Radarkontrollen : Autoklub wirft Polizei Abzocke mit Blitzern vor

27.07.2012 00:00 Uhrvon
Geldautomat. Die fest installierten Blitzer spülen Millionen in die Kassen Berlins. Foto: Thilo Rückeis
Geldautomat. Die fest installierten Blitzer spülen Millionen in die Kassen Berlins. - Foto: Thilo Rückeis

Die Radarkontrollen der Berliner Polizei dienen aus Sicht des Online-Automobilklubs „Mobil in Deutschland“ mehr der Abzocke als der Sicherheit. Die Verkehrspolizei widerspricht.

Nach einer Analyse von zahlreichen Blitzermeldungen lokaler Radiostationen im April und Mai dieses Jahres kommt der Online-Automobilklubs „Mobil in Deutschland“ zu dem Schluss, dass sich die meisten Radarfallen in Berlin „auf breiten, relativ ungefährlichen Straßen befinden, die zum Gasgeben verführen“. Dies sei bei neun von zehn Einsätzen der Fall. Dadurch würden die Fahrer abkassiert. Vernachlässigt würden dagegen bei den etwa 48 täglichen Blitzereinsätzen Tempokontrollen, die den Verkehr tatsächlich sicherer machen – so an Unfallschwerpunkten sowie vor Schulen, Krankenhäusern und in anderen Tempo- 30-Zonen.

Der Leiter der Verkehrspolizei, Markus van Stegen, widerspach am Donnerstag auf Anfrage.

„Allein die Hälfte unserer Kontrollen werden auf Straßen mit Tempo 30 durchgeführt“, sagte er. Allerdings verfahre man nach dem Grundsatz, „dass jeder Raser zu jeder Zeit an jedem Ort damit rechnen muss, überwacht zu werden.“ Deshalb seien die Messtrupps bewusst auch an großen Straßen unterwegs wie der „Straße des 17. Juni“, die der Automobilklub in seiner Kritik als Paradebeispiel anführt. Denn dort wird nach Angaben des vom Klub erstellten Berliner „Blitz-Atlas“ am häufigsten kontrolliert. Dazu van Stegen: „Tempoüberschreitungen gefährden überall Menschen.“ 2011 seien in Berlin wegen dieses Deliktes 1184 Kinder und Erwachsene verletzte worden und 12 Menschen gestorben.

Derzeit verfügt Berlins Polizei über sechs fest installierte, stationäre Messgeräte wie beispielsweise im Britzer Tunnel der Autobahn A 100. Außerdem gibt es 43 in zivilen Autos angebrachte Geräte, die vom Straßenrand aus blitzen oder bei Verfolgungsfahrten eingesetzt werden sowie 62 transportable kleinere Lasergeräte, die Beamte mit der Hand bedienen. Unterm Strich ist nach Polizeiangaben jedes Gerät rund 1500 Stunden im Jahr im Einsatz. Das sei schon eine „recht gute Auslastungsquote“, sagt Markus van Stegen. Im übrigen habe man die Tempokontrollen im Jahr 2011 deutlich erhöht. Die zivilen Radarwagen blitzten 21 Prozent öfter als 2010, bei den Lasergeräten betrug die Steigerung etwa zehn Prozent. Von den dabei gemessenen rund zwölf Millionen Autos waren etwa sieben Prozent zu schnell.

Der Verkehrsklub „Mobil in Deutschland“ rügt in seiner am Freitag veröffentlichten Analyse auch den Trend in Berlin „hin zu stationären Radarkontrollen“. Damit würden den Fahrern in besonderem Maße „nur Fallen gestellt“. Wirtschaftliche Belange dürften aber bei der Verkehrssicherheit „absolut keine Rolle spielen“.

Die stationären Blitzgeräte werden allerdings in Berlin außer von der Polizei auch von den meisten Verkehrspolitikern im Abgeordnetenhaus entschieden befürwortet. So fordert die CDU beispielsweise „mehr solche Blitzer“ wegen des „enormen erzieherischen Wertes“. Als Beispiel wird das Gerät im Britzer Tunnel genannt. Seit man es angebracht habe, werde deutlich mehr nach Vorschrift gefahren. Die hohen Anschaffungskosten – ein Gerät kostet mehr als 1,4 Millionen Euro – hätten sich schnell amortisiert.

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