Verschwundener Flüchtlingsjunge Mohamed : 150 Hinweise und viele Theorien

Zwei Wochen ist der vierjährige Mohamed nun verschwunden. Die Polizei suchte am Mittwoch erneut in Kellern und Dachböden - das ist kein gutes Zeichen.

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ie

Mohamed vermisst.
Mohamed vermisst.Foto: dpa

Auf der Suche nach dem am Lageso entführten Flüchtlingskind Mohamed hat die Polizei am Mittwoch erneut Keller und Dachböden in Moabit durchsucht, und zwar an Turmstraße, Zwinglistraße und Ottostraße. Die Suche wurde gegen 17 Uhr ohne Ergebnis abgebrochen. In diesem Teil Moabits, wenige hundert Meter vom Lageso entfernt, soll der Mann, der den Vierjährigen am 1. Oktober entführt haben soll, gesehen worden sein. Mittlerweile sind 150 Hinweise eingegangen, ermittelt wird weiter in alle Richtungen.
Die Polizei dementierte einen Zeitungsbericht, dass der Junge von einem Kinderprostitutions-Ring verschleppt sein könnte. „Darauf gibt es keinen konkreten Hinweis“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Allerdings arbeiten in der am Montag gebildeten Soko auch Beamte aus dem Dezernat für Sexualdelikte mit. Die Tatsache, dass „in frei zugänglichen Bereichen“ wie Kellern und Dachböden nach Hinweisen gesucht wird, könnte auf ein mögliches Sexualdelikt hindeuten. Wohnungen wurden nicht durchsucht.
„Widersprüche“ in den ersten Aussagen der Mutter hatten anfangs die Fahndung verzögert, sagte Redlich. „Es wirft Fragen auf, wenn Dinge, die die Mutter sagt, einer Nachprüfung nicht standhalten.“ Woraus diese „Widersprüche“ bestehen, will die Polizei nicht sagen. So sei erst nach fünf Tagen, am 6. Oktober, klar gewesen, wann und wo die Mutter das Kind zum letzten Mal gesehen hat. Deshalb konnten erst mit Verzögerung Suchhunde der Polizei losgeschickt und Videobilder vom Lageso gesichtet werden. Diese wurden am 8. Oktober veröffentlicht. Deshalb konnten bei der BVG keine Videos gesichert werden, da diese nach 48 Stunden überspielt werden. Zudem hatte die Mutter erst mit mehrstündiger Verspätung um 16.30 Uhr die Polizei benachrichtigt. Zwischen 12 und 13 Uhr will sie Mohamed zum letzten Mal gesehen haben. Eine Erklärung dafür gibt es nicht. In Medien war deshalb spekuliert worden, dass mit einer fingierten Entführung eine drohende Abschiebung der Familie nach Bosnien-Herzegowina verhindert werden soll. Auch darauf gibt es laut Polizei keinen konkreten Hinweis, Ermittlungen gegen die Mutter gibt es dem Vernehmen nach nicht. Die Familie lebt seit einiger Zeit in Berlin.
Am frühen Abend des 1. Oktober durchsuchten Bereitschaftspolizisten zunächst das weitläufige Lageso-Gelände, einen Tag später wurden dort Suchplakate geklebt. Eine Öffentlichkeitsfahndung über die Medien wurde erst am 5. Oktober gestartet. Zunächst hatte die Polizei darauf verzichtet, da die wartenden Flüchtlinge kaum Zugang zu deutschen Medien haben und potenzielle Zeugen eher direkt auf dem Gelände befragt werden konnten. Allerdings konnte keiner der Befragten Angaben zu dem Kind machen.
Die Polizei hofft nun auf bessere Bilder des Gesuchten, derzeit werden weitere Filme und Bilder gesichtet. Wie berichtet, wurde der Mann im Sommer und vor allem im September auf dem Lageso-Gelände gesehen. Auf den Bildern hat die Mutter ihren Jungen wiedererkannt, und zwar an der Hand des Mannes. Offen ist, was der Mann in der anderen Hand hält: Es könnte ein Teddy sein, „aber genausogut eine Tüte“, wie Redlich sagte.

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