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Berlin-Wedding : Feuer im Rathaus Wedding zerstörte Asylakten

Der Brand im Rathaus Wedding ist wohl gelegt worden. In den zwei Räumen, in denen es brannte, wurden Türen aufhebelt. Die Polizei prüft, ob es einen politischen Hintergrund gibt.

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Das Feuer im Rathaus Wedding ist offensichtlich auf einen Brandanschlag zurückzuführen. Laut Polizei und Bezirk bestätigten sich am Freitag die Vermutungen, die es bereits Donnerstagabend gab und die zunächst als Spekulation abgetan wurden: In zwei miteinander verbundenen Büros wurden nämlich zunächst Türen aufgehebelt, dann gingen Akten und Mobiliar in Flammen auf. Die Feuerwehr war am Donnerstag mit 20 Feuerwehrmännern und sechs Fahrzeugen vor Ort, um den Brand im zweiten Obergeschoss des Gebäudes in der Müllerstraße zu löschen. Verletzt wurde niemand.

In den Räumen kümmern sich die Sachbearbeiter des Bezirksamts Mitte um Geld- und Sachleistungen für anerkannte Asylbewerber und geduldete Flüchtlinge. 1000 verkohlte Akten wurden jetzt aus den zerstörten Büros geborgen. Nach Angaben des Sozialstadtrates von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), wurden 200 Akten so stark beschädigt, dass sie nicht mehr gerettet werden konnten.
Der oder die unbekannten Täter hatten sich vermutlich am Donnerstagnachmittag in das weitläufige Gebäude geschlichen und dort versteckt. Dann warteten sie darauf, dass die mehr als 400 Beschäftigten in den Feierabend gingen. „Es ist relativ einfach, sich in dem Gebäude einschließen zu lassen“, sagt von Dassel. Im Rathaus Wedding sind die Abteilungen für Bürgerdienste und Soziales sowie für Stadtentwicklung und Ordnung untergebracht, es ist eine von drei Dienststellen des Bezirksamts Mitte. Neben Sozialstadtrat von Dassel (Grüne) hat auch Stadtentwicklungsstadtrat Carsten Spallek (CDU) seinen Dienstsitz im Gebäude.


Als alles ruhig war, hebelten die Täter nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei die Tür zu den Büros auf und machten sich ans Werk. Ob sie dabei auch Brandbeschleuniger einsetzten, ist Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen. Gegen 18 Uhr macht der Pförtner für gewöhnlich seine Runde und schließt die Eingangstüren ab – er war es auch, der den Alarm eines Rauchmelders bemerkte und die Feuerwehr rief. Um kurz vor 20 Uhr ging sein Notruf ein, kurz darauf war die Feuerwehr dort. Der Einsatzleiter stellte eine starke Rauchentwicklung fest und schickte einen Löschtrupp ins Gebäude. Nach gut einer Stunde war der Brand gelöscht.


Laut Stadtrat von Dassel wurde in den vergangenen Wochen schon öfter versucht, ins Rathaus einzubrechen. Einmal gelang das sogar. „Wir hatten einen vollendeten und drei versuchte Einbrüche“, sagt von Dassel, „wir wissen aber nicht, wer das war und beteiligen uns auch nicht an Spekulationen.“ Einbrecher sind für gewöhnlich auf Bargeld oder wertvolle Gegenstände aus – beides ist in einem Verwaltungsgebäude kaum zu finden. Die Kriminalpolizei prüft deshalb, ob die Tat einen politischen Hintergrund hat. In Berlin wird derzeit eine hitzige Flüchtlingsdebatte geführt, sowohl linke als auch rechte Täter kommen infrage, oder auch Asylbewerber selbst. Ein mögliches Bekennerschreiben ist laut Polizei noch nicht aufgetaucht.


In den vergangenen Jahren hat das Bezirksamt Mitte laut von Dassel fünf Millionen Euro in eine moderne Brandschutzanlage für das Rathaus investiert. „Vor drei Jahren hätte die Sache schlimm ausgehen können“, sagt er. Die Sicherheit der Beschäftigten habe Priorität, deshalb werde nun geprüft, ob ein neues Sicherheitskonzept entwickelt werden müsse. Bis die Büros wieder hergerichtet sind, kann es mehrere Monate dauern – bis dahin werden die Asylbewerber in anderen Räumen betreut. Am Freitag war kein Publikumsverkehr, die Sprechstunde am Montag soll aber wie gewohnt stattfinden.

 

 

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