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Fahrzeuge in Berlin angezündet : Linksextreme geben Anschlag auf Botschaftsautos zu

Die Brandanschläge auf Autos in der Nacht zu Donnerstag waren offensichtlich eine abgesprochene Aktion von Linksextremisten. Angezündet wurden vor allem Firmenfahrzeuge wie der Telekom. Zudem wurden zwei Fahrzeuge der türkischen Botschaft angezündet, hierzu gibt es mittlerweile ein Bekennerschreiben.

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In Berlin haben in der Nacht zehn Autos gebrannt. (Archivbild)
In Berlin haben in der Nacht zehn Autos gebrannt. (Archivbild)Foto: dpa

Auf einer einschlägigen linksextremistischen Seite wurde am Donnerstag ein Bekennerschreiben eines "Kommando Berivan Sason" veröffentlicht. Darin heißt es: "Zwei Fahrzeuge der türkischen Staatsvertreter der Botschaft sind dem Benzin und Öl unserer Vorrichtungen zum Opfer gefallen.". In dem Schreiben wird der Türkei vorgeworfen, sich nicht genug gegen die Islamisten der IS zu engagieren. Berivan Sason war eine Kämpferin der PKK, die sich aus Furcht vor der IS selbst getötet haben soll. Nach Polizeiangaben brannten in der Schmidstraße in Mitte gegen 2.45 Uhr ein Mercedes und ein VW. Anwohner hörten knallende Geräusche und sahen anschließend Flammen. Beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt, sie waren anhand ihrer Kennzeichen als türkische Diplomatenfahrzeuge erkennbar. Zwei in der Nähe abgestellte weitere Autos und ein Motorroller wurden beschädigt. An gleicher Stelle waren bereits in der Neujahrsnacht 2014 zwei türkische Diplomatenautos in Flammen aufgegangen. Sie brannten damals im Abstand von zehn Minuten an der Heinrich- Heine-Straße und der Schmidstraße. In der Nähe befindet sich eine im Jahr 2012 eröffnete türkische Privatschule, die Berliner Filiale der Istanbuler Bahçesehir-Universität.

Die anderen fünf Brandstiftungen in der Nacht zu Donnerstag dürften auf das Konto anderer linksextremistischer Täter gehen. Getroffen wurden Firmenfahrzeuge. Gegen Mitternacht brannte ein Auto der Firma Bosch in der Alten Jakobstraße in Kreuzberg, um 0.10 Uhr dann ein Lastwagen in der Alexandrinenstraße in Mitte. Fünf Minuten später stand ein Pkw in der Gürtelstraße in Friedrichshain in Flammen, um 0.30 Uhr ein weiterer in der Dornbrunner Straße in Baumschulenweg. Dieser war auf einem Mieterparkplatz einer ruhigen Seitenstraße abgestellt, dies spricht dafür, dass der Tatort zuvor ausgekundschaftet wurde. Abschließend wurden zwei Fahrzeuge in der Oderstraße in Neukölln zwischen 5 und 5.30 Uhr in Brand gesetzt. Der für politische Delikte zuständige Staatsschutz ermittelt. Bekennerschreiben zu diesen Taten wurden bislang nicht bekannt.

Erst am Dienstagabend hatte eine Gruppe von 20 bis 30 Personen am Engeldamm in Mitte randaliert. Sie warfen Steine und Farbbeutel auf ein Eckhaus. Alle Scheiben im Erdgeschoss wurden beschädigt. Zudem brannten eine Baustellenabsperrung sowie ein Auto. Auf dem Grundstück in der Adalbertstraße Ecke Engeldamm befindet sich ein Möbelgeschäft, das bereits Anfang Juli attackiert worden war. Auch in der Bauphase wurde das Eckhaus bereits Ziel eines linksextremistischen Anschlags.

Der SPD-Innenpolitiker Tom Schreiber nahm den Vorfall vom Dienstag zum Anlass, härteres Durchgreifen gegen gewaltbereite Linksextremisten zu fordern. "Es muss deutlich werden: Der Rechtsstaat packt zu. Es kann nicht sein, dass hier eine Handvoll von irren und wirren Menschen versuchen, anderen Leid zuzufügen", sagt Schreiber. Die Bürger müssten wissen, dass sie vor diesen Menschen geschützt würden. Schon im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf die Berliner S-Bahn Ende August sagte Schreiber: "Die linksautonome Szene will die Innenstadt terrorisieren und tyrannisieren."

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