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Steinwürfe und Farbbeutel in Berlin-Neukölln : Vermummte Linksextremisten randalieren am Rathaus Neukölln

30 bis 50 vermummte Linksextremisten haben am späten Samstagabend in Neukölln Steine und Farbbeutel auf das Rathaus, das Amtsgericht, Geschäfte und zwei Banken geworfen. Sie hinterließen Flugblätter mit dem Titel "Oury Jalloh - Das war Mord". Auch zwei Polizeiwachen wurden attackiert.

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Die Ermittlungen laufen. (Symbolbild)
Die Ermittlungen laufen. (Symbolbild)Foto: dpa

Oury Jalloh war ein Asylbewerber aus Sierra Leone, der vor genau zehn Jahren bei einem Feuer in einer Dessauer Polizeizelle starb. Als die Polizei am Abend in Neukölln eintraf, fanden die Beamten an den Gebäuden nur noch die Flugblätter. In der Nähe des Rathauses wurden allerdings vier Tatverdächtige festgenommen. Zwei wurden nach Pesonalienfeststellung schnell wieder frei gelassen. Die beiden anderen Männer wurden am späten Nachmittag von der Staatsanwaltschaft wieder entlassen. Eine Vorführung beim Haftrichter erfolgte nicht. Der für politische Delikte zuständige Staatsschutz der Polizei hat die Ermittlungen übernommen.

Die organisierte Randale begann um 22.20 Uhr. Die Täter warfen nicht nur Farbbeutel und Steine auf die Amtsgebäude und das Einkaufcentrum auf der anderen Straßenseite. Sie griffen auch den Wagen eines Wachschützers an. Sie zerschlugen die Heckscheibe des Wagens und warfen Farbbeutel hinein. Der Fahrer blieb unverletzt. Am Rathaus hinterließen die Täter mit Farbe den großen Schriftzug „ACAB“ und „Oury Jalloh“. Das ACAB steht für All Cops are Bastards“. Parallel dazu versuchte die Gruppe, das Ausrücken der Polizei zu verhindern. Am Neuköllner Polizeiabschnitte 54 (Sonnenallee) wurde die Hofeinfahrt, in der die Streifenwagen stehen, mit einem Fahrradschloss versperrt. Vor dem Abschnitt 55 wurden Krähenfüße auf der Rollbergstraße verstreut. Allerdings fuhr sich nur eine Autofahrerin an den spitzen Metallwinkeln die Reifen kaputt.

Bekennerschreiben im Internet

Auf den Flugblättern wird eine Aufklärung im Fall des am 7. Januar 2005 bei einem Feuer in einer Dessauer Polizeizelle gestorbenen Asylbewerbers Oury Jalloh gefordert. Der Sachschaden ist beträchtlich. Am späten Nachmittag tauchte ein Bekennerschreiben im Internet auf. "Am 7. Januar 2005 wurde Oury Jalloh im Dessauer Bullenrevier - an Händen und Füßen gefesselt - in einer Zelle lebendig verbrannt", heißt es darin zur Begründung. Das Rathaus sei angegriffen worden, weil dort der "Populärrassist Buschkowsky residiert". Der Anschlag sei zum Abschluss einer Demo durch Neukölln erfolgt, heißt es in dem nicht unterzeichneten Schreiben.

Auf dem gleichen linksextremistischen Internetportal wurden vor einigen Tagen Fotos einer symbolischen Umbenennung der Okerstraße, ebenfalls in Neukölln, in "Oury-Jalloh-Straße" veröffentlicht. Der Beitrag endete mit der Parole "Erinnern heißt kämpfen". Am Sonnabend hatten 30 Demonstranten vor der Dessauer Staatsanwaltschaft neue Ermittlungen gefordert. Vor einigen Tagen hatte es ebenfalls wegen Oury Jalloh in Leipzig einen massiven Angriff mit Steinen und Pyrotechnik auf eine mit zwei Beamten besetzte Polizeiwache gegeben. "Für die beiden Beamten war es die pure Hölle, sie hatten panische Angst", sagte der Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz.

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