Radweg um den BER : Auf der 24-Kilometer-Rollbahn
09.09.2012 13:18 UhrDer Flughafen in Schönefeld ist für ihn der schönste im ganzen Land. Die holzgetäfelten Schalter im neuen Terminal, die Terrasse mit dem Springbrunnen und den Sitzbänken auf dem Vorplatz. Udo Haase genießt an diesem Vormittag kurz die Ruhe am Flughafen, dann drängt der Schönefelder Bürgermeister auch schon zum Aufbruch. Eine komplette Umrundung des neuen Flughafens mit dem Fahrrad dauert wegen diverser Umleitungen zwei Stunden, und Haase hat heute noch einiges vor. Also los.
Der unvollendete Flughafen ist ein Paradies für Radfahrer, aber nur wenige wissen davon.
Es gibt ausgewiesene Radwege auf dem Weg zum Terminal, und solange der Flugverkehr nicht begonnen hat, herrscht auf den breiten Zufahrtsstraßen auch unter der Woche autofreier Sonntag. Das wird noch ein Jahr so bleiben. Außerdem existiert bereits der westliche Teil des geplanten Radwegs rund um den BER. Vorbild ist der Flughafen München. Dort firmiert der Weg unter dem Slogan „Technik trifft Natur“. Die BER-Umrundung wird 24 Kilometer lang sein. Einen Eröffnungstermin nennt Haase lieber nicht. Einige Bauern sträubten sich, ihre Äcker zu verkaufen, das kann dauern. So ist das halt beim BER.
Das Flughafen-Debakel in Bildern:
Los geht es in Waßmannsdorf, dort wohnt Haase seit Anfang der 90er Jahre. Fluglärm ist im Ort nichts Neues. Weit und breit keine Protestschilder. Fast alle Schönefelder seien für den Flughafen, sagt Haase, weil sie den Verlust an Landschaft und Ruhe mit dem Gewinn an Jobs und Gewerbeeinnahmen gegenrechneten. Ein Schwimmbad wurde gebaut, der Gutspark Großziethen saniert und die Zülowniederung aufgewertet. Die Gemeinde hat schon jetzt 1900 Unternehmen und wöchentlich kommen neue hinzu. Mercedes-Benz errichtet gerade sein „Airport-Center“, mit einem Stern auf dem Dach.
Zwischen Waßmannsdorf und dem Messegelände in Selchow verläuft der Radweg zweispurig, weil die Planer mit vielen Besuchern rechnen, die vom S-Bahnhof Waßmannsdorf zur Internationalen Luftfahrtschau in die Pedale treten. Als Rastplatz bietet sich die Spotterbar „45 über null“ an, die in der Einflugschneise der Nordbahn liegt. Nach zwei Kilometern ist das Tor zur südlichen Landebahn erreicht, dem Prunkstück des Flughafens, vier Kilometer lang. Wie wär’s mit einem Radrennen auf der Piste? „Schöne Idee“, sagt Haase.
Der Bürgermeister trägt Jeans und Rennshirt, aber keinen Helm. Auch sein Rad ist semiprofessionell, tüchtig, aber ohne Schick. Haase ist ein Pragmatiker, mit Hang zum Understatement. Die Flughafenpleite kommentiert er ironisch, die längst überholte Einschätzung seines Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, der BER werde wohl im August eröffnen, entlockt ihm ein Lächeln. Seine Frau habe im April bei den Komparsentests mitgemacht, ihr Urteil danach: „Das wird nie was“. Haase hielt dagegen – „Unsinn“. Die Einladung zur BER-Eröffnung am 3. Juni hat er sich als Souvenir aufgehoben.






































