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Attacken im Wahlkampf : Prügel beim Anbringen von Wahlplakaten

Wegen des Anbringens von Wahlplakaten kam es zu Gewalttätigkeiten: So wurde in Prenzlauer Berg ein Pro Deutschland-Politiker attackiert, in Kreuzberg gingen NPD-Wahlhelfer auf einen 19-Jährigen los.

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Der Pankower Bezirksvorsitzende der ultrarechten Partei Pro Deutschland, Lars Seidensticker, ist um kurz nach 17 Uhr an der Greifswalder Straße Ecke Grellstraße attackiert worden, als er gerade mit einem Begleiter Wahlplakate an Laternenmasten anbrachte. Ein Unbekannter - er soll er vermummt gewesen sein - ging auf den Funktionär zu, "drehte ihn um und sprühte ihm Reizgas ins Gesicht", sagte ein Polizeisprecher. Anschließend flüchtete der Tatverdächtige. Auf der Homepage der Partei hieß es, der Täter habe ihm aus wenigen Zentimetern Entfernung eine ätzende Flüssigkeit ins linke Auge und ins Gesicht gespritzt . Der 38-Jährige wurde leicht verletzt und ließ sich ambulant im Krankenhaus behandeln. Auf der Internetseite der Partei hieß es, das Wahlplakat ("Unsere Frauen bleiben frei!") richte sich "gegen die Islamisierung Berlins".

Der nächste Gewaltvorfall ereignete sich gegen zwei Uhr früh am Halleschen Ufer in Kreuzberg: Ein 19-Jähriger beobachtete mehrere Männer, die dort an einer Laterne Aufkleber sowie ein Wahlplakat der rechtsextremen Partei NPD anbrachten. Nachdem sich die Kleingruppe entfernt hatte, erschien ein Mann, der versuchte, das Plakat wieder zu entfernen. Daraufhin kamen die etwa fünf Männer zurück und schubsten den Unbekannten. Als nun der 19-Jährige schlichtend einschritt, geriet er ins Visier der Männer und wurde mit Reizgas besprüht. Danach flüchteten die Angreifer. Der junge Mann kam zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus.

Erst vergangenen Donnerstag hatten zwei NPD-Politiker drei Männer in Britz bedroht und einen von ihnen verletzt. Die späteren Opfer sollen zuvor ein NPD-Plakat an der Buschkrugallee abgerissen haben. Daraufhin soll der 21-jährige Julian B. die Männer mit einem Messer bedroht haben. Der 24-jährige Sebastian T. sprühte laut Polizei einem der Männer dann Pfefferspray ins Gesicht. Mit Messern und Pfefferspray haben zwei NPD-Politiker in der Nacht zu Donnerstag drei Männer in Britz bedroht und einen von ihnen verletzt. Einer der beiden Neonazis ist bereits vorbestraft. Gegen die Neonazis ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung. Sie kandidieren bei den Wahlen im September für die NPD: Sebastian T. für das Abgeordnetenhaus, Julian B. für die Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung. Sebastian T. war bereits 2006 an einem Angriff auf einen PDS-Stand beteiligt und wurde dafür zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Die zunehmende Gewaltbereitschaft der NPD bereitet Initiativen gegen Rechts Sorge. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf das gerade eröffnete Geschäft des NPD-Funktionärs Sebastian Schmidtke. Zu kaufen gibt es in dem Laden „Hexogen“ in Schöneweide unter anderem Teleskopschlagstöcke und Militärkleidung. Buskarten für einen Naziaufmarsch im September in Dortmund werden mit einem Angebot beworben, das die Gewaltbereitschaft der Szene besonders deutlich macht: Wer ein Busticket kauft, erhält eine Dose Pfefferspray kostenlos dazu.

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