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Berlin-Kreuzberg : Toter am Kotti: Täter sollen Rocker sein

In der Kreuzberger Adalbertstraße wurde in der Nacht ein 32-Jähriger angeschossen - er starb rund zwei Stunden später im Krankenhaus.

Felix Hackenbruch
Polizisten am Kotti in der Nacht zu Sonntag.
Polizisten am Kotti in der Nacht zu Sonntag.Foto: Gregor Fischer/dpa

Ein in der Nacht zum 4. September in Kreuzberg erschossener Mann soll offenbar Opfer von Rockern geworden sein. Zeugen hatten in der Nacht die Polizei alarmiert und berichtet, sie hätten gegen 22 Uhr in einem Häuserdurchgang in der Adalbertstraße in Kreuzberg mehrere Schüsse gehört und einen Mann davonrennen sehen. In dem Durchgang fanden die Zeugen dann den 32-Jährigen, der Schussverletzungen im Bereich des Oberkörpers erlitten hatte. Er wurde mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, wo er später verstarb. Die Hintergründe der Tat sind derzeit noch unklar. Die 6. Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen.

Am Morgen nach der Tat wirkt der Tatort am Kotti wie immer. Touristen laufen mit Rollkoffern zur U-Bahn, in den Cafés wird türkischer Tee getrunken und auf den Treppenstufen davor sitzen Obdachlose und trinken Bier. Der Tatort, der direkt vor einem Kinderspielplatz liegt, ist nicht mehr abgesperrt. Am Boden sieht man noch die Reste des Absperrbandes und einen Blutfleck. Daneben hat jemand hat eine Blume niedergelegt und mit roter Kreide "Angels never die. Du wirst niemals vergessen!" aufs Pflaster geschrieben. Immer wieder kommen Männern vorbei, halten inne und diskutieren.

Anwohner gehen von Rockerstreit und Drogenhandel aus

"Das ist unglaublich", sagt ein Anwohner, dessen Wohnung direkt über dem Tatort liegt. "Ich habe zwei kleine Kinder, die hier jeden Tag spielen", sagt er. Das Opfer sei der Schwager seines Cousins gewesen, habe zwei Kinder und eine Frau gehabt, sagt er. Zur Tatzeit sei er selbst mit seinem Taxi unterwegs gewesen, aber seine Frau habe den Vorfall mitbekommen. "Sie hat erst die Schüsse und dann die Schreie gehört", sagt er. Der 34-jährige Anwohner, der seinen Namen nicht nennen will, geht davon aus, dass der Familienvater in einen Rockerstreit gekommen sei. "Er wollte nur schlichten, ist dann aber zwischen die Fronten geraten", mutmaßt der Mann.

Einsatzkräfte der Polizei stehen in dem Hinterhof, in dem der 32-Jährige erschossen wurde.
Einsatzkräfte der Polizei stehen in dem Hinterhof, in dem der 32-Jährige erschossen wurde.Foto: Gregor Fischer/dpa

Diese Version berichtet inzwischen auch die B.Z. Dort heißt es, die Täter seien Rocker der Hells Angels Türkiye Nomads, die im Drogenhandel am Kotti verwickelt sind. Keine offizielle Bestätigung gab es für Angaben aus dem Umfeld des Opfers, dass der Mann einst Mitglied der 36 Boys gewesen sein soll. Außerdem soll die Polizei nach zwei oder drei Täter ermitteln.
Bei der Pressestelle der Polizei will man das aber weder bestätigen noch kommentieren. Auch ob die Beamten ein Motorrad beschlagnahmt haben - in der Nähe des Tatorts stand am Morgen noch eine schwarze Harley - wollte der Polizeisprecher nicht kommentieren.

"Der Kotti ist ein großer Drogenmarktplatz"

Ercan Yasaroglu ist besorgt: "Der Kotti ist wie ein großer Drogenmarktplatz. Da wollen alle Gruppen ein Stück vom Kuchen abhaben", sagt er und berichtet, wie immer neue Gruppen hinzukämen. Yasaroglu ist Initiator mehrerer Kiez-Initiativen gegen die Gewalt am Kottbusser Tor und Inhaber des Café Kotti, von dessen Terrasse man den Tatort sehen kann. "Ich habe gestern Abend die Schüsse gehört und dann von weitem den Mann auf dem Boden liegen sehen", sagt er. Ob es Rocker gewesen seien, weiß er nicht. Er kenne das Opfer nur vom Sehen.

Andere Anwohner wollen nicht mit der Presse sprechen. Ein Passant ärgert sich über die anwesenden Journalisten: "Was schreibt ihr denn? Das ist doch normal hier." Kurz darauf fährt eine Polizeistreife mit Blaulicht vor. Ein Mann hat eine Glasflasche vor einen Dönerladen geworfen und den Verkäufer angeschrien.

Überfälle, Drogenhandel, Diebstähle: Das Kottbusser Tor war schon immer ein Problemort, jetzt ist es richtig gefährlich geworden. Die große Reportage lesen Sie hier: "Selbst für Kreuzberg zu krass"

Hinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, das Opfer sei selbst Rocker gewesen. Das trifft nach bisherigen Erkenntnissen nicht zu. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
Hinweis: In einer früheren Version des Textes wurde berichtet, dass Herr Ercan Yasaroglu einen Zusammenhang zwischen Drogenhandel und Mord bestätigt habe. Richtig ist, dass er lediglich den Kotti als Drogenmarktplatz bezeichnete.

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