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Berliner Kriminalstatistik 2015 : Bei Dieben wird Berlin immer beliebter

Die Polizei zieht Bilanz zum Kriminalitätsjahr 2015. Gewaltdelikte sind rückläufig, allerdings nahm rechte Gewalt sprunghaft zu. Und bei Dieben wird Berlin immer beliebter.

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ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Mann stiehlt am 21.08.2014 einer Frau an einer Bushaltestelle ein Smartphone aus einer Handtasche. Foto: Arno Burgi/dpa (zu dpa «Zielfahnder und Telefonüberwachung - Prozess gegen Diebesbanden» vom 20.05.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Mann stiehlt am 21.08.2014 einer Frau an einer Bushaltestelle ein Smartphone aus einer Handtasche....Foto: dpa

Die Berliner Polizei hat am Donnerstagvormittag die komplette Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2015 veröffentlicht. Außerdem steht auch die Lagedarstellung zur politisch motivierten Kriminalität sowie der Kriminalitätsatlas 2015 auf der Homepage der Polizei zum Download bereit.

Die wichtigsten Entwicklungen bei den Kriminalität in der Hauptstadt waren bereits Ende Februar von Polizeipräsident Kandt und Innensenator Henkel vorgestellt worden, der Tagesspiegel hatte berichtet. Die Straßengewalt nahm demnach deutlich ab, allerdings sind immer mehr Diebe in der Hauptstadt unterwegs.

"Die PKS für 2015 zeigt, dass die Fallzahlen für Mord und Totschlag, Rohheits- und Sexualdelikte stark rückläufig sind. Sowohl auf Straßen und Plätzen, als auch in Bussen und Bahnen ist die Gewalt deutlich zurückgegangen", hieß es nun in einer Erklärung der Polizei. Die Zahl der Gewaltverbrechen sei auf "ein neues langjähriges Rekordtief gesunken." Seit Mitte der 1990er Jahre sei nicht mehr so wenig Gewalt registriert worden. So sei die Zahl der Mordtaten im Vergleich zu 2014 um 14,5 Prozent, die Zahl der Raubtaten um 5,1 Prozent und die Zahl der Vergewaltigungen/sexuellen Nötigungen um 8,9 Prozent gesunken.

Auch die Zahl der Wohnraumeinbrüche sei um 2,8 Prozent zurückgegangen, so die Polizei. Auch darüber hatte der Tagesspiegel bereits berichtet, die Einbrecher scheinen zunehmend nach Brandenburg auszuweichen. Bei Taschen-, Laden- und Fahrraddieben wird Berlin allerdings immer beliebter: Die Zahl der Taschendiebstähle stieg um mehr als 25 Prozent, die der Ladendiebstähle um 14 Prozent. Die Zahl der registrierten Kellereinbrüche stieg laut Polizei sogar um fast 35 Prozent.

Im Vergleich zum restlichen Bundesgebiet bleibt Berlin aber weiter recht gefährlich. Auf die Einwohnerzahl umgerechnet, werden in Berlin doppelt so viel Straftaten verübt wie im übrigen Deutschland. Insgesamt wurden berlinweit mehr als 16.000 Straftaten je 100.000 Bewohner registriert. Im letzten Jahr registrierte die Polizei in Berlin rund 570.000 Straftaten, wovon rund 44 Prozent aufgeklärt werden konnten. Rund 47 Prozent der Straftaten waren Diebstahlsdelikte.

Deutlich mehr Gewalt von Rechtsextremisten

Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität zählte die Berliner Polizei im letzten Jahr insgesamt 3.770 Taten. Dies entspricht einem leichten Rückgang von drei Prozent im Vergleich zum Jahr 2014, als 3.897 Delikte registriert worden waren. Davon wurden 1.655 Taten von Rechtsextremisten (plus 6 Prozent) begangen, für 1.059 Taten waren Linksextremisten verantwortlich (minus 23 Prozent, jeweils im Vergleich zum Jahr 2014). Die restlichen Fälle entfallen auf die sogenannte politisch motivierte Ausländerkriminalität oder konnten nicht zweifelsfrei zugeordnet werden.

Auch bei den politisch motivierten Gewaltdelikten war insgesamt ein Rückgang zu verzeichnen, von 796 Taten im Jahr 2014 sank diese Zahl auf 693 Fälle im Jahr 2015 (minus 13 Prozent). Für mehr als die Hälfte der Gewalttaten sind Linksextremisten verantwortlich, obwohl sie im Jahr 2015 mit 361 gezählten Gewaltdelikten weniger häufig zuschlugen als im Jahr 2014, als 496 Gewalttaten von der Polizei aufgenommen wurden. Dies entspricht einem Rückgang um 27 Prozent.

Rechtsextremisten hingegen waren im Jahr 2015 deutlich gewalttätiger als im Jahr davor. Die Polizei zählte 143 Gewaltdelikte von Rechtsextremisten, im Vorjahr waren es noch 108 gewesen. Dies entspricht einem Anstieg um 32 Prozent. Von diesen Taten "waren vor allem Personen betroffen, die aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes eine mutmaßlich fremde Herkunft bzw. einen Einwanderungshintergrund aufwiesen", so die Polizei.

Kriminelle nehmen Touristen in den Fokus

Im Kriminalitätsatlas schlüsselt die Polizei die Straftaten nach "Bezirksregionen" und "Häufigkeitszahlen" - der Zahl an Straftaten je 100.000 Einwohner - auf. Die Häufigkeitszahl ist ein Gradmesser für die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden. Besonders in den von Touristen frequentierten Stadtteilen im Zentrum werden Kriminelle besonders häufig erwischt.

Im Regierungsviertel wurden demnach 90.000 Straftaten je 100.000 Einwohner gezählt, rings um den Alexanderplatz kam es zu 45.000 Straftaten je 100.000 Einwohner. Diese Häufung erklärt die Polizei damit, dass die vielen Touristen auch Kriminelle, vor allem Diebe, anziehen würden. "In diesem Gebiet befindet sich ein Großteil der touristischen Hauptziele Berlins, beispielhaft seien das Brandenburger Tor, der Boulevard Unter den Linden, der Hackesche Markt, der Gendarmenmarkt und der Fernsehturm genannt", so die Polizei.

Am Kurfürstendamm in Charlottenburg wurden 70.000 Straftaten je 100.000 Einwohner gezählt. Auch dieser Boulevard sei mit seinen Kaufhäusern und Nachtlokalen ein "Anziehungspunkt für Touristinnen und Touristen", so die Polizei. Mehr als die Hälfte der Straftaten seien um den Hardenbergplatz und den Breitscheidplatz verübt worden.

Viele Delikte in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg

Jenseits dieser besonders belasteten Regionen werden in den Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg die meisten Straftaten verübt. In Mitte wurden im Jahr 2015 insgesamt 96.875 Fälle (plus 6 Prozent) gezählt, in Friedrichshain-Kreuzberg gab es 67.357 Taten zu verzeichnen (plus 7,4 Prozent, jeweils im Vergleich zu 2014). Auf dem dritten Platz folgt Charlottenburg-Wilmersdorf mit 56.593 Delikten (plus 6,1 Prozent). Den stärksten Anstieg hatte allerdings der Bezirk Pankow zu verzeichnen: Hier wurden 44.156 Straftaten registriert, knapp elf Prozent mehr als im Jahr 2014.


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