Brennende Autos am Berliner Gleisdreieckspark : Neues Bekennerschreiben für linksextremistische Randale

Wer steckt hinter den Randalen in der Flottwellstraße am Park am Gleisdreieck? Im Internet ist ein neues Bekennerschreiben aufgetaucht.

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Ausgebrannte Autos stehen  in der Flottwellstraße in Berlin. Am Park am Gleisdreieck in Berlin-Kreuzberg sind in der Nacht zum Samstag mehrere Autos in Brand gesetzt worden.
Ausgebrannte Autos stehen in der Flottwellstraße in Berlin. Am Park am Gleisdreieck in Berlin-Kreuzberg sind in der Nacht...Foto: dpa

Nachdem in der Nacht zum Samstag zahlreiche Autos in der Flottwellstraße am Park am Gleisdreieck angezündet worden waren, ist auf der linken Internetplattform Indymedia ein neues Bekennerschreiben aufgetaucht. Darin distanziert sich das "Kommando Klaus-Jürgen Rattay" ausdrücklich vom Schreiben vom Samstag, in dem das "Kommando Noske und Ebert" die Taten mit ironischem Unterton als "sozialdemokratisch" motiviert bezeichnet und den SPD-Abgeordneten Tom Schreiber als Volksgenossen verunglimpft hatte.

Was steht im neuen Schreiben?

Zunächst einmal erklären die Verfasser, warum ausgerechnet das Neubaugebiet im Gleisdreieckspark ins Visier geriet. Man habe den Ort "im Zusammenhang langfristiger Überlegungen zum Problem der Wohnraumverknappung für einkommenschwache (sic!) Schichten" ausgewählt. Die Verfasser wollen darauf aufmerksam machen, wie "Menschen zwangsgeräumt, Obdachlose und Junkies vom öffentlichen Straßenbild vertrieben" würden, während gleichzeitig "ein Luxusloft nach dem anderen hochgezogen" werde.

Ausgebrannte Autos stehen in der Flottwellstraße in Berlin. Am Park am Gleisdreieck in Berlin-Kreuzberg sind in der Nacht zum Samstag mehrere Autos in Brand gesetzt worden.
Ausgebrannte Autos stehen in der Flottwellstraße in Berlin. Am Park am Gleisdreieck in Berlin-Kreuzberg sind in der Nacht...Foto: dpa

Damit schlossen die Schreiber an die seit Jahren stattfindende Debatte über Gentrifizierung und steigende Mieten an. Zugleich stellten sie die Randale in einen Kontext mit den Polizeieinsätzen gegen autonome Wohnprojekte - und bezogen sich explizit auf die Durchsuchung der Rigaer Straße 94 vor wenigen Wochen. Ziel sei es, "einen Sachschaden von 1 Millionen Euro für jeden Angriff auf Projekte in Berlin zu stiften".

Auch die "spontanen" Randale in der Nord-Neuköllner Weser- und Hobrechtstraße wurden in diesen Zusammenhang gestellt. Die Linke Szene sei vom Einsatz in der Rigaer Straße zunächst "auf dem falschen Fuß erwischt" worden, wolle aber nun zunehmend "intervenieren".

Wer steckt dahinter?

Die Polizei analysiert derzeit das Schreiben. Da jedoch ein Foto aus der Nacht angehängt ist und darauf Bezug genommen wird, dass die Täter mit Flaschen beworfen wurden, ist zu vermuten, dass die Verfasser "Kommando Klaus-Jürgen Rattay" zumindest Kontakt zu den Tätern haben. Ob die Informationen authentisch sind, also "Täterwissen" enthalten, überprüft die Polizei.

Klaus-Jürgen Rattay war ein Hausbesetzer, der 1981 bei einem umstrittenen Polizeieinsatz bei einer Kundgebung an der Potsdamer Ecke Bülowstraße zu Tode gekommen war.

Das Kommando betonte die eigene relative Friedfertigkeit: Man habe auf den "Flaschenbewurf durch die Pioniere der sozialen Auslese" nicht mit Steinwürfen reagiert.

Was war überhaupt passiert?

In der Nacht zum Sonnabend hatten 20 bis 40 Maskierte auf Fahrrädern am Gleisdreieck-Park randaliert. In der Flottwellstraße zündeten sie zwei Baustellenabsperrungen und vier geparkte Autos an: zwei Mercedes und zwei BMW. An 24 weiteren Fahrzeugen wurden Scheiben eingeschlagen und Spiegel abgetreten. An Geschäften und Wohnhäusern gingen Fenster zu Bruch. Es entstand ein Sachschaden in sechsstelliger Höhe.

In der Folgenacht hatte eine Personengruppe von 50 bis 100 zunächst ebenfalls randaliert und dann einen Streifenwagen mit Steinen beworfen.

Unklar ist, inwieweit die Aktionen in Zusammenhang zueinander und zur Demonstration am Samstagabend stehen, bei der 4000 Linke weitgehend friedlich gegen den Polizeieinsatz an der Rigaer Straße  protestiert hatten.

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