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Getötete Frau : Bluttat in Kreuzberg offenbar nicht erster Fall in der Familie

Der 32-jährige Orhan S., der am Montag in Kreuzberg seine Frau grausam tötete, hat einen Cousin, der vor sieben Jahren in Neukölln ebenfalls seine Frau tötete. Beide Taten zeigen eine erschütternde Ähnlichkeit. Der Cousin sitzt aktuell in Haft.

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"Frauen, habt Mut, holt Euch Hilfe!" Nach dem grausamen Mord an einer Frau in Kreuzberg findet am Dienstagabend eine Mahnwache am Tatort statt.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Kai-Uwe Heinrich
05.06.2012 21:16"Frauen, habt Mut, holt Euch Hilfe!" Nach dem grausamen Mord an einer Frau in Kreuzberg findet am Dienstagabend eine Mahnwache am...

Die Täter tragen denselben Familiennamen und ihre Taten ähneln sich auf erschütternde Weise. Sie stammen aus derselben kurdischstämmigen Familie, sie sind Cousins und haben beide ihre Frauen getötet - und damit ihren Kindern die Mutter genommen.

Wie der 32-jährige Orhan S. hat nach Tagesspiegel-Informationen hat auch sein Cousin Mahmut S. vor sieben Jahren in einer Wohnung in der Karl-Marx-Straße in Neukölln seine Frau getötet. Im Alkoholrausch erwürgte S. am 4. Januar 2005 seine Frau Meyrem Ö.

Die beiden trugen nicht denselben Nachnamen, da das Paar nicht standesamtlich verheiratet war, sondern sich nur von einem islamischen Prediger hatte trauen lassen.

Nach der Tat war der Mann in die Türkei geflogen und hatte sich dort in einem Hotel in der Stadt Bursa einquartiert. Da Mahmut S. seine Personalien an der Rezeption nennen musste, konnte ihn die Polizei wenige Tage nach der Tat festnehmen. Da die Türkei wie fast alle Staaten seine Landsleute nicht ausliefert, verbüßt der heute 41-Jährige seine Haft in einem türkischen Gefängnis.

Video der Gedenkveranstaltung am Tatort:

Video
Die ermordete Kurdin Semanur S.
Mahnwache in Kreuzberg

Das ehemalige Mitglied der Linken-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Giyasettin Sayan, bestätigte dem Tagesspiegel, dass es sich bei den beiden Männern um Cousins handelt. Er hatte sich damals intensiv mit der Familie S. beschäftigt, da er zwischen den Familien des Täters und des Opfers „vermittelt“ hat, wie er selbst sagt, weil schon vor der Tat eine Art „Blutrache“ zu befürchten war.

Ähnlich wie im Fall Orhan S., der mit der von ihm getöteten Ehefrau Semanur S. sechs Kinder im Alter zwischen elf Monaten und 13 Jahren hatte, nahm auch der fünffache Vater Mahmut S. seinen Kindern die Mutter. Auch hier war das älteste Kind, ein Junge, damals 13 Jahre alt.

Der Vorsitzende des Vereins „Aufbruch Neukölln“, Kazim Erdogan, erinnert sich gut an den Fall. „Ich habe damals mit dafür gesorgt, dass die Kinder eine Betreuung bekommen. Sie sind bei der Großmutter und bei der Tante im Norden Berlins untergekommen“, sagt Erdogan.

Nach der Bluttat am Montag, bei der Orhan S. seine Frau getötet und die Leiche anschließend zerteilte, hat sich Erdogan intensiv mit Mitgliedern der Familie unterhalten. Auch hier haben etliche Verwandte erzählt, dass schon vor sieben Jahren ein ähnlich schrecklicher Fall die Familie erschüttert hatte und wie ein Fluch nachwirkte.

Der Linken-Politiker Sayan nennt weitere auffällige Parallelen im Leben der Männer: Beide seien Schulabbrecher, arbeitslos und hätten getrunken. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Bei Orhan S. wurde vom Gutachter eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert, so dass er womöglich schuldunfähig ist und in die geschlossene Nervenklinik kommt – statt ins Gefängnis, wie sein Cousin.

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