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Dienstwaffen für einen Euro : Berliner Polizei beschafft veraltete Pistolen

Weil die Berliner Polizei immer noch mit der alten P6 ausgestattet ist, werden jetzt ausgemusterte Pistolen aus dem Norden beschafft. Für 1 Euro das Stück.

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Schießen mit alten Pistolen auf schadstoffbelasteten Schießständen. Die Berliner Polizisten sind nicht zu beneiden.
Schießen mit alten Pistolen auf schadstoffbelasteten Schießständen. Die Berliner Polizisten sind nicht zu beneiden.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Berliner Polizei bekommt neue Dienstpistolen. Die Waffen, genau 1139 Stück, sind allerdings gebraucht und wurden bereits ausgemustert. Sie lagern derzeit auf einer Dienststelle der Landespolizei von Schleswig-Holstein. Der Deal ist bereits vereinbart, wie ein Polizeisprecher bestätigte, die Waffen liegen zur Abholung bereit. Die Kaufsumme ist recht überschaubar: ein Euro pro Pistole.
Mit den Pistolen sollen verschlissene und irreparable Pistolen ersetzt werden. Das Waffenarsenal der Berliner Polizei – rund 20 000 Dienstwaffen gibt es – ist bereits recht betagt. „Einige Pistolen sind 15 bis 20 Jahre alt“, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Bei regelmäßiger Wartung sei das aber kein Problem. Die Beamten nutzen weiterhin ein Fabrikat, das in Schleswig-Holstein bereits ausrangiert wurde und längst nicht mehr hergestellt wird: Die P6 der Firma Sig Sauer.

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Die Brandenburger Polizei erneuert ab 2017 ihr gesamtes Waffenarsenal, 8000 Pistolen für knapp fünf Millionen Euro. Die alten P6-Pistolen würden aber nicht verscherbelt, sondern verschrottet, erklärt das Innenministerium. Auch für die Berliner Polizei soll modernes Material angeschafft werden, bei der Menge der Waffen sei das aber sehr zeitaufwendig, sagte Neuendorf. Gegenwärtig werde der Leistungskatalog für die anschließende Ausschreibung zusammengestellt. Es müssten aber auch ein Trainigsprogramm für die neuen Waffen aufgelegt und die Waffenkammer entsprechend umgerüstet werden. Vor 2018 ist mit der eigentlichen Beschaffung wohl nicht zu rechnen.

Bund der Kriminalbeamten ist stinksauer

Der Bund der Kriminalbeamten ist stinksauer: „Wer so gespart hat, dass wir nun mit alten, gebrauchten und nicht mehr produzierten Schusswaffen für einen Euro ausgerüstet werden müssen, dem scheint unser Leben kaum ein Cent wert zu sein“, sagte der Landesvorsitzende des BdK, Michael Böhl. Auch wenn die Schusswaffen noch gebrauchsfähig seien, passten sie nicht optimal zu der in Berlin verwendeten Munition. Die Polizei wies das zurück. Die Waffen seien von Fachleuten geprüft und für „technisch einwandfrei“ befunden worden. „Die P 6 ist weiterhin zertifiziert“, erklärte Neuendorf – das bedeutet, für den Polizeidienst zugelassen. Es gebe allerdings einige Unterschiede zu moderneren, ebenfalls zertifizierten Pistolen derFirmen Heckler & Koch und Walther. Der gravierendste: Die P 6 hat acht, die neuen Waffentypen bis zu 15 Patronen im Magazin.
Dass die Bewaffnung der Polizisten in Berlin veraltet sein könnte, wurde in der politischen Diskussion um marode Schießstände und die Einführung der Elektroschockwaffe Taser offenbar übersehen. Innensenator Frank Henkel (CDU) möchte den Taser in größerem Rahmen testen, SPD und die Opposition sind skeptisch bis ablehnend. Das Spezialeinsatzkommando SEK arbeitet bereits mit dem Taser. Der Innenexperte der Linken, Hakan Tas, hält die veralteten Waffen aus Schleswig-Holstein für ein „Sicherheitsrisiko“ für die Beamten. Die CDU, die immer das Thema Sicherheit spiele, „macht sich damit lächerlich.“

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