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Ex-Pirat entzweit Sozialdemokraten in Berlin : SPD-Neuling Lauer zankt sich mit Genossen

Kein Neu-Mitglied der SPD hat in so kurzer Zeit so viel Streit in die Partei getragen wie Ex-Pirat Christopher Lauer. Jetzt gab es den ersten Rücktritt.

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Ex-Pirat Christopher Lauer.
Ex-Pirat Christopher Lauer.Foto: Paul Zinken/dpa

Es kracht in der SPD. Am Dienstag sollte Christopher Lauer in der Abteilung 11 der Berliner SPD (SPD Mauerpark) "als neues Mitglied begrüßt" werden, wie die Partei bei Facebook meldete. In der gleichen Mitteilung gab die SPD Mauerpark bekannt, dass ein Vorstandsmitglied zurückgetreten ist. Mario Reimann, Seniorenbeisitzer, hatte Lauer als "Vollpfosten" bezeichnet, den man "nicht ernst nehmen" muss. Diese Formulierung wäre in der streiterprobten SPD durchgegangen, nicht aber dieser Satz: "Schade dass sein Mitpirat auf ihn nicht gestanden hat." Prominente Genossen wie die SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl sahen darin eine Morddrohung und rieten Lauer zur Strafanzeige.

Bekanntlich hatte der Piraten-Abgeordnete Gerwald Claus-Brunner im September einen Mann getötet, in den er sich verliebt hatte, und anschließend sich selbst getötet. Die SPD teilte mit: "Die von unserem Vorstandsmitglied auf seinem privaten Facebookaccount getätigte Bemerkung ist in Wortwahl, Inhalt und Stil weder Auffassung der SPD Mauerpark noch des Vorstandes. Wir distanzieren uns davon vollumfänglich."

Lauer: Reimann hat sich entschuldigt

Lauer selbst erklärte, dass sich Reimann bei ihm entschuldigt habe. Er kommentierte die Erklärung der SPD Mauerpark auf Facebook: "...Von meiner Seite gibts keine harten Gefühle: Ich akzeptiere Marios Entschuldigung und finde, dass sein Schritt Konsequenzen zu ziehen Respekt abverlangt. So zu seiner Verantwortung zu stehen bekommt auch nicht jeder hin. Ich freue mich auf heute Abend."

Den Streit hatte Lauer am Wochenende ausgelöst. Am Sonnabend hatte ein Polizist in Reinickendorf auf einen mit einem Messer bewaffneten Angreifer geschossen. Der 22-Jährige war durch einen Treffer ins Bein verletzt worden. Der jüngst in die SPD eingetretene Lauer hatte mitgeteilt: "Langsam entsteht bei mir der Eindruck, die Polizei schießt jetzt so lange jede Woche auf einen Mann mit Messer, bis der Taser da ist". Diese Kritik hatte heftige Proteste ausgelöst, die Gewerkschaft der Polizei hatte den Noch-Abgeordneten in einer Pressemitteilung als "Politclown" bezeichnet.

Lauer heizte den Streit am Montagabend mit neuen Tweets weiter an: "Vielleicht sollte ich nen Termin anregen, an dem mich alle SPD-Mitglieder, die mich beleidigen wollen, das dann auch tun. Langsam verliere ich nämlich die Übersicht, wer das schon getan hat und wer noch will."

Schreiber: "Ich hätte ihn nicht aufgenommen"

Einer der schärfsten Kritiker Lauers ist der Abgeordnete Tom Schreiber. Der SPD-Politiker sagte dem Tagesspiegel: "Lauer schadet der SPD. Es schadet dem Ansehen der Partei, wenn ein Mitglied so einen Quatsch erzählt. Die Polizei ist nicht schießwütig" Schreiber bedauerte, dass der SPD-Ortsverband Lauer als Mitglied akzeptiert habe. "Ich hätte ihn nicht aufgenommen."

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