Prozess in Berlin : 75-Jähriger betrieb Cannabis-Plantage, um seine Rente aufzubessern

In einem Einfamilienhaus in Lichterfelde baute ein Rentner im Keller eine eigene Cannabis-Plantage auf. Doch das Aufbessern der Rente flog auf. Nun steht der 75-Jährige erneut vor Gericht.

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Cannabis Pflanzen, aus denen auch Marihuana hergestellt wird.
Cannabis Pflanzen, aus denen auch Marihuana hergestellt wird.Foto: dpa

Der Rentner hatte sich, so sagte er einmal, auf Rat eines Holländers in die für ihn als unbescholtenen Mann fremde Szene begeben. Versuch es doch mal mit Cannabis, da ist viel Geld zu verdienen, soll der Holländer in Aussicht gestellt haben. Doch Helmut B. erntete viel Ärger mit Polizei und Justiz. Nun sitzt der 75-Jährige erneut als mutmaßlicher Drogenhändler vor Gericht.

Im Keller seines Einfamilienhauses in Lichterfelde hatte er eine Plantage mit 89 Pflanzen aufgebaut. Professionell und akribisch gepflegt, schätzten die Ermittler ein. Eine Ernte von zwei Kilo lag verpackt bereit, als der illegale Cannabisanbau im Februar 2013 entdeckt wurde. Polizisten erwischten Helmut B., als er gerade Reste von Hanfpflanzen abtransportieren wollte. Weil er in seinem Auto auch noch eine Teleskop-Stahlrute hatte, die als illegale Waffe zählt, kam es im Juli im ersten Prozess zu einem harten Urteil: Drei Jahre und zehn Monate Gefängnis verhängten die Richter.

Eine 71-Jährige hilft ihm bei der Geldwäsche

Während der Rentner vor den Bundesgerichtshof (BGH) zog, ermittelte die Polizei weiter. Und wurde aus ihrer Sicht fündig: Helmut B. soll aus früheren Ernten jede Menge Gewinn eingesteckt haben. Mindestens 160 000 Euro seien es ab Januar 2011 gewesen, so die Staatsanwaltschaft in der neuen Anklage. Das schmutzige Geld sei gewaschen worden. Es soll eine Frau von 71 Jahren gewesen sein, die B. dabei half. Sie habe „sein besonderes Vertrauen genossen“ und ein Grundstück in Neukölln für ihn erworben.

Rentner B. war im ersten Prozess recht mitteilsam. „Bis 2003 war alles völlig normal“, sagte der frühere Handwerksmeister. Dann wurde Krebs diagnostiziert. Ein Bekannter habe ihm Cannabis empfohlen, um die Schmerzen zu lindern. In der Szene habe er versucht, sich Stoff zu besorgen. „Aber ich passte wegen meines fortgeschrittenen Alters da nicht rein“, erklärte er. Nach einer Operation schien der Krebs besiegt. „Es blieb aber der Gedanke, dass Cannabis eine gute Sache für mich war.“ Er habe seine Rente von rund 600 Euro aufbessern wollen.

Der BGH entschied, dass über die Höhe der ersten und drastisch klingenden Strafe noch einmal verhandelt werden muss. Das war ein Erfolg für den 75-Jährigen. Gleichzeitig aber flatterte ihm die zweite Anklage ins Haus. Um beide Verfahren geht es jetzt. B. und seine Bekannte, bei der es um Geldwäsche geht, reagierten mit Schweigen.

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