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Menschenknochen in Neuköllner Wohnung : Skelett-Fund nicht mehr aufzuklären

Nach dem Fund von Menschenknochen in einer Neuköllner Messie-Wohnung ist die Verdächtige freigelassen worden. Eine Straftat lässt sich offenbar nicht mehr nachweisen. Auch in Steglitz lag wochenlang ein Toter in seiner Wohnung.

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Ob hinter dem Fund der Menschenknochen in einer Neuköllner Messie-Wohnung am Freitag eine Straftat steckt, wird sich vermutlich nie mehr klären lassen. Die am Sonntagabend festgenommene Ex-Freundin des Opfers wurde am Montag wieder auf freien Fuß gesetzt. Denn die Obduktion ergab zwar, dass es sich höchstwahrscheinlich um die Knochen des Mieters Wolfgang L. handelt. Doch eine Straftat lässt sich nicht mehr nachweisen, hieß es am Abend bei der Polizei. Die Frau hat demnach wissentlich mit den Knochen längere Zeit in der Wohnung zusammengelebt, dies ist aber nicht strafbar. Sie wurde einem Amtsarzt zur psychiatrischen Begutachtung vorgestellt, aber dieser lehnte eine Einweisung in die Psychiatrie ab. Die Frau kam deshalb wieder frei.

Seit Sonntagabend beschäftigt die Mordermittler zudem ein weiteres Verbrechen: Ein 47-jähriger Mann lag tot in seiner Wohnung in der Denkstraße in Steglitz. Auch er soll dort bereits länger – mindestens ein paar Wochen – gelegen haben. Die Angehörigen des 47-Jährigen hatten sich Sorgen gemacht, weil sie schon länger nichts mehr von ihm gehört hatten. Daraufhin waren die Schwester und der Schwager des Mannes gegen 19 Uhr zu seiner Wohnung gefahren. Dort fanden sie ihn tot auf. Er soll erstochen worden sein. Zu den Hintergründen der Tat konnten Polizei und Staatsanwaltschaft nichts sagen. Auch, ob es sich um einen Raubmord handelt, sei unklar.

In dem Neuköllner Fall war die Frau kurz nach dem Knochenfund ins Visier der Ermittler geraten war, sie soll zur Obdachlosenszene gehören. Nachbarn hatten dem Tagesspiegel berichtet, dass es seit langem aus der Wohnung gestunken habe. Zudem soll die Frau bis vor kurzem noch regelmäßig in der Wohnung ein- und ausgegangen sein. Wieso sie offenbar längere Zeit mit der Leiche unter einem Dach lebte, bleibt wohl weiterhin unklar. Am Freitag waren Mitarbeiter einer Entrümpelungsfirma in die Wohnung gegangen – angeblich, weil es dort einen Wasserschaden gegeben haben soll. Die Angestellten fanden dann das Skelett des Mannes.

Sowohl Wolfgang L. als auch der 47-jährige Mann aus Steglitz lagen über längere Zeit tot in ihren Wohnungen – offenbar ohne dass sich Anwohner früher bemerkbar machten. Nicht jeder könne erkennen, dass es sich bei Gestank in einer Wohnung um Verwesungsgeruch handelt, sagte ein Ermittler. „Viele bemerkten einen strengen Geruch, kümmerten sich aber nicht weiter, weil sie entweder denken, dass ist Privatsache, oder weil die Nachbarschaft so anonym nebeneinanderher lebt, dass keiner sich verantwortlich fühlt.“

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