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Kriminalstatistik : Zahl der Straftaten in Berlin auf historischem Tiefstand

Die noch unveröffentlichte Kriminalstatistik zeigt einen Rückgang bei vielen Delikten. Eine Zunahme gibt es jedoch bei Brandstiftungen und Überfällen auf Läden. Der Anteil der Frauen und Ausländer unter den Tätern steigt weiter.

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Besonders erfreulich ist aus Sicht der Polizei der deutliche Rückgang der Jugendgruppengewalt.
Besonders erfreulich ist aus Sicht der Polizei der deutliche Rückgang der Jugendgruppengewalt.Foto: dpa

Die Zahl der Straftaten in Berlin ist im vergangenen Jahr erneut gesunken, und zwar um 12.000 auf 475.000 – 2,5 Prozent weniger als 2009. Das ist die niedrigste Zahl seit der Wiedervereinigung. Aber auch die Aufklärungsquote sank leicht, und zwar von 49,4 auf 48,4 Prozent. Dies geht aus der neuen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. Offiziell vorgestellt wird die Erhebung erst am Montag von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und Polizeipräsident Dieter Glietsch.

Das positive Ergebnis gründet sich vor allem auf deutlichen Rückgängen bei den Massendelikten Schwarzfahren (minus 35 Prozent) und Sachbeschädigung (minus 11,4 Prozent). Der Rückgang beim Schwarzfahren ist auch für die schlechtere Aufklärungsquote in 2010 verantwortlich: Bei diesem Delikt werden in der Statistik nur aufgeklärte Fälle erfasst.

Auffallend ist in der Gesamtentwicklung, dass der Anteil der Frauen und der Ausländer unter den Tätern weiter steigt. Der Anteil der weiblichen Täter hat sich auf 26,4 Prozent erhöht, im Vorjahr waren es 25,7. Der Anteil der Ausländer unter den Tatverdächtigen ist im vergangenen Jahr auf ein neues Zehn-Jahres-Hoch gestiegen und liegt nun bei 33,3 Prozent (Vorjahr: 31,5 Prozent). Laut Polizei beträgt der Anteil der Ausländer an Berlins Gesamtbevölkerung nur 13,5 Prozent. Besonders hoch ist der Anteil der Ausländer beim Heroinhandel (77 Prozent), bei Taschendiebstahl (68 Prozent) und bei Autodiebstahl (61 Prozent).

Bei den einzelnen Delikten, die in der PKS erfasst werden, überwiegen die positiven Nachrichten: Einen Rückgang gibt es zum Beispiel bei schwersten Straftaten, und zwar um 22 Prozent bei Mord und Totschlag. Die Zahl der getöteten und ermordeten Menschen sank von 42 auf 34 im vergangenen Jahr. Dass die Zahl der schweren Sexualdelikte wie Vergewaltigung und sexuelle Nötigung deutlich gestiegen (plus 15,6 Prozent) ist, erklärt die Polizei mit geänderten statistischen Methoden. Ebenfalls eine Folge geänderter Erfassung ist der deutliche Rückgang bei sexuellem Missbrauch von Kindern (minus 13 Prozent).

Positiv werten Experten den erneuten Rückgang bei Rohheitsdelikten um minus 1,7 Prozent. Darunter fallen Taten wie Körperverletzung, Raub und Bedrohung. Deutlich gestiegen ist die Zahl bei „Raub auf Geschäften“. Wie berichtet, weichen viele Täter nun auf kleinere Läden aus, weil in Banken und Supermärkten durch verschärfte Sicherheitsmaßnahmen und bessere Tresore kein Geld mehr zu holen ist. Gesunken ist allgemein die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren, und zwar sowohl bei Kindern, bei Jugendlichen als auch bei Heranwachsenden. Besonders erfreulich ist aus Sicht der Polizei der deutliche Rückgang der Jugendgruppengewalt, sie sank um 22 Prozent auf 4014 Fälle. Auch Sachbeschädigung – ein klassisches Jugenddelikt – ging deutlich zurück (minus 11,4 Prozent). Noch deutlicher ist der Rückgang bei Graffiti-Taten um über 16 Prozent. Dies sei ein Effekt der demografischen Entwicklung, heißt es. Zudem wurden von der Bundespolizei, die für die S-Bahn zuständig ist, deutlich weniger Fälle gemeldet. Dies liegt laut Statistik an den „zahlreichen Zugausfällen“: Ein Zug, der nicht fährt, ist für Sprayer nicht interessant – ihre Bilder sollen auf den Waggons durch die Stadt rollen.

Eine deutliche Zunahme gab es bei Brandstiftungen, und zwar um knapp zehn Prozent. In absoluten Zahlen erhöhte sich die Zahl der vorsätzlichen Brandstiftungen um 75 auf 848. Dies erklärt sich laut Polizei aus der Serie von Kinderwagen- und Mülleimerbränden in Hellersdorf, die in der zweiten Jahreshälfte 2010 Schlagzeilen gemacht hatte. Die Polizei rechnet 60 Taten dieser Serie zu, die Feuerwehr zählte 80 Einsätze in Hellersdorf: Bei den anderen soll es sich um Mitläufertaten handeln. Der Diebstahl von Autos blieb mit knapp 7200 nahezu konstant. Besser sieht es bei Fahrraddiebstahl aus, die Zahl sank um 7,6 Prozent auf knapp 20.000.

Wie bereits berichtet, gibt es auch bei der politisch motivierten Kriminalität im Jahr 2010 einen signifikanten Rückgang um 24 Prozent. 338 „rechten“ Straftaten stehen 400 „linke“ gegenüber.

Am Montag will der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses über die neue Kriminalstatistik diskutieren.

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