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Protestbriefe an die Bildungssenatorin : Lehrer beklagen "Notstandsverwaltung"

Mehr als 50 Schulen beklagen sich in einem Brief an Bildungssenatorin Sandra Scheeres über ihre Arbeitsbedingungen. Angesichts des drohenden Lehrermangels bekommt der Protest zusätzliche Brisanz.

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Lehrer werden in Berlin immer mehr zur Mangelware. Ein Grund ist die Pensionierungswelle.
Lehrer werden in Berlin immer mehr zur Mangelware. Ein Grund ist die Pensionierungswelle.Foto: dpa

Die Ruhe hat nicht lange gehalten. Nur drei Wochen nach ihrer Streik- und Aktionswoche rücken die Berliner Lehrer der Bildungssenatorin jetzt mit Protestbriefen zu Leibe, um ihren Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck zu verleihen. Gleichzeitig setzt der Anstieg der Schülerzahlen den Senat unter Druck: Er muss bis 2020 rund 12 600 neue Lehrer einstellen.

Dies kommt der Junglehrerinitiative „Bildet Berlin“ entgegen. Sie hofft, dass die erhöhte Nachfrage den Senat zwingen wird, die Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen, anstatt die Arbeitszeit erneut hochzusetzen, heißt es in dem Protestbrief an Scheeres, der dem Tagesspiegel vorliegt und ihr am Mittwoch von über 50 Schulen zugeschickt werden sollte. Die Lehrerinitiative rechnet der Senatorin vor, dass ihre letzten „Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs“ unterm Strich eine Arbeitszeiterhöhung um 2,5 Prozent ausgemacht hätten. Die Lehrer sprechen deshalb von einer „Notstandsverwaltung“ und einem „äußerst hilflosen Versuch“, die Gemüter der Lehrer zu beruhigen.

Die Bildungsverwaltung macht eine andere Rechnung auf. Sie verweist darauf, dass die Altersermäßigung 20 Millionen Euro gekostet habe. Zudem sei Berlin offenbar attraktiv genug, um Lehrer anzuziehen. Jedenfalls kämen immer mehr Kräfte aus anderen Bundesländern. In den kommenden Jahren verschärft sich die Lage allerdings durch den starken Schüleranstieg, der mit einer großen Pensionierungswelle bei den Lehrern einhergeht: Wie berichtet, scheiden rund 45 Prozent der jetzigen Lehrkräfte bis 2020 aus. Dies hatte eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Regina Kittler (Linke) ergeben. Dies bedeutet, dass Berlin mit seinen rund 1100 fertigen Referendaren pro Jahr die Lücken nicht stopfen kann. Insgesamt gibt es 2200 Referendarsplätze.

Die Bildungssenatorin will mehrgleisig fahren, um dem absehbaren Mangel zu begegnen. Dazu gehört, dass sie die Zahl der Referendare „deutlich erhöhen“ will. Dem Vernehmen nach gilt als Ziel, 500 zusätzliche Ausbildungsplätze für angehende Lehrer zu schaffen, so dass es dann insgesamt 2700 gäbe. Außerdem werden die Junglehrer künftig schneller in den Schulen ankommen, weil das Referendariat von zwei auf 1,5 Jahre verkürzt wird. Und schließlich setzt Berlin darauf, dass sich der Lehrerarbeitsmarkt bundesweit entspannt. Somit könnte es wesentlich leichter für Berlin werden, Lehrer aus Hamburg oder Bayern zu bekommen, wo der Lehrerbedarf drastisch sinken wird.

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