Platz da! : Folge 1: Hansaplatz

19.04.2012 21:38 Uhrvon
  • Der 50er Jahre Charme des Hansaplatzes verblasst. Denn die Zahl der Bewohner ist rückläufig - und das hat Auswirkungen auf das ganze Viertel. Foto: Thilo Rückeis
    Der 50er Jahre Charme des Hansaplatzes verblasst. Denn die Zahl der Bewohner ist rückläufig - und das hat Auswirkungen auf das ganze Viertel. - Foto: Thilo Rückeis
  • Landschaftsarchitekt Steffen Brodt und sein Team: Sylvia Martin (rechts) und Liu Qin Zi. Foto: Thilo Rückeis
    Landschaftsarchitekt Steffen Brodt und sein Team: Sylvia Martin (rechts) und Liu Qin Zi. - Foto: Thilo Rückeis
  • Simulation: plan b Foto:
    Ein neuer Weg könnte von der Ampelkreuzung zum U-Bahn-Eingang und den Geschäften führen. Bisher führt nur ein Trampelpfad über die Wiese.

Er atmet den Geist der Fünfziger, doch ein gut gepflegtes Baudenkmal ist der Hansaplatz in Tiergarten nicht. Investitionen fehlen, Initiativen laufen ins Leere. Ist die grüne Wohnlage noch zu retten?

Das kleine Einkaufszentrum ist so etwas wie das Herz des Hansaplatzes. Doch dort als Händler zu überleben, ist schwer. Zwar gibt es in dem Wohngebiet, das zur Internationalen Bauausstellung 1957 (IBA) entstanden ist, Wohnungen für etwa 1700 Menschen. Aber die Zahl der Bewohner im Hansaviertel ist rückläufig. Außerdem kannten vor einem halben Jahrhundert der Fleischer und der Bäcker um die Ecke keine Konkurrenz von Shopping-Malls. Das ist heute eben anders. Und weil die Kundschaft am Platz ausbleibt, schrumpft mit dem Umsatz auch das Warenangebot. Viele der Läden in den Flachdachbauten am Rande des Areals sehen traurig aus, ein wenig wie aus der Zeit gefallen und das Restaurant wirbt aus Not an Kunden mit einer „Blitzer-Pizza“ zum Sonderpreis.

Das tröstet wenigstens jene Verkehrssünder, die an der nahen Ampel geblitzt wurden.

Ein richtiges Platzgefühl will ohnehin nicht aufkommen. Denn der Hansaplatz besteht genau genommen aus vier Teilen. Er wird zerschnitten von zwei viel befahrenen Verbindungen: Altonaer und Klopstockstraße. Das Einkaufszentrum steht auf dem nordwestlichen Teil, wo sich auch der U-Bahnhof Hansaplatz befindet. „Der Abstieg des Einkaufszentrums ist unser größtes Problem“, sagt Thilo Geisler, Vorsitzender des „Bürgervereins Hansaviertel“. 129 Mitglieder hat der Verein und kann über Nachbarn und Familien das ganze Viertel mobilisieren.

Platz da! am Hansaplatz

Die Aktivisten haben auch schon einen Plan, wie dem Platz wieder zu Geltung verholfen werden kann: „Indem Hansaviertel und Karl-Marx-Allee von der Unesco zum Welterbe ernannt werden.“ In der Politik, unter Architekten gibt es Bestrebungen, diese Baudenkmäler des Kalten Krieges auf diese Weise zu adeln. Anträge allerdings wurden noch nicht gestellt. Der Welterbe-Status würde mehr Besucher anlocken, die dann auch den Cafés und Läden am Hansaplatz Umsatz bescheren würden, hofft Bürgervereins-Vorsitzender Geisler.

Wie viel Potenzial der Hansaplatz hat, zeigt eine Initiative der Katholischen Pfarrgemeinde Sankt Laurentius. Vor dem Gotteshaus stehen seit einem Jahr jeden Freitag die Verkaufsstände eines Ökomarktes. Wer an den gut besuchten Obst- und Gemüseauslagen vorbeischlendert, trifft schon mal auf Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Er wohnt im Hansaviertel. Dem Vernehmen nach soll hier sogar Hollywood-Star Kevin Costner ein Häuschen besitzen.

Service

Das Berliner Programm

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite