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Kamenzer Damm : Polizist schießt Mann mit Messer in Lankwitz ins Bein

Erneut hat ein Berliner Polizist mit seiner Dienstwaffe geschossen und einen Mann ins Bein getroffen. Der Verletzte soll zuvor am Dienstagmorgen in Lankwitz Passanten mit einem Messer bedroht haben. Möglicherweise litt er an einer psychischen Störung.

von und Nina Paulsen
Das Übergangsheim Lankwitz am Kamenzer Damm 1c.
Das Übergangsheim Lankwitz am Kamenzer Damm 1c.Foto: Tanja Buntrock

Bei dem Mann, der heute früh am Kamenzer Damm von einem Polizisten ins Bein geschossen wurde, handelt es sich um einen Bewohner des Übergangsheims Lankwitz. Das bestätigte auf Tagesspiegel-Anfrage eine Sprecherin des Berliner Landesverbandes der Arbeiterwohlfahrt AWO, die die Einrichtung betreibt. In dem Heim werden Menschen betreut, die an einer Psychose erkrankt sind oder an einer schweren Persönlichkeitsstörung leiden.

Nach ersten Erkenntnissen war die Polizei am Dienstag früh zum Kamenzer Damm gerufen worden, weil dort ein 33 Jahre alter Mann unmittelbar vor dem Übergangsheim Passanten mit einem Messer mit rund 20 Zentimeter langer Klinge bedroht haben soll. Er soll auch eine Autofahrerin angehalten und attackiert haben, die ihn daraufhin mit ihrem Wagen gestreift und so zu Boden gebracht hatte.

Als die alarmierte Polizei den Ort des Geschehens erreichte, musste sie zunächst in ihrem Wagen bleiben, weil der Mann auch sie mit dem Messer bedroht haben soll. Die Besatzung des ersten Funkwagens am Tatort habe es nicht geschafft auszusteigen, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich.

Die Besatzung eines zweiten Streifenwagens habe danach versucht, den mutmaßlichen Täter mit Pfefferspray außer Gefecht zu setzen. Dieser Versuch misslang allerdings. Daraufhin zückte ein Polizist seine Dienstwaffe und schoss dem Verdächtigen ins Bein. Dieser wurde in ein Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr bestehe nicht, so die AWO-Sprecherin.

Redlich sagte dem Tagesspiegel, es seien insgesamt zwei Patronenhülsen am Tatort gefunden worden. Es wurden also zwei Schüsse abgefeuert, von denen einer den Verdächtigen traf. Ob es sich beim zweiten Schuss um einen Warnschuss handelte, müssten nun die Ermittlungen zeigen.

Wie es bei Schüssen aus Dienstwaffen üblicherweise der Fall ist, hat die Mordkommission den Fall übernommen. Der Tatort wurde mit Drohne vermessen, die Spurensicherung nahm die kriminaltechnische Ermittlungsarbeit auf.

Zuletzt hatte es eine große Debatte um die Verhältnismäßigkeit vom Dienstwaffengebrauch durch Polizisten gegeben, als ein Beamter im Sommer dieses Jahres einen 31-Jährigen im Neptunbrunnen am Alexanderplatz erschossen hatte. Der nackte und unter Drogeneinfluss stehende Manuel F. hatte sich zuvor selbst mit dem Messer verletzt. Deshalb war einer der alarmierten Beamten in den Brunnen gestiegen.

Als Manuel F. mit dem Messer in der Hand auf den Polizisten los ging, schoss dieser mit seiner Pistole auf ihn. Der 31-Jährige starb an einem Lungendurchschuss. Das Verfahren gegen den Beamten wurde eingestellt, da er laut Staatsanwaltschaft aus Notwehr gehandelt hat.

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