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Getöteter 22-Jähriger : Liebesbriefe, Blumen und eine Fahne - Trauer in Neukölln

In der Nacht zu Donnerstag hat ein Mann in Berlin das Feuer auf eine Gruppe junger Männer eröffnet. Ein 22-Jähriger wurde getötet, zwei Jugendliche wurden schwer verletzt. Jetzt herrscht Trauer und ein Verdacht.

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Auch mehr als sechs Wochen nach der Bluttat in Neukölln erinnern Plakate in der Rudower Straße an den getöteten Burak B., 22.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Isabelle Buckow
22.05.2012 11:49Auch mehr als sechs Wochen nach der Bluttat in Neukölln erinnern Plakate in der Rudower Straße an den getöteten Burak B., 22.

Am Tag nach den tödlichen Schüssen auf einen 22-jährigen türkischstämmigen jungen Mann gleicht der Tatort einem Wallfahrtsort. Zahlreiche Blumen werden abgelegt, Autofahrer halten an, um Bilder zu machen oder für einen kurzen Moment inne zu halten. Es fließen viele Tränen. An einem Baum sind Plakate festgemacht, auf denen der Name des Opfers steht und: "Burak, Zeiten vergehen, Erinnerungen bleiben..." Und direkt darunter steht: "Deutschland, wir wollen Gerechtigkeit". Dutzende Menschen haben unterschrieben oder zücken jetzt einen Stift. Noch ist zwar nicht geklärt, ob es sich um einen fremdenfeindlichen Hintergrund bei der Tat handelt, aber die Polizei kann derzeit nichts ausschließen. Auch ein durchgestrichenes Hakenkreuz ist vor Ort zu sehen. Außerdem ist ein vier Seiten langer Liebesbrief abgelegt, der mit den Worten "Burak, mein Schatz..." beginnt und aus dem große Verzweiflung und Unverständnis spricht. Unterzeichnet sind die Karoblätter in DIN-A4-Größe mit den Worten "In ewiger Liebe". Auch ein Bild des Opfers ist zu sehen, ganz oben am Baum - darunter flattert eine türkische Fahne im Wind.

Ein türkischstämmiger Berliner ist auch zum Tatort gekommen. Er arbeitet im Klinikum Neukölln, das gleich gegenüber dem Tatort liegt. "Ich kann es nicht fassen", sagt er und fordert, dass jegliche Waffen verboten gehören. Er sei in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag durch die Schüsse aufgewacht. "Dann habe ich die Körper noch auf der Straße liegen sehen", sagt er. Seiner Meinung nach habe es sehr lange gedauert, bis die Krankenwagen vor Ort waren - obwohl das Klinikum so nah war. "Es ist unfassbar, dass der Täter noch frei herumläuft", sagt der Berliner Türke, der gegenüber dem Tatort am Krankenhaus wohnt und seit 35 Jahren in Deutschland lebt. Auch ein junger Deutscher aus Kreuzberg ist zum Ort des Geschehens gekommen. Er legt eine weiße Rose nieder und sagt: "Ich weiß nicht, ob es einen rechtsextremen Hintergrund für die Tat gibt, aber ich will auf jeden Fall ein Zeichen setzen."

Am Freitagmittag konnte die Polizei noch immer keine genauen Angaben zum Hintergrund der Schüsse auf eine Gruppe junger Männer machen, bei denen der 22-Jährige in der Nacht zu Donnerstag getötet wurde und zwei Jugendliche verletzt wurden. "Es werden noch zahlreiche Zeugen befragt", sagt ein Polizeisprecher.

Mittlerweile sind etliche Blumen am Tatort in der Rudower Straße abgelegt, Kerzen brennen. Manche, die den Getöteten kannten, wollen gegenüber den Medien nichts sagen. "Stellen Sie sich vor, es wäre Ihr Freund, Ihr Verwandter, würden Sie dann mit Fremden über ihn reden wollen?" Zwei junge Frauen sind am Donnerstagabend zum Tatort gekommen. Sie ringen um Fassung. Nach einer Weile gehen sie davon. Sie sind nicht die einzigen, die an dem Ort des Verbrechens ihre Trauer zum Ausdruck bringen. Ein paar Blumen liegen auf der Straße und erinnern an die Opfer. Und auch manche Schaulustige bleiben stehen, manche Autofahrer bremsen ab, wenn sie durch die Straße fahren, um den Tatort zu betrachten.

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