Rechtsextremismus : Prozess um Anschlag auf Nazi-Kneipe "Zum Henker"

Nach dem Brandanschlag auf die Neonazikneipe "Zum Henker" im Oktober 2009 müssen sich seit Mittwoch zwei Männer vor Gericht verantworten. Der Fall ist mysteriös.

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Der Fall ist mysteriös, hat aber in der rechten Szene den Hass auf die Linken kräftig angeheizt. In der Nacht zum 4. Oktober 2009 flogen Brandsätze gegen die Neonazikneipe „Zum Henker“ in Niederschöneweide, bei der Verfolgung der Täter kam ein Gast beinahe ums Leben. Neonazis schworen Rache. Doch was sich genau in jener Nacht abgespielt hat, ist womöglich auch im Prozess gegen zwei Angeklagte kaum zu klären. Der Auftakt am Mittwoch war ernüchternd.

Frederik B. (31), ein Unternehmer im schwarzen Anzug, schwieg vor der Schwurgerichtskammer wie sein Angestellter, der Mitangeklagte Stephan K. (49), der in Schnürstiefeln erschien. Versuchten Mord, schwere und besonders schwere Brandstiftung sowie Urkundenfälschung wirft die Anklage den Männern vor. Frederik B. habe Vergeltung üben wollen, weil er zusammen mit Bekannten im September 2009 aus der Kneipe herausgeflogen und mit Reizgas attackiert worden sei. In Absprache mit B. soll K. am 4. Oktober zwei Brandflaschen in Richtung „Henker“ geworfen haben. In dem Lokal hielten sich etwa 40 Gäste auf.

Die Brandsätze richteten kaum Schaden. An diesem Punkt endet die Anklage, obwohl noch Schlimmeres geschah. Als Rechtsextremisten Stephan K. überwältigten, sei ein unbekannt gebliebener Kumpan des Angeklagten mit dem Wagen von Frederik B., präpariert mit falschen Nummernschildern, in die Meute gefahren, sagen Sicherheitsexperten. Drei Gäste erlitten Verletzungen, bei einem waren sie lebensgefährlich. Stephan K. habe sich in den Wagen geflüchtet, heißt es. Doch die Indizien reichen nicht für einen weiteren Anklagepunkt.

Die geladenen Zeugen erinnerten sich nur vage. Keiner konnte die Angeklagten als Täter identifizieren. Der Prozess wird am 15. Juni fortgesetzt. Frank Jansen

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