Platz da! : Folge 1: Hansaplatz

Er atmet den Geist der Fünfziger, doch ein gut gepflegtes Baudenkmal ist der Hansaplatz in Tiergarten nicht. Investitionen fehlen, Initiativen laufen ins Leere. Ist die grüne Wohnlage noch zu retten?

von
Der 50er Jahre Charme des Hansaplatzes verblasst. Denn die Zahl der Bewohner ist rückläufig - und das hat Auswirkungen auf das ganze Viertel.Alle Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis
19.04.2012 21:21Der 50er Jahre Charme des Hansaplatzes verblasst. Denn die Zahl der Bewohner ist rückläufig - und das hat Auswirkungen auf das...

Das kleine Einkaufszentrum ist so etwas wie das Herz des Hansaplatzes. Doch dort als Händler zu überleben, ist schwer. Zwar gibt es in dem Wohngebiet, das zur Internationalen Bauausstellung 1957 (IBA) entstanden ist, Wohnungen für etwa 1700 Menschen. Aber die Zahl der Bewohner im Hansaviertel ist rückläufig. Außerdem kannten vor einem halben Jahrhundert der Fleischer und der Bäcker um die Ecke keine Konkurrenz von Shopping-Malls. Das ist heute eben anders. Und weil die Kundschaft am Platz ausbleibt, schrumpft mit dem Umsatz auch das Warenangebot. Viele der Läden in den Flachdachbauten am Rande des Areals sehen traurig aus, ein wenig wie aus der Zeit gefallen und das Restaurant wirbt aus Not an Kunden mit einer „Blitzer-Pizza“ zum Sonderpreis. Das tröstet wenigstens jene Verkehrssünder, die an der nahen Ampel geblitzt wurden.

Ein richtiges Platzgefühl will ohnehin nicht aufkommen. Denn der Hansaplatz besteht genau genommen aus vier Teilen. Er wird zerschnitten von zwei viel befahrenen Verbindungen: Altonaer und Klopstockstraße. Das Einkaufszentrum steht auf dem nordwestlichen Teil, wo sich auch der U-Bahnhof Hansaplatz befindet. „Der Abstieg des Einkaufszentrums ist unser größtes Problem“, sagt Thilo Geisler, Vorsitzender des „Bürgervereins Hansaviertel“. 129 Mitglieder hat der Verein und kann über Nachbarn und Familien das ganze Viertel mobilisieren.

Video
Platz da! am Hansaplatz
Platz da! am Hansaplatz

Die Aktivisten haben auch schon einen Plan, wie dem Platz wieder zu Geltung verholfen werden kann: „Indem Hansaviertel und Karl-Marx-Allee von der Unesco zum Welterbe ernannt werden.“ In der Politik, unter Architekten gibt es Bestrebungen, diese Baudenkmäler des Kalten Krieges auf diese Weise zu adeln. Anträge allerdings wurden noch nicht gestellt. Der Welterbe-Status würde mehr Besucher anlocken, die dann auch den Cafés und Läden am Hansaplatz Umsatz bescheren würden, hofft Bürgervereins-Vorsitzender Geisler.

Platz da! Die Leserdebatte zu Berliner Stadtplätzen
In dieser Bildergalerie zeigen wir Ihnen die 15 Berliner Stadtplätze, die wir mit Ihrer Hilfe und mit Unterstützung durch Berliner Landschaftsarchitekten verbessern wollen. Machen Sie mit! Im Bild sehen Sie als Erstes - samt der berühmten Spiegelwand - den Hermann-Ehlers-Platz in Steglitz, den wir noch hinzufügen und dafür den Breitenbachplatz herausnehmen. Liebe Leserinnen, liebe Leser, klicken Sie hier, um zu kommentieren, zu kritisieren und Verbesserungsvorschläge für den Hermann-Ehlers-Platz zu machen. Wir wünschen eine spannende Debatte! Und falls Sie selbst historische und/oder aktuelle Bilder von den Plätzen veröffentlichen wollen: Schicken Sie die Fotos per Email an: leserbilder@tagesspiegel.de Kennwort: "Berliner Plätze".Weitere Bilder anzeigen
1 von 15
13.03.2012 14:07In dieser Bildergalerie zeigen wir Ihnen die 15 Berliner Stadtplätze, die wir mit Ihrer Hilfe und mit Unterstützung durch Berliner...

Wie viel Potenzial der Hansaplatz hat, zeigt eine Initiative der Katholischen Pfarrgemeinde Sankt Laurentius. Vor dem Gotteshaus stehen seit einem Jahr jeden Freitag die Verkaufsstände eines Ökomarktes. Wer an den gut besuchten Obst- und Gemüseauslagen vorbeischlendert, trifft schon mal auf Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Er wohnt im Hansaviertel. Dem Vernehmen nach soll hier sogar Hollywood-Star Kevin Costner ein Häuschen besitzen.

17 Kommentare

Neuester Kommentar