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450 Brände, Messerstecherei, abgerissene Hand : Feuerwehr und Polizei ziehen Silvester-Bilanz

Trotz einiger auch schwererer Vorfälle spricht die Polizei nach den Silvesterfeiern in Berlin von einer insgesamt "friedlichen Nacht". Es gab weniger Polizeieinsätze als im Vorjahr. Für die Feuerwehr war dennoch Ausnahmezustand.

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In der Bülowstraße in Berlin-Schöneberg wurde in der Silvesternacht ein U-Bahnaufzug der BVG mit Böllern gesprengt.
In der Bülowstraße in Berlin-Schöneberg wurde in der Silvesternacht ein U-Bahnaufzug der BVG mit Böllern gesprengt.Foto: Steffen Tzscheuschner

Millionen Menschen haben in Berlin ausgelassen und friedlich ins Neue Jahr gefeiert - mehr dazu können Sie in unserem Blog zur Silvesternacht nachlesen. Vereinzelt kam es nach Polizeiangaben auch zu Zwischenfällen, bei denen Beamte einschreiten mussten. Die Feuerwehr musste in der Nacht 1667 Mal ausrücken - etwas weniger als im Vorjahr.

450 Brände meldete die Pressestelle der Feuerwehr zwischen 19 und 6 Uhr. Beim Jahreswechsel 2012/13 waren es 607 gewesen. Spektakuläre Großbrände gab es diesmal nicht, aber einige besondere Einsätze.

So brannte in der Ottokarstraße in Tempelhof ein Dachstuhl, die Feuerwehr löschte den Brand gegen 21 Uhr, zehn Fahrzeuge waren im Einsatz. Gegen kurz nach Mitternacht brannte eine Wohnung in einem 16-geschossigen Wohnhaus in Gropiusstadt. Zwei Personen wurden mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht.

Gegen 1.30 Uhr wurde ein größeres Feuer in einem 19-geschossigen Haus in der Schluchseestraße in Waidmannslust gemeldet: Es brannte im Müllraum und im Müllabwurfschacht, das gesamte Gebäude wurde verraucht. Verletzte wurden aber nicht gemeldet.

Bei Auseinandersetzungen in Schöneberg, bei denen auch Einsatzwagen attackiert wurden, nahm die Polizei mehrere Personen fest.
Bei Auseinandersetzungen in Schöneberg, bei denen auch Einsatzwagen attackiert wurden, nahm die Polizei mehrere Personen fest.Foto: Steffen Tzscheuschner

Neben den 450 Brandeinsätzen war die Feuerwehr auch zu 1126 Rettungseinsätzen gerufen worden. Der dramatischste Fall ereignete sich in Pankow. Einem 31-Jährigen wurden laut Feuerwehr die Hand und Teile des Oberarms abgerissen, als er einen Böller ausländischer Herkunft zündete, der in Deutschland nicht zugelassen ist. Der Mann wird im Unfallkrankenhaus Marzahn behandelt.

Die als "Ausnahmezustand" deklarierte Nacht endete für die Feuerwehr offiziell um 5.25 Uhr. Insgesamt waren 1500 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Hilfsorganisationen und Technischem Hilfswerk in Berlin im Einsatz. Der Notruf 112 wurde in der Nacht fast 4500 Mal gewählt.

Bei einer Auseinandersetzung mit Messern habe es in der Nähe der großen Silvesterparty am Brandenburger Tor drei Verletzte gegeben, sagte ein Polizeisprecher am Neujahrsmorgen. Nach dem Vorfall in der Lennéstraße seien die Verletzten in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Hintergründe des Streits, die Zahl der Festnahmen sowie die Schwere der Verletzungen seien noch unklar, sagte der Polizeisprecher.

In Schöneberg, an der Grenze zu Kreuzberg, wurden Polizeiwagen mit Feuerwerkskörpern und anderen Gegenständen beworfen. Der Polizeisprecher bestätigte die Attacke am Morgen, konnte aber noch keine weiteren Angaben machen. Ganz in der Nähe, in der Bülowstraße, beschädigten Randalierer einen U-Bahn-Aufzug der BVG mit Feuerwerkskörpern schwer. Sie verursachten Sachschaden von mehreren zehntausend Euro: Mit einem sprengstoffähnlichen Kracher zerstörten sie den Aufzug vollständig. Die Druckwelle zerstörte sämtliche Panzerglasscheiben, sogar die Metalldecke der Kabine wurde zerrissen und nach außen gebeult.

Nach Angaben eines Augenzeugen sollen die etwa 20 bis 30 jungen Männer die Sprengung regelrecht inszeniert haben, zudem sollen sie es geschafft haben, dass sich die Tür der Kabine nach Zünden des Böllers noch schließt, damit die Druckwelle stärker ist.  Zuvor soll die gleiche Gruppe unterhalb des Bahnhofs auf der Fahrbahn der Steinmetzstraße  massenhaft Kanonenschläge gezündet haben. Diese waren über die Zündschnüren gekoppelt, "das klang wie Maschinengewehrfeuer", sagte der Zeuge. Das Sprengen sollen die Unbekannten  gefilmt haben, berichtete der Anwohner. Ob auch die Sprengung des Aufzuges gefilmt wurde, konnte der Zeuge nicht sagen.

In Mitte, in der Heinrich-Heine- und der Schmidstraße seien in der Silvesternacht "zwei hochwertige Wagen" angezündet worden, hieß es bei der Polizei außerdem. Dabei handelt es sich offenbar um die Autos türkischer Diplomaten.

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