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Protest gegen Asylpolitik : Demonstranten wollten nigerianische Botschaft besetzen

Etwa 20 Menschen haben versucht, die nigerianische Botschaft in Berlin-Mitte zu besetzen. Damit wollten sie gegen die Abschiebung von Asylsuchenden protestieren. Mehrere Besetzer wurden festgenommen - noch am späten Abend gab es Proteste.

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Etwa 20 Menschen sind am Montag für rund zwei Stunden in die Nigerianische Botschaft eingedrungen und haben gegen die Abschiebung von Flüchtlingen demonstriert. „Wir sind hier, weil die Botschaft am effektivsten mit dem deutschen Staat zusammenarbeitet und die meisten Abschiebungen nach Afrika hier abgewickelt werden“, sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses „Refugee Protest March“, Thomas Ndindah. Der Protest stehe in Zusammenhang mit dem kürzlich erreichteten Flüchtlingscamp in Kreuzberg.

Nach Angaben eines Polizeisprechers verschafften sich zwischen 15 und 20 Menschen Zugang zur Botschaft. Rund 40 weitere Demonstranten hätten sich vor dem Gebäude in der Neuen Jakobstraße versammelt. 80 weitere Protestierer schlossen sich ihnen an und gemeinsam zogen sie in einem spontanen Demonstrationszug bis zum Oranienplatz.

Gegen die Eindringlinge seien Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs geschrieben worden, außerdem ermittle die Polizei wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Etwa 14 Demonstranten wurden in der Botschaft festgenommen, zwei Weitere vermummte Protestierer nahm die Polizei in einem Aufzug fest. Die Polizei setzte Pfefferspray gegen die Eindringlinge ein. Dabei hatte es zunächst geheißen, die Botschaft dulde die Protestaktion und die Aktivisten müssten nicht mit einem Verfahren rechnen.

Am Abend zogen einige hundert Demonstranten über den Tempelhofer Damm vor den Polizeigewahrsam am Platz der Luftbrücke. Gegen 22.30 Uhr forderten nach Angaben eines Polizeisprechers immer noch mehr als hundert Aktivisten die Freilassung der vorläufig Festgenommenen. Dabei soll es sich nach Informationen des Tagesspiegels vor allem um afrikanische Asylbewerber handeln. Um 23 Uhr war der Tempelhofer Damm aufgrund der Demonstration noch für PKW-Fahrer gesperrt.

Nach Angaben von Ndindah sollte die Botschaft besetzt werden. Bei den Aktivisten im Gebäude handele es sich um Flüchtlinge, die derzeit in einem Protestcamp in Kreuzberg ausharren. Die Gruppe von fast 70 Asylbewerbern aus Bayern war kürzlich von Würzburg aus rund 600 Kilometer zu Fuß nach Berlin gelaufen, um auf die prekären Umstände aufmerksam zu machen, mit denen sie in Deutschland zu kämpfen haben.

Am Oranienplatz errichteten sie in der vergangenen Woche das Zeltlager. Bereits am Samstag hatten sie zusammen mit über 3000 Unterstützern bei einer Demonstration in Berlin-Mitte mehr Rechte gefordert.

Im Internet wurde ein Video mit dem Titel „stop deportation Collaboration with the Nigerian Embassy“ veröffentlicht, das offenbar Szenen aus der Botschaft zeigt. (Tsp/dapd)

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