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Urteil : Ex-Babelsberger Fußballprofi Koc muss drei Jahre in Haft

Der ehemalige Babelsberger Fußballprofi Süleyman Koc ist wegen seiner Beteiligung an Raubüberfällen zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er war Mitglied einer Bande, die Automatencasinos brutal überfallen hat.

Kerstin Gehkre
Süleyman Koc, Berliner und Profi beim SV Babelsberg, soll als Anführer einer Bande mehrere Automatencasinos brutal überfallen haben. Am 22.12.2011 wird er deshalb zu drei Jahren Haft verurteilt. Auch andere Berliner Kicker kamen schon mit dem Gesetz in Konflikt, wenn auch in der Schwere der Tat kaum vergleichbar.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Eibner
23.09.2012 17:15Süleyman Koc, Berliner und Profi beim SV Babelsberg, soll als Anführer einer Bande mehrere Automatencasinos brutal überfallen...

Als Fußballprofi lief er wochenlang mit den „Machetenräubern“ auf. Das hatte Süleyman Koc vor Gericht zugegeben. Sechsmal war er dabei, wenn sie zu Cafés oder Spielcasinos fuhren. Der 22-Jährige hat die erhoffte Karriere im Sport mit einem guten Einkommen verspielt: Der frühere Profi vom Drittligisten SV Babelsberg 03 muss für drei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Ein weiterer Ex-Spieler des Vereins kam mit einem blauen Auge davon. Guido Kocer (23), derzeit beim Zweitligisten Erzgebirge Aue, bekam 22 Monate auf Bewährung wegen Beihilfe zum Raub in einem Fall.

Sie gehörten zu einer Riege von neun Angeklagten. Es ging um eine Serie von insgesamt sieben Taten. Gegen die 18- bis 23-Jährigen wurden Strafen von 15 Monaten Haft auf Bewährung bis zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verhängt. In wechselnder Beteiligung waren sie von Februar bis April dieses Jahres in Casinos und Cafés aufgetaucht - maskiert, mit Socken über den Händen, zum Teil bewaffnet. Mit viel Gebrüll und magerer Beute begann die Serie: Drei Täter raubten 230 Euro. Wie bei späteren Überfällen wurde Reizgas eingesetzt.

Süleyman Koc und Guido Kocer allerdings gehörten nicht zu jenen, die mit einem Aschenbecher geworfen oder in einer anderen Art Angestellte attackiert hatten. Sie rückten auch nicht mit Kuhfuß, Dolch oder Machete in der Hand an. Ex-Profi Süleymann Koc ließ sich als Fahrer einsetzen. Sechs Touren gab er im Prozess zu. „Sie haben sich nicht mit Hurra darauf eingelassen“, sagte Richter Uwe Nötzel. Koc war bis dahin ein für die Justiz unbeschriebenes Blatt. In seinem Freundeskreis in Moabit aber hatten es „viele nicht geschafft, straffrei zu bleiben“, sagte der Richter. „Aus falsch verstandener Freundschaft und Verbundenheit haben Sie sich auf die Taten eingelassen.“ Der Ex-Fußballprofi hatte stets ein ungutes Gefühl, wenn die Gruppe loszog. Er wollte schließlich aussteigen. „Ich wollte nicht mehr mitmachen, dann sagten sie, einmal drin, immer drin“, schilderte er vor Gericht. Auch sein 21-jähriger Bruder machte mit. Dieser bekam drei Jahre Haft. Süleyman Koc sagte, er habe seinen Anteil an der Beute stets dem Bruder gegeben. „Er hatte Geld dringender nötig als ich.“ Er selbst hatte beim SV Babelsberg bis zu 4000 Euro monatlich plus Siegprämien. Kriminell wurde Süleyman Koc mit 21 Jahren und erhielt jetzt – anders als die meisten Mitangeklagten – nicht mehr Jugendrecht. Er reagierte dennoch eher erleichtert, denn der Staatsanwalt hatte auf sechs Jahre und zehn Monate Haft plädiert.

Während Süleyman Koc seit acht Monaten in Untersuchungshaft ist, konnte sein Ex-Vereinskollege Kocer seine Karriere auf dem Fußballplatz fortsetzen. In Aue erklärte man die Angelegenheit zur Privatsache des Spielers. Er war bei einem Überfall mit von der Partie. Er nannte es „ein Abenteuer, ich kann es selbst nicht fassen, das gemacht zu haben“. Das Gericht schätzte ein, dass er „eigentlich ein Fremdkörper in der Gruppierung“ war. Zwei Freunde von Süleyman Koc hatten Kocer von den Überfällen erzählt und ihn gefragt, ob er mitmachen wolle. Um Geld sei es ihm auch nicht gegangen. Als es so weit war, habe er „nicht kneifen“ wollen. Kocer sollte in einem Weddinger Casino die Lage peilen und das Startsignal geben. Als seine Komplizen in den Laden stürmten, bekam er Panik und versteckte sich auf der Toilette.

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