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Zu Unrecht beschuldigt : Rechtsradikaler Angriff auf Zwölfjährigen in Berlin: Ursprünglich Festgenommene entlastet

Nachdem die Polizei am Montag bekannt gab, dass zwei Rechtsradikale einen Zwölfjährigen in Pankow angegriffen haben sollen, meldet das Präsidium nun: Die Tatverdächtigen sind entlastet. Alles soll ganz anders gewesen sein.

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Ein zwölfjähriges arabischstämmiges Kind ist am Sonntagabend in Pankow rassistisch beschimpft und durch Schläge und Tritte verletzt worden. Der Junge kam mit Prellungen über Nacht in ein Krankenhaus. Am Montag fahndete die Polizei nach zwei etwa 14-jährigen Tatverdächtigen. Zunächst hatte das Präsidium gemeldet, dass zwei 17 und 20 Jahre alte Männer in der Nähe festgenommen worden sind; Zeugen hatten eine entsprechende Beschreibung gemacht. Tatsächlich sind beide einschlägig durch rechtsextremistische Taten polizeilich aufgefallen – der Verdacht passte also. Doch die Zeugen hatten die falschen Männer beschrieben.
Nach der Befragung des Opfers, von Zeugen und der Tatverdächtigen stellte sich heraus, dass beide Rechtsextremisten entlastet sind, teilte die Polizei mit. Der Junge habe bei der Vorlage von Fotos der beiden Tatverdächtigen eindeutig gesagt, dass die Schläger jünger waren. Die 17 und 20 Jahre alten Rechten waren zwar zur Tatzeit in der Nähe, wollen nach eigenen Angaben jedoch dem Zwölfjährigen sogar geholfen haben.
Dies ist passiert: Gegen 20 Uhr traf der Zwölfjährige auf eine kleine Gruppe, die ihn zunächst in einen Streit verwickelte, ihn dann zu Boden schlug und mehrfach trat. Dabei beleidigten sie den Jungen unter anderem mit „Scheiß Ausländer“. Woher Opfer und Täter kamen und wieso sie im Stiftsweg aufeinandertrafen, ist unklar. Geprüft wird, ob es zuvor einen Streit im Freibad Pankow gab, wo es zuletzt zu Tumulten gekommen war. Das Bad liegt nur 100 Meter vom Tatort entfernt, um 20 Uhr war es geschlossen worden. Den Bäderbetrieben ist kein Vorfall bekannt.
Unklar blieb am Montag, ob die beiden zunächst Festgenommenen und die etwa 14-Jährigen sich kennen und zusammen unterwegs waren. Weder der 17-Jährige noch der 20-Jährige sind Szenegrößen. Ihre Namen sind im „Personenlexikon“, das Antifaschisten ins Internet gestellt haben, nicht zu finden. Die Liste umfasst 850 Rechte aus Berlin und Brandenburg.
2012 gab es 43 fremdenfeindliche Gewaltdelikte, darunter zwei versuchte Tötungen. Eine derartig massive Attacke auf ein Kind ist neu.

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