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Statistik der Polizei : Stadt der Diebe - Kriminalität in Berlin drastisch gestiegen

543.156 Straftaten: Die Kriminalität in Berlin hat im Jahr 2014 stark zugenommen. Ein zentraler Grund: Die Zahl der ertappten Schwarzfahrer ist um fast 400 Prozent gestiegen.

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Die Männer für die Sicherheit. Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt (l.) und Innensenator Frank Henkel.
Die Männer für die Sicherheit. Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt (l.) und Innensenator Frank Henkel.Foto: dpa

Insgesamt ist es eigentlich ein schlechtes Ergebnis: acht Prozent mehr Straftaten im Jahr 2014 als noch ein Jahr zuvor. Die neue Zahl lautet 543.156. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 503.165, erstmals seit mehreren Jahren war damals die 500.000er-Marke geknackt worden. Nun also fast 550.000. Und trotzdem ist Berlin nach Ansicht von Polizeipräsident Klaus Kandt „keineswegs unsicherer geworden“. Denn die Gewalt ging zurück: Die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte sank um gut 3 Prozent. Im Jahr 2014 wurden 61.070 Rohheitsdelikte erfasst, dazu zählen Raub, Körperverletzung und Nötigung.

Dass die Gesamtzahl der Taten so deutlich stieg, hat vor allem zwei Gründe: Taschen- und Fahrraddiebe haben weitaus häufiger zugelangt. Und zweitens hat sich die Zahl der von S-Bahn und BVG gemeldeten Schwarzfahrer um 395 Prozent erhöht. Das hat einen einfachen Grund: 2013 konnte die BVG wegen technischer Probleme kaum Fälle melden. Dies wurde 2014 nachgeholt. Da diese Fälle automatisch „aufgeklärt“ sind, stieg deshalb auch die Gesamtaufklärungsquote leicht auf 44,9 Prozent.

Die wichtigsten Ergebnisse der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) nach Deliktbereichen sortiert:

Mord und Totschlag

Die Zahl von Mord und Totschlag stieg um 25 (plus 23,6 Prozent) auf 131 Fälle. Unter diesen 131 Fällen waren aber nur 40 vollendete Taten, in denen das Opfer starb. Im Vorjahr waren es 43. Der Versuchsanteil stieg von 60 auf 70 Prozent. Die traditionell hohe Aufklärungsquote ist im Zehn-Jahres-Vergleich auf den dritthöchsten Wert gestiegen (92,4 Prozent). Diese Entwicklung hat zwei Gründe: 2014 gingen ungewöhnlich viele Fälle mit vor 2014 liegenden Tatzeiten in die Statistik ein. Zudem gab es 15 Fälle von „verabredeten Taten“, die aber nicht erfolgten, das sind doppelt so viele wie in den Vorjahren.

Sexualtaten

Bei den Sexualdelikten gab es 363 Fälle mehr als im Vorjahr, nämlich 2991. Der Anstieg um 13,8 Prozent fällt auch so deutlich aus, weil der Vorjahreswert der niedrigste der letzten 10 Jahre war und es sich laut Polizei „erfreulicherweise grundsätzlich eher um geringe absolute Zahlen“ handelt. Die Hälfte des Anstiegs beruht auf einem Kinderpornografie-Großverfahren. Bei Vergewaltigungen und schweren sexuellen Nötigungen sind es 684 Fälle und damit 95 mehr (plus 16,1 Prozent); das ist ein auch im Langzeitvergleich hoher Wert, für die Polizei aber eine „normale statistische Schwankung“.

Raub

Raubtaten sanken um 525 auf 5697 Fälle. Das sind 8,4 Prozent weniger als im Vorjahr und somit die niedrigste Zahl im Zehnjahresvergleich. Gegenüber dem Höchststand im Jahr 2007 ist eine Abnahme um 29 Prozent verzeichnet.

Körperverletzung

Bei den Körperverletzungen ist ein Rückgang um 1059 Fälle oder 2,5 Prozent auf 40.736 Taten zu verzeichnen. Besonders deutlich fällt er bei gefährlichen und schweren Körperverletzungen aus: Er beträgt 3,8 Prozent auf 9946 Fälle. Die Aufklärungsquote liegt bei 82 Prozent, das ist der beste Wert der letzten zehn Jahre. Auffallend ist, dass die Gesamtzahl im Zehn-Jahres-Vergleich kaum schwankt.

Taschendiebstahl

Diese Zahl explodierte regelrecht, und zwar um 55 Prozent auf 32 121 Taten. 2013 hatte es schon einen deutlichen Anstieg auf fast 21.000 Taten gegeben, in den Vorjahren waren es um die 15.000 gewesen. 81 Prozent der gut 1000 ermittelten Tatverdächtigen hatten keinen deutschen Pass. 31 Prozent waren Rumänen. Die Aufklärungsquote liegt bei 4 Prozent, minimal höher als 2013.

Fahrraddiebstahl

Die Zahl der geklauten Fahrräder legte deutlich um 16 Prozent auf 30.758 zu. Es ist mit Abstand die höchste Zahl im Langzeitvergleich. Die Polizei erklärt: Wo viel Fahrrad gefahren wird, werden auch viele geklaut. Die Aufklärungsquote liegt konstant bei 4 Prozent.

Einbruch

Nach dem Rückgang 2013 gab es nun wieder einen Anstieg um 5,1 Prozent auf 12.159 Fälle (Wohnungen und Häuser). Das sind nur minimal weniger als im Rekordjahr 2012. Die Aufklärungsquote sank auf 6,6 Prozent. Die meisten Wohnungseinbrüche gab es in Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte, Häuser wurden am häufigsten in Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf aufgebrochen.

Delikte am Kfz

Diebstähle an und aus Kraftfahrzeugen haben haben erneut leicht zugelegt auf 36.749. Nur 2005 gab es mehr Taten. Fast zwei Drittel der Taten sind „schwere“ Fälle, also geklaute Radios und vor allem Navigationsgeräte. Nur 4,1 Prozent der Taten wurden geklärt. Die Zahl der gestohlenen Autos blieb mit 6664 nahezu konstant. Die Aufklärungsquote stieg wieder an auf 12 Prozent.

Beförderungserschleichung

Schwarzfahrer verderben der Polizei 2014 die Statistik. Die Zahl verfünffachte sich auf 34 850. Denn 2013 konnte die BVG kaum Fälle an die Polizei übermitteln, da bekanntlich ihr Computer kaputt war. 8000 Fälle wurden 2014 nachgemeldet. Zudem haben BVG und S-Bahn laut Polizei ihre „Kontrollintensität deutlich erhöht“. Schwarzfahrten werden zu 99 Prozent aufgeklärt.

Sachbeschädigung

Die Taten sind auf fast 43.000 gesunken (minus 1,4 Prozent), die niedrigste Zahl der letzten zehn Jahre. Graffiti gingen sogar um 4,3 Prozent zurück.

Drogen

Die Zahl der Rauschgiftdelikte stieg mit 13 465 minimal an auf ein Zehn-Jahres-Hoch. Während im Görlitzer Park deutlich mehr kontrolliert wurde, sank die Kontrolldichte in der U-Bahn.

Straftaten im öffentlichen Nahverkehr

Die Zahl der Straftaten im öffentlichen Nahverkehr hat sich deutlich, und zwar um 18,2 Prozent erhöht.

Maßgeblich für diese Entwicklung waren deutliche Steigerungen beim Taschendiebstahl (13.309 Fälle, plus 31,8 Prozent). Sachbeschädigungen gab es 5000, das sind 10,9 Prozent mehr. Die Zahl der Beleidigungen stieg um zehn Prozent auf 1859 Taten. Gewalttaten gingen dagegen leicht zurück, nämlich um 1,1 Prozent auf 5590 Fälle.

Am Montag meldete die für die S-Bahn und die Regionalbahn zuständige Bundespolizei neue Fälle: So gab es in der Nacht zu Sonnabend im S-Bahnhof Schöneweide eine Gewaltattacke. Etwa zehn Jugendliche griffen drei Männer an, von denen einer infolge der Schläge ins Gleis stürzte. Grund für die Gewalttat war die Bitte um Ruhe und Rücksichtnahme auf andere Fahrgäste. Die Bundespolizei sucht nun nach Zeugen und den Tätern.

In gleich zwei Fällen wurden schlafende Fahrgäste in der Bahn bestohlen. In beiden Fällen konnten die Täter festgenommen werden. Einem 21-Jährigen wurde in der S-Bahn vor Bernau das Telefon, Geld und Kopfhörer entwendet. Und einem 24-Jährigen wurde in der Ringbahn Telefon und Pass gestohlen. Beide Opfer bemerkten die Diebstähle schnell, so konnten die Tatverdächtigen geschnappt werden. Diebstahl bei Schlafenden ist ein Massendelikt.

 


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