Opus Dei : Gericht erlaubt reine Jungenschule in Brandenburg

Auf getrennten Wegen: Das Bundesverwaltungsgericht macht den Weg frei für ein Jungengymnasium in Potsdam. Welche Bedeutung hat das Urteil?

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Eine Schule nur für Jungs - ist das noch zeitgemäß?
Eine Schule nur für Jungs - ist das noch zeitgemäß?Foto: Fotolia

Seit Jahren kämpft eine Potsdamer Elterninitiative darum, ein reines Jungengymnasium einzurichten – bisher vergeblich. Die Landesregierung versagte der geplanten Privatschule die Genehmigung. Jetzt hat das Bundesverwaltungsgericht in letzter Instanz entschieden: Ein nach Geschlechtern getrennter Unterricht ist wegen der grundgesetzlich geschützten Privatschulfreiheit zulässig – auch wenn er für die öffentlichen Schulen in Brandenburg verboten bleibt.

Wie kam es zu dem Streit?

Die Potsdamer Landesregierung sah in der Ausrichtung der Schule einen Verstoß gegen die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die der katholischen Laienorganisation Opus Dei nahestehende „Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft“ berief sich dagegen auf die im Grundgesetz ebenfalls garantierte Privatschulfreiheit. Dort heißt es, Privatschulen müssten als Ersatz für öffentliche Schulen erlaubt werden, wenn sie nach Lehrzielen, der Einrichtung und der Qualifikation des Personals nicht hinter den öffentlichen zurückstehen. Bei den Lehrzielen hakten die Beamten des Bildungsministerium mit ihrem Verbot ein. Dass die Geschlechter gleichwertig seien, hieß es, könne nur vermittelt werden, wenn Knaben und Mädchen auch gemeinsam im Klassenzimmer unterrichtet würden.

Wie begründen die Richter ihr Urteil?

Die Landesregierung hatte den Rechtsstreit durch alle Instanzen geschleppt – und immer verloren. Die Justiz differenzierte genau, inwieweit Lehrmethoden und Lehrziele unterschieden werden könnten. Koedukation sei eine Methode, aber kein Ziel, hatte das Oberlandesgericht Berlin-Brandenburg im September 2011 geurteilt. Dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind, könne auch an einer reinen Jungenschule vermittelt werden. Eine Linie in dieser Schärfe zogen die Bundesrichter jetzt nicht. Manche Ziele könnten nur über bestimmte Methoden erreicht werden, sagten sie – ließen aber offen, welche das sein könnten. „Die Grenze ist da, wo feststeht, dass mit einer bestimmten Methode ein verbindliches Lehrziel nicht erreicht wird“, sagte der Vorsitzende Richter Werner Neumann. Für Monoedukation und Geschlechtergleichheit gelte das aber noch nicht.

Was halten die Richter vom getrennten Unterricht?

Dazu sagten sie nichts. Ein Verbot wäre aber nur zulässig, wenn das Vorhaben mit seiner Geschlechtertrennung dem „in der Fachwelt weitgehend anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnisstand“ widerspräche. Ob getrennter oder gemischter Unterricht besser sei, darüber stritten die Experten bis heute, sagte Richter Neumann. In fernerer Zukunft würden sie womöglich wieder die Trennung empfehlen. Da sei es nicht zulässig, eine Organisationsform verbindlich zu machen. Dass diese Position vom Land nicht geteilt wurde, hatte dessen Vertreter Thomas Jürgens zuvor dargelegt: Studien hätten den Erfolg der Koedukation belegt. „Wir wollen vorgeben können, wie jemand gebildet wird.“ Persönlichkeitsbildung könne nicht erlernt, sie müsse erlebt werden.

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