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Stadtklause in Berlin-Kreuzberg : Kneipe verwüstet - Linksradikale bekennen sich

In der Nacht zu Montag wurde die Kneipe "Stadtklause" in der Bernburger Straße verwüstet. Im Internet ist nun ein Bekennerschreiben aufgetaucht.

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Die Farbe klebt überall, das Holz ist zerstört, die Scheiben sind zerschlagen.
Die Farbe klebt überall, das Holz ist zerstört, die Scheiben sind zerschlagen.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Kneipe "Stadtklause" in der Bernburger Straße ist mutmaßlich von Linksextremisten verwüstet worden. Auf einem einschlägigen Internetportal ist ein sogenanntes "Selbstbezichtigungsschreiben" aufgetaucht. Demnach sei die Kneipe demoliert worden, weil sich der Kreuzberger Bezirksverband der Alternative für Deutschland (AfD) in den Räumlichkeiten getroffen habe.

"Wer Strukturen für faschistische Organisationen stellt, muss mit Angriffen rechnen", heißt es in dem Schreiben, dass unter dem Alias "Antifa" in der Nacht zu Mittwoch eingestellt wurde. Die Polizei geht offenbar davon aus, dass das Schreiben glaubwürdig ist: Am Mittwochmorgen wurde der Polizeiliche Staatsschutz mit den Ermittlungen zur Sachbeschädigung beauftragt.

Die mutmaßlichen Täter erklären in dem Schreiben auch ihr Vorgehen: Demnach sei ein Fenster eingeschlagen und dann Bitumen in das Innere der Kneipe gespritzt worden. Die Polizei wollte sich am Mittwochvormittag nicht zu diesem "möglichen Täterwissen" äußern.

Die "Stadtklause" war wie berichtet in der Nacht zu Montag angegriffen worden. Die Kneipe liegt direkt neben dem "Tagesspiegel".

Der Berliner Landesverband der AfD bestätigte am Mittwochvormittag, dass man sich im Jahr 2014 in der "Stadtklause" getroffen habe. Sprecher Roland Gläser bezeichnete den Angriff als "sehr ärgerlich." Der politische Gegner würde immer mit den gleichen Methoden gegen die Partei vorgehen: Einschüchterung, Drohungen, Sachbeschädigung bis hin zu körperlichen Übergriffen auf Parteimitglieder. "Für uns wird es so immer schwieriger, für Treffen in der Öffentlichkeit Lokale zu finden", so der Sprecher. Kreuzberg sei ein "heißes Pflaster" für die AfD: "Unsere Gegner wissen ganz genau, dass wir den linken Sumpf trockenlegen wollen", so Gläser.

In der "Stadtklause" selbst waren die Aufräumarbeiten am Mittwochvormittag in vollem Gange. Der Wirt der "Stadtklause" bestätigte, dass sich in der Vergangenheit AfD-Leute in der Kneipe getroffen hatten. "Ich habe zwei Stammgäste, die schon seit 2008 kommen", sagte Franz-Josef Göbel, "die sind dann später bei der AfD gelandet." Man hätte ihn gefragt, ob man sich in seinem Laden treffen könne. "Da habe ich gesagt: Macht doch, aber haltet den Ball flach." Das letzte Treffen sei aber "mindestens vier bis fünf Monate" her, so Göbel.

Für Göbel hat der Angriff erhebliche finanzielle Konsequenzen, den Sachschaden durch Umsatzausfälle - die Kneipe ist seit drei Tagen geschlossen - und Renovierungskosten schätzt er auf mehrere tausend Euro. Genau könne man das aber noch nicht sagen, weil die Versicherung noch nicht dagewesen sei. "Für einen kleinen Laden wie unseren kann das das Aus sein", sagte Göbel. Dennoch habe man Glück im Unglück gehabt: "In unserem Schankraum steht ein Ofen, die Täter haben mit dem Bitumen direkt darauf gespritzt und die Schutzscheibe zerstört." Hätte der Ofen gebrannt, so Göbel, hätte ein Feuer in dem Haus ausbrechen können.

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