Berlin-Mitte : Polizei baut neue Wache auf dem Alex

Jahrelang wurden Polizeiwachen nur geschlossen. Nun soll es eine neue Wache geben - und zwar auf dem Alexanderplatz. Die Denkmalschutzbehörde opponiert.

Die Polizei zeigt Präsenz am Alexanderplatz, dennoch kommt es immer wieder zu Gewalt.
Die Polizei zeigt Präsenz am Alexanderplatz, dennoch kommt es immer wieder zu Gewalt.Foto: Archiv/dpa

Innensenator Andreas Geisel (SPD), Bundespolizeichef Dieter Romann und Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt gaben am Montagvormittag an Ort und Stelle bekannt, dass auf dem Alexanderplatz eine Wache gebaut wird –als Pavillon, 70 Quadratmeter klein, also so groß wie eine durchschnittliche Neubauwohnung. Sie soll noch in diesem Herbst fertig werden. Am Montagmorgen hatten sich die Beteiligten getroffen, eine Vereinbarung wurde allerdings noch nicht unterzeichnet. Es gebe ein „gemeinsames Problembewusstsein“, wie Geisel formulierte. Bisher hatte der Bund eine Beteiligung abgelehnt. Die Vereinbarung solle es in der kommenden Woche geben, hofft Geisel.

Fünf Ordnungshüter finden dort Platz

Fünf Beamte sollen in der Wache Platz finden: drei von der Berliner Polizei, einer von der Bundespolizei und einer vom Ordnungsamt Mitte. Auf dem Dach solle „Alexwache“ stehen, sagte Polizeidirektor René Behrendt, dem die Wache unterstehen wird. 20 zusätzliche Polizisten werden eingestellt, um die Wache rund um die Uhr besetzen zu können. Der Polizeiabschnitt 32 ist nur 400 Meter entfernt in der Keibelstraße.

Zehn Standorte seien in den letzten Wochen geprüft worden, es blieb der Standort zwischen Weltzeituhr und dem Toilettenpavillon übrig. „Eine Baugenehmigung gibt es noch nicht“, musste der Innensenator zugeben, und die Denkmalschutzbehörde sei auch dagegen. Bekanntlich steht das Ensemble von Alexanderhaus und Berolinahaus aus den 30er Jahren als „herausragendes Beispiel der klassischen Moderne“ unter Denkmalschutz. Der Bezirk hätte die Polizei lieber in einem bestehenden Gebäude, sagte Geisel, dort gebe es aber keine freien Flächen.

Der Bezirksbürgermeister nahm – anders als zuvor von der Innenverwaltung mitgeteilt – nicht an dem Termin am Montag teil. Angesichts der fehlenden Baugenehmigung, der Bedenken im Bezirk und der noch nicht zwischen Bund und Berlin unterschriebenen Vereinbarung ist Geisels Zeitplan wohlambitioniert.

Seit dem Tod von Jonny K. wurde diskutiert

Diskutiert über eine stärkere Polizeipräsenz am Alexanderplatz wird seit dem 14. Oktober 2012. In der Nacht wurde der 20-jährige Jonny K. Opfer einer Gruppe von jungen Männern, er starb aufgrund von Tritten gegen seinen Kopf. Sechs Wochen später stellte sich der damalige Innensenator Frank Henkel (CDU) auf den Alex und verkündete, dass die Polizei künftig am Wochenende nachts mit einer mobilen Wache präsent sein werde. Nun kommt also die große Lösung, auf die sich die rot-rot-grüne Koalition verständigt hatte. Die Baukosten bezifferte der Senator auf einen „sechsstelligen Betrag“, also unter einer Million Euro.

Der verglaste Pavillon solle in der Sichtachse zur Rathausstraße stehen, sagte Geisel. Der Senator spricht damit das Hauptproblem des Platzes an, seine Unübersichtlichkeit und Größe. Denn Jonny K. wurde nicht am Alexanderplatz totgeprügelt, sondern zwischen Rathauspassagen und Fernsehturm. Im Wortsinn „im Blick“ haben können die Polizisten in ihrer Wache den Platz nicht. 300.000 Menschen sind täglich am Alex unterwegs, unterirdisch fahren drei U-Bahn-Linien, ebenerdig die Straßenbahn und darüber Regional- und S-Bahnen. Weil die Bahn der Bundespolizei untersteht, ist sie in der Wache vertreten.

Geisel nannte den Platz einen Kriminalitätsschwerpunkt und regte eine bauliche Umgestaltung unter Gesichtspunkten der „städtebaulichen Kriminalprävention“ an. Bekanntlich beschäftigt das Polizeipräsidium zu diesem Zweck eine Architektin. Eine vom früheren Innensenator Henkel geplante Videoüberwachung des Platzes wird es nicht geben, darauf hatte sich Rot-Rot-Grün geeinigt.

Seit dem Tod von Jonny K. hatte es noch weitere Gewalttaten auf dem Platz gegeben. Alltag für die Polizei sind jedoch die vielen Taschendiebstähle. Wegen der vielen Touristen und des Gedränges in den Bahnhöfen ist der Ort bei Tätern beliebt.


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