehrssicherheit. Greenpeace nennt Tempo 30 auch als Maßnahme, um die Luftqualität zu verbessern und Lärm zu vermeiden. Berlin gehört zu den Großstädten, die regelmäßig EU-Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide überschreiten. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat bereits eine blaue Plakette für stickstoffarme Verbrennungsmotoren in Arbeit. Würde diese Plakette in den Umweltzonen eingeführt, müssten die meisten Dieselautos draußen bleiben.

Blaue Plakette gegen Diesel-Stinker

Greenpeace sieht die blaue Plakette als ersten Schritt zu einer „postfossilen“ und CO2-freien Mobilität. Der Senat müsse „schon heute klar sagen, dass es ab 2030 nur noch in Ausnahmefällen Verbrennungsmotoren in der Stadt geben darf“, schreiben die Autoren des Mobilitätskonzeptes. Neben der Plakette sollte der Senat eine City-Maut einführen, nach dem Londoner Vorbild. Auch diese Forderung ist nicht neu. Im Zwist um die Verlängerung der Stadtautobahn nach Friedrichshain schlägt sich Greenpeace klar auf die Seite der Gegner. Macht bei Tempo 30 ja auch kaum noch Sinn.

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