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Anschlag auf Auto von BZ-Journalist Schupelius : SPD-Chef Jan Stöß: "Das sind SA-Methoden"

Nach dem Brandanschlag auf das Auto des "BZ"-Kolumnisten Gunnar Schupelius findet Berlins SPD-Chef Jan Stöß drastische Worte. Auch der Journalistenverband verurteilt die Tat.

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SPD-Landeschef Jan Stöß hat den Brandanschlag auf das Auto des BZ-Kolumnisten Gunnar Schupelius per Twitter mit dem Ausspruch „Das sind SA-Methoden“ verurteilt. Stöß gehört sicher nicht zu den Fans des stockkonservativen Kolumnisten, der gern provoziert und polarisiert, doch am Mittwoch rief selbst er zur Solidarität mit Schupelius auf - durchaus drastisch mit einem Nazi-Vergleich. In der Nacht zu Montag war das Auto des Kolumnisten von Linken abgefackelt worden.

Um 0:01 Uhr am Mittwoch posteten die Unbekannten ihr Bekennerschreiben auf einem linksextremistischen Internetportal und schilderten dort ausführlich und mit falschem Dativ, dass sie den Mini Cooper des B.Z.-Kolumnisten „mit ein wenig Benzin und einem einfachem Zeitzünder abgefackelt“ haben. Damit ist offensichtlich, dass der Brandanschlag in der Ahrweilerstraße in Wilmersdorf gezielt erfolgte. Durch das brennende Auto wurden fünf weitere geparkte Fahrzeuge beschädigt. Der Staatsschutz ermittelt.

Schupelius selbst wollte sich nicht äußern. Die Drahtzieher des Anschlags schreiben in ihrer Erklärung: „Angriffe auf Hassbrenner wie Schupelius sind als Akt antifaschistischer Notwehr zu sehen.“ Der Text lässt erwarten, dass die linke Szene Schupelius wegen seiner „Drecksartikel“ auch weiter „das Leben schwermachen“ will. Am Ende drohen sie dem Journalisten direkt: „Ein kleiner Rat an Gunni, schreib lieber Backrezepte: Hasspropaganda wird immer für Gegenfeuer sorgen!“

Ob der Kolumnist nun unter Polizeischutz steht und was der Staatsschutz für dessen Sicherheit unternimmt, teilte die Polizei nicht mit. „Zu Schutzmaßnahmen geben wir grundsätzlich keine Auskunft“, heißt es. Derzeit werde geprüft, ob das Selbstbezichtigungsschreiben authentisch ist. Schupelius’ Auto sei noch in der Sicherstellungsstelle.

Der Deutsche Journalisten-Verband zeigte sich entsetzt. Sprecherin Eva Werner sagte dem Tagesspiegel: „Das ist ein massiver Eingriff in die Pressefreiheit. Es ist völlig inakzeptabel und auch strafrechtlich relevant“. Einen unliebsamen Journalisten anzugreifen, sei mit den Grundwerten der Demokratie unvereinbar.

Auch der Brand eines Autos in der Glauchauer Straße in Hellersdorf in der Nacht zu Sonntag hat möglicherweise einen politischen Hintergrund. Wie die Polizei am Dienstag bestätigte, ermittelt auch hier der Staatsschutz. Der angezündete und ausgebrannte Wagen soll einer Unterstützerin der Flüchtlinge im Asylbewerberheim in der Carola-Neher-Straße gehören. Die betroffene Frau ist eine katholische Seelsorgerin. Der Angriff auf sie dürfte aus der rechten Ecke kommen. Ihr Ehemann wollte am Mittwoch nichts zu dem Vorfall sagen.

Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) zeigte sich schockiert und beklagte zudem die „neue Qualität der Auseinandersetzung“: Wenn die einen riefen „Nein zum Heim!“ und die anderen „Nazis raus!“, dann sei man immer noch im Bereich der politischen Auseinandersetzung, so Komoß. Wenn aber Menschen aufgelauert oder Gewalt gegen Sachen angewendet werde, „dann ist das das Ende der politischen Auseinandersetzung“.

In der jüngeren Vergangenheit hatte es immer wieder Attacken mit politischem – meist linkem – Hintergrund gegeben. So waren im Dezember auf die Innenverwaltung und im November auf das Wohnhaus des Buchautors und früheren Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD) Farbbeutel geflogen. In diesem Jahr hat die Polizei bislang sieben politisch motivierte Brandstiftungen und 46 Fälle ohne politischen Hintergrund gezählt. 2013 gab es 23 politische Brandstiftungen und 226 nicht-politische.

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