Monika M. : Brenzliges Gutachten

Monika de M. saß 888 Tage unschuldig in Haft. Das LKA ließ jetzt ihren Fall erneut überprüfen. Nun ist sie frei, nachdem sie zuerst zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde.

Berlin - Die Berliner Brandermittler des Landeskriminalamtes (LKA) waren im Zuge des Prozesses gegen Monika de M. heftig in die Kritik geraten. Die Arzthelferin saß 888 Tage als mutmaßliche Vatermörderin in Haft. Ein LKA-Brandgutachten war zu dem Schluss gekommen, dass im Haus des Mannes Spiritus verschüttet und angezündet wurde. Polizeipräsident Dieter Glietsch ließ das Gutachten von unabhängigen Experten prüfen. Sie fanden „Schwachstellen“, von Fehlern aber war bei der Vorstellung der Ergebnisse am Donnerstag nicht die Rede.

„An der Methodik der Untersuchungen zu zweifeln, habe ich keinen Anlass“, sagte LKA-Chef Peter-Michael Haeberer. Am Tatort und bei den damaligen Ermittlungen sei fachgerecht gearbeitet worden. Aber die Ergebnisse seien „nicht hinreichend bewertet und dokumentiert worden“. Die LKA-Experten vermuteten aufgrund von chemischen Analysen, dass Spiritus als Brandbeschleuniger benutzt worden war. „Man konnte es aber nicht auf ein Modell einengen“, sagte Haeberer. Richter hätten das Gutachten deshalb zu Recht kritisiert.

Die heute 53-jährige Monika de M. war im ersten Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Sie habe im September 2003 Feuer im Haus ihres Vaters im Buckower Uhuweg gelegt, um Versicherungsgelder zu kassieren, hieß es. Ein Jahr später hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf. Im zweiten Prozess kam das Bundeskriminalamt zum Schluss, dass nichts auf Brennspiritus deute. Alles spreche für einen Schwelbrand, der durch eine brennende Zigarette im Bett von Theodor de M. ausgelöst worden sei. „Der unsachgemäße Umgang mit Tabakglut ist im LKA-Gutachten nur verkürzt diskutiert und schnell verworfen worden“, kritisierten schließlich die Richter.

Das LKA hat den Angaben zufolge Konsequenzen aus dem Fall gezogen. So diskutieren nun zum Beispiel bei „Spurenkonferenzen“ Ermittler und Wissenschaftler den jeweiligen Fall gemeinsam. Mit Monika de M. werde man „Kontakt aufnehmen“, hieß es. Das sei eine Frage des Anstandes. Die Frau aber verlangt mehr vom Land Berlin. „Der finanzielle Verlust durch den verlorenen Job, die spätere Rente. Da geht es um eine sechsstellige Summe“, sagte ihr Schwager. K. G.

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