Vier Tote in Gatow : Familiendrama: Vater soll Frau und Söhne erstickt haben

22.08.2012 11:33 Uhrvon , , Claus-Dieter Steyer
  • Sein jüngstes Kind legte Kristian B. noch in die Babyklappe, bevor er seine beiden Söhne, seine Frau und sich selbst umbrachte. Foto: dpa
    Sein jüngstes Kind legte Kristian B. noch in die Babyklappe, bevor er seine beiden Söhne, seine Frau und sich selbst umbrachte. - Foto: dpa
  • Der 69-Jährige brachte das Kind in eine Klinik in Spandau. Das kleine Mädchen wird jetzt als Vollwaise aufwachsen. Ihre beiden Brüder, die im Grundschulalter waren, wurden offenbar erstickt. Foto: dapd
    Der 69-Jährige brachte das Kind in eine Klinik in Spandau. Das kleine Mädchen wird jetzt als Vollwaise aufwachsen. Ihre beiden Brüder, die im Grundschulalter waren, wurden offenbar... - Foto: dapd
  • Die Tat macht betroffen. Anwohner haben Blumen vor dem Haus abgelegt. Foto: Reuters
    Die Tat macht betroffen. Anwohner haben Blumen vor dem Haus abgelegt. - Foto: Reuters

Update Nach dem Familiendrama mit vier Toten hat die Polizei einen Abschiedsbrief gefunden: Dort beschreibt der 69-jährige Familienvater chronologisch die Tötung seiner Frau und der beiden Söhne. Ein drittes Kind hatte er zuvor zu einer Babyklappe gebracht - es lebt.

Nachdem am Dienstagabend in einem Haus in der Straße Alt-Gatow vier Tote entdeckt wurden, haben die Ermittler der Mordkommission mittlerweile weitere Erkenntnisse. So wurde nach Tagesspiegel-Informationen ein Abschiedsbrief gefunden, aus dem hervorgeht, dass der 69-jährige Familienvater Kristian B. seine 28 Jahre alte Ehefrau und die beiden Söhne - drei und sechs Jahre - umgebracht hat. Ein weiteres Kind - ein Mädchen, das übermorgen ein Jahr alt wird - habe er nach den Taten zur Babyklappe ins Waldkrankenhaus Spandau gebracht, sagte ein Ermittler. "Das Baby lebt", hieß es. Somit hatte der Mann sich nicht unmittelbar nach den Taten das Leben genommen, sondern noch einige Zeit vergehen lassen.

In dem Brief hatte Kristian B., der als Wirtschaftberater tätig war, nach Tagesspiegel-Informationen die Tötungen seiner Ehefrau und der beiden Söhne "chronologisch aufgelistet". Zuerst brachte er seine Frau, dann die beiden Jungen um. Er soll sie erstickt haben. Später richtete er sich dann selbst. Details dazu sind nicht bekannt. Eine Obduktion soll die genaue Todesursache klären.

Bereits am Dienstagabend hatte die Polizei Ermittlungsansätze, wonach hohe Schulden das Motiv der Familientragödie gewesen sein sollen. Dazu habe der Mann nach ersten Erkenntnissen in dem Abschiedsbrief kaum Angaben gemacht. Seine 28-jährige Ehefrau soll als Sekretärin bei ihm tätig gewesen sein.

Das zweigeschossige Haus, in der sich das Drama abspielte, liegt in einer gutbürgerlichen Gegend. Nach Polizeiangaben waren Nachbarn misstrauisch geworden, da ihnen die Situation um das Haus irgendwie seltsam vorkam. Ein Fenster hatte lange Zeit offen gestanden, was wohl ungewöhnlich war. Am Dienstag gegen 20.15 Uhr alarmierten die Nachbarn die Feuerwehr, deren Beamte in die Wohnung eindrangen  und die vier Toten fanden.

„Es gibt keine Hinweise, dass die Frau die Tötung gewollt hat“, betonte Redlich.

Im Video: Familiendrama in Gatow

Vier Tote – Familientragödie in Berlin

Die Nachbarn berichten, dass die gesamte Familie am Sonnabend nachmittags noch auf der Gemeinschaftswiese gesehen wurde. "Es gab eine Einschulungsparty für den sechsjährigen Sohn", erzählt ein Anwohner. Rund 24 Stunden später, am Sonntagnachmittag soll Kristian B. auf einem Stuhl am ganz nahe gelegenen Havelufer "apathisch gesessen und ein Bier getrunken" haben. Aufgefallen war den Nachbarn dann auch, dass der Mercedes der Familie weiterhin links vom Eingang des Hauses stand und nicht mehr bewegt worden war. Stutzig sei auch ein Nachbar geworden, der den Autoschlüssel des Mercedes' der Familie in seinem Briefkasten vorgefunden hatte. Das Partygeschirr lag noch in Kisten im hinteren Teil des Wagens. "Hier in der Gegend achtet man auf die anderen, alle Fremden oder etwas Merkwürdiges fällt auf", beschreibt ein Anwohner.

Die Bewohner erzählten, dass die Häuser derzeit noch von einer Grundstücksverwaltungsgesellschaft vermietet werden. Doch die Häuser sollen in Eigentum umgewandelt und verkauft werden. Die Rede ist von rund 300.000 Euro für etwa 100 Quadratmeter Wohnfläche. Ob dies mit ein Grund dafür war, dass sich Kristian B. für die grausamen Taten entschied, ist noch unklar. Doch Nachbarn berichten von Gerüchten, wonach Kristian B. lautstark in seinem Büroraum im Keller des Hauses mit jemandem über die Details zur Eigentumsumwandlung gestritten haben soll.

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