Mutter in Psychiatrie : Tod einer Vierjährigen: Jugendamt bestreitet jede Schuld

Eine 20-Jährige steht im Verdacht, ihre vier Jahre alte Tochter getötet haben. Die junge Mutter hatte offenbar Drogenprobleme. Das Jugendamt wusste das - deshalb wirft der Fall der kleinen Klara Fragen auf.

von
Anwohner haben Blumen und Kerzen vor dem Haus in Erkner abgelegt, wo eine Vierjährige getötet wurde.
Anwohner haben Blumen und Kerzen vor dem Haus in Erkner abgelegt, wo eine Vierjährige getötet wurde.Foto: dapd

Die Mutter der am Sonnabend in Erkner tot aufgefundenen vierjährigen Klara Sch. kann nicht vernommen werden. Die Verteidigerin der 20-Jährigen, die verdächtigt wird, ihre Tochter getötet zu haben, teilte der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Dienstag mit, dass sich ihre Mandantin vorerst nicht äußern wolle. Wie berichtet, befindet sich die Frau, die offenbar Drogenprobleme hatte, auf richterliche Anweisung in einer psychiatrischen Einrichtung.

Ein Sprecher des Landkreises Oder-Spree hat inzwischen Vorwürfe zurückgewiesen, wonach das Kind noch leben könnte, wenn das Jugendamt richtig gehandelt hätte. „Wir hatten weder von der Kita, noch von Nachbarn oder Verwandten den geringsten Hinweis darauf, dass das Wohl oder gar das Leben des Kindes gefährdet war“, sagte er.

Trotzdem wirft der Fall der kleinen Klara wieder einmal Fragen auf, weil sie und ihre Mutter den Behörden von Anfang an bekannt waren: Bei Klaras Geburt war ihre Mutter 15 Jahre alt, selbst also noch eine Jugendliche. Wer damals das Sorgerecht für Klara erhielt, war nicht zu klären. Auch der Aufenthaltsort des getrennt lebenden Kindsvaters ist dem Jugendamt nicht bekannt. Klara und ihre Mutter sollen bereits 2008 und 2010 bei den Eltern des Kindsvaters in Oder-Spree gelebt haben. Das Jugendamt war jedenfalls von Jugendämtern in Mecklenburg-Vorpommern, wo Klara und ihre Mutter zwischenzeitlich wohnten, gebeten worden, die Wohnsituation bei den märkischen Großeltern zu überprüfen.

Dass Klara und ihre Mutter seit November 2011 in Erkner lebten, erfuhr das Jugendamt durch Klaras Großvater. Der bat um Unterstützung, weil der Kontakt zu Mutter und Kind „aktuell nicht beständig laufe“, wie es hieß. Klaras Mutter war deshalb am 19. April zu einem Termin ins Jugendamt geladen worden. Kurz zuvor sagte sie ab und bat um Rückruf zwecks Vereinbarung eines neuen Termins.

Doch die Rückrufe der Sozialarbeiterin blieben erfolglos. Die junge Mutter meldete sich weder am 19. noch am 20. April. Am 21. April wurde Klara gefunden. Wann sie getötet wurde, wird aus ermittlungstaktischen Gründen vorerst nicht mitgeteilt.

23 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben