Randale beim Fußball in Berlin-Köpenick : Union widerspricht Darstellung der Polizei

50 Jahre 1. FC Union: Am Samstagabend attackierten sogenannte "Fans" der Eisernen vor einem Jubiläumsspiel die Polizei. Es gab 87 Verletzte, die Darstellungen der Polizei und des Vereins widersprechen sich.

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Bei einem Spiel zum 50. Jubiläum von Union Berlin kam es zu massiven Ausschreitungen.
Bei einem Spiel zum 50. Jubiläum von Union Berlin kam es zu massiven Ausschreitungen.Foto: imago/Matthias Koch

Vor dem Benefizspiel anlässlich des 50. Vereinsjubiläums des 1. FC Union in Berlin-Köpenick haben sich hunderte Fußballfans eine heftige Auseinandersetzung mit der Polizei geliefert. Um 17 Uhr sollte das Spiel der Eisernen gegen Austria Salzburg in der Alten Försterei angepfiffen werden - doch schon eine Stunde gab es in der Straße An der Wuhlheide die erste Randale. Zuvor waren die Union-Anhänger durch die Altstadt von Köpenick gezogen, um ihren Verein zu feiern.

Pyrotechnik, Flaschenwürfe, Schläge

"Auf dem Weg zum Stadion wurden aus einer Gruppe von mehreren hundert Heimfans immer wieder pyrotechnische Gegenstände gezündet. Teilweise vermummten sich Personen in dem Strom der Fans und skandierten immer wieder polizeifeindliche Sprechgesänge", teilte die Polizei am Sonntag mit. Die Stimmung soll "merklich aggressiv" gewesen sein.

Am Stadion angelangt, wollten die Beamten nach Angaben einer Polizeisprecherin "die Massen kanalisieren." Das nahmen rund 250 Union-Anhänger zum Anlass, um zu laut Polizei "massiven körperlichen Angriffen" auf die rund 300 eingesetzten Polizisten überzugehen. "Im Bereich des Hauptzugangs und der Kasse kam es immer wieder zu Flaschenwürfen und zu körperlichen Angriffen auf die Beamten", heißt es im Polizeibericht. Die Polizei setzte Pfefferspray ein.

Polizei: Fanbeauftragte schritten nicht ein

Die Fanbeauftragten des Zweitligateams sollen nicht eingeschritten sein. "Nach Angaben der eingesetzten Polizisten sollen die anwesenden Fanbeauftragten nicht auf das aggressive Verhalten reagiert haben und trotz mehrfachen Aufforderungen auf die Fußballanhänger einzuwirken, nicht aktiv geworden sein", hieß es am Sonntag bei der Polizei.

Union: Polizei ist schuld an Eskalation

Der 1. FC Union wies die Darstellung der Polizei am Sonntagnachmittag in einer im Internet verbreiteten Erklärung zurück. Der Einsatz der Polizei gegen die eigenen Fans sei "schwer nachzuvollziehen." Man habe Videobilder des Vorfalls. Auf diesen sei zu sehen, dass die Fans friedlich am Stadion eingetroffen seien. Eine Polizeikette habe dann versucht, den Zug "ohne ersichtlichen Grund" zu stoppen.

"Ein aggressives Verhalten der Fans war nicht zu beobachten, im Gegenteil, zahlreiche Fans versuchten, der plötzlichen Sperrung auszuweichen oder davor zu stoppen", heißt es in der Erklärung.

Die Fanbetreuer hätten versucht, zwischen Einsatzkräften und Fußballanhängern zu vermitteln. "Als ein Fan das Gleichgewicht verlor und beim Sturz in die Polizeikette einen der Beamten zu Fall brachte, reagierten die anderen Polizisten umgehend mit körperlicher Gewalt und setzen Reizgas ein, wodurch die bis dahin ruhige Lage zur Eskalation gebracht wurde", so die Erklärung des Fussballklubs. Lars Schnell, der Fanbeauftragte, sei während des Einsatzes selbst verletzt worden und habe sich in ärztliche Betreuung begeben müssen.

Fazit der Verantwortlichen: "Erst eine für ein Benefizspiel außergewöhnliche hohe Polizeipräsenz und ein angesichts der Situation rund um das Stadion unerklärlich intensiver Polizeieinsatz haben die Lage eskalieren lassen."

40 Unbeteiligte durch Pfeffer verletzt

Schon vor dem Anpfiff gab es 18 vorläufige Festnahmen und Anzeigen unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. 80 Menschen wurden verletzt: 21 Polizisten, 26 Randalierer und 40 friedliche Stadionbesucher. Die meisten Verletzten klagten über Augenreizungen und Atembeschwerden, die durch das Pfefferspray verursacht wurden. Fünf Menschen mussten ins Krankenhaus gebracht werden; über die Schwere ihrer Verletzungen ist nichts bekannt.

Austria-Fan stürzt von Geländer

Während des Spiels soll es auf den mit mehr als 9000 Zuschauern besetzten Tribünen weitgehend friedlich geblieben sein, auch die Abreise nach dem Spiel soll ohne größere Auseinandersetzungen vonstatten gegangen sein. Trotzdem musste ein Schwerverletzter vom Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden: In der Schlussphase des Spiels war ein Fan von Austria Salzburg von einem Geländer im Gästeblock gestürzt. Übrigens: Union schlug die Österreicher mit 5:0.

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