• Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Räumung abgesagt : Der Schokoladen ist gerettet

17.02.2012 11:52 Uhrvon
Die Kultur erhält die Kündigung. Der Ärger mit dem Eigentümer begann schon in den 90ern.Bild vergrößern
Die Kultur erhält die Kündigung. Der Ärger mit dem Eigentümer begann schon in den 90ern. - Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Der Schokoladen scheint gerettet, der Grundstückstausch zwischen Eigentümer und Land Berlin erfolgreich. Bis Ende März sollen sämtliche Verträge unterschrieben sein.

"Der Schokoladen lebt weiter, das ist sicher." Am Freitag konnten die Betreiber des Wohn- und Kulturprojekts Schokoladen in der Ackerstraße 169 in Mitte vom Hauseigentümer Markus Friedrich endlich hören, wofür sie seit Jahren kämpfen. Man arbeite "aktiv daran, dass es bis Ende März eine Lösung gibt", sagte Friedrich weiter. Die Räumung am kommenden Mittwoch ist abgesagt.

In den kommenden Tagen soll mit der Schweizer Stiftung Edith Maryon, die das Schokoladen-Grundstück erwerben will, ein Kaufvertrag abgeschlossen werden. Im Gegenzug erhält Friedrich vom Land Berlin ein Ersatzgrundstück. Jetzt müssten sich alle Beteiligten vertraglich absichern, sagte Friedrich.

„Es war ein Kraftakt“, sagte Ephraim Gothe (SPD), Staatssekretär für Stadtentwicklung. Er sei „sehr optimistisch“, dass sämtliche Vertragsverhandlungen erfolgreich beendet werden und der Schokoladen dauerhaft in der Ackerstraße 169 bleiben könne. Auch Finanzsenator Nußbaum und Stadtentwicklungssenator Müller seien mit dem Vorgehen einverstanden. Bis Ende März wurde deshalb eine „Friedenspflicht“ vereinbart, in der nicht geräumt werden solle. Darauf hätten sich das Land Berlin, der Hauseigentümer, der Verein Schokoladen, der Liegenschaftsfonds und die Stiftung am Freitag geeinigt. Bis dahin sollen „alle störenden Aktivitäten“ unterlassen werden, sagte Gothe weiter. Damit gemeint sein dürfte vor allem die Demonstration zu Friedrichs Privathaus in Potsdam, zu der das Bündnis „Schokoladen verteidigen“ am Sonnabendnachmittag aufgerufen hatte. Dies solle dennoch stattfinden, sagte Bündnis-Sprecher Frank Leitermann. Man glaube den Absichtserklärungen nicht und wolle auch für Freiräume in Potsdam demonstrieren. Die Polizei rechnet mit bis zu 300 Teilnehmern. Am Dienstagnachmittag soll es eine weitere Demo in Prenzlauer Berg und Mitte.

Im Schokoladen ist man zuversichtlich. "Wir hoffen, dieser Absichtserklärung trauen können", sagte Anja Gerlich vom Schokoladen. Ab Herbst will Friedrich auf der Ersatzfläche Mietwohnungen und Gewerberäume zu errichten. Dem Vernehmen nach handelt es sich um einen Teil des Grundstücks in der Acker-/Ecke Invalidenstraße. Grundstück und Gebäude des Schokoladens will die Edith-Maryon-Stiftung aus Basel kaufen und dem Schokoladen-Verein per Erbpachtvertrag überlassen. Auch dieser müsse dann etwas zum Kaufpreis von etwa einer Million Euro besteuern, sagte Ulrich Kriese, ein Vertreter der Stiftung. Die Sanierung des Hauses müsse der Verein selbst übernehmen. Das Geld soll laut Gerlich über Soli-Aktionen und Darlehen aufgebracht werden. Der Schokoladen, der an die Stiftung herangetreten war, sei für die Stiftung „sehr interessant und liegt uns sehr nahe“, sagte Kriese.

Die Stiftung Edith Maryon will soziale Arbeits- und Wohnstätten fördern und Grundstücke der Spekulation auf dem Markt entziehen, sagte Kriese. Sie finanziere sich aus Spenden, Schenkungen, Erben und Darlehen. In Berlin besitzt die nach der englischen Bildhauerin und Anthroposophin benannte Stiftung mehrere Grundstücke. Zusammen mit der Trias-Stiftung besitzt sie das ehemalige Rotaprint-Gelände in Wedding, was laut Kriese in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden soll, um Gentrifizierung zu verhindern.

Der Stiftung gehören weitere Grundstücke in Wedding, Friedenau, Pankow und Kreuzberg. In Friedrichshain erwarb sie das besetzte Haus in der Rigaer Straße 78. In Brandenburg kaufte die Stiftung die Grundstücke des Bauernhofs Landgut Pretschen und verhinderte nach eigenen Angaben so die Übernahme durch Bauern aus dem Ruhrgebiet. Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop begrüßte die Entwicklung. „Es wäre gut, wenn das Beispiel des Schokoladens Schule machen würde“, sagte auch Linke-Parteichef Klaus Lederer und forderte erneut eine neue Liegenschaftspolitik des Landes.

Mit dem Verbleib des Schokoladens in der Ackerstraße würde ein Streit enden, der bereits drei Jahre nach Einzug des Schokoladens im Jahr 1990 begonnen hatte. Die erste Kündigung bekam der Betreiberverein im Jahr 2006, doch der Schokoladen verhandelte und trickste, focht Formfehler an und konnte bis heute durchhalten. In den vergangenen Wochen hatte es Protest gegeben, um den Schokoladen zu erhalten: Neben Bezirkspolitikern hatte sich auch Staatssekretär Ephraim Gothe für den Erhalt des Schokoladens eingesetzt. Zahlreiche Künstler wie Wladimir Kaminer und Anselm Neft hatten ihre Unterstützung erklärt.

Hauseigentümer Friedrich hatte im Januar und Dezember vor Gericht die Räumung vieler Flächen durchsetzen können. Den Räumungstermin am 22. Februar betrachtete er nach eigener Aussage aber als Druckmittel, damit die Verhandlungen mit dem Senat endlich vorankämen. Im Herbst will Friedrich beginnen, auf der Ersatzfläche Mietwohnungen und Gewerberäume zu errichten.

Sollte er die gewünschte Fläche in der Ackerstraße/Invalidenstraße bekommen, könnte er bald prominente Nachbarn haben. Die beiden freien Flächen nebenan wollte der Senat am liebsten an die Modemacherin Jette Joop und das Architektenbüro Graft vergeben. Ob diese Direktvergabe zustande kommt oder ob die Flächen ausgeschrieben werden, könnte im März entschieden werden. Dann steht das Thema im Steuerungssausschuss des Liegenschaftsfonds auf der Tagesordnung.

Am Sonnabend beginnt im Schokoladen um 12 Uhr eine 24 Stunden-Party mit Lesungen, Konzerten und DJs. Bei einer Einigung könnten auch die Mieter der Wohnungen im Haus in der Ackerstraße bleiben. Sie hatten bereits mehrfach die Kündigungen durch den Eigentümer anfechten können. Zudem soll in den Schallschutz investiert werden. Eine Nachbarin hatte sich oft wegen Lärms beschwert.

Altersvorsorge

Altersvorsorge

Welche Vorsorge-Optionen gibt es? Und welche Maßnahmen sind wirklich sinnvoll? Präsentiert von unserem Partner CosmosDirekt klären wir offene Fragen.

Diese und weitere Informationen zum Thema Altersvorsorge finden Sie auf unserer Themenseite.

Folgen Sie unserer Berlinredaktion auf Twitter:

Tanja Buntrock:
Karin Christmann:


Robert Ide:


Sigrid Kneist:


Anke Myrrhe:


Hier twittert die Stadtleben-Redaktion des Tagesspiegels. Tipps und Trends, Themen und Termine - alles, was die Stadt bewegt:



Machen Sie mit und verlinken Sie Ihre morgendlichen Fotos mit dem Hashtag #gmberlin. Oder schicken Sie Ihre Fotos wie gewohnt an leserbilder@tagesspiegel.de! Wir freuen uns auf Ihre Bilder!


Die ersten Ergebnisse sehen Sie in unserer Fotostrecke.


Tagesspiegel lokal

Kreuzberg Blog

Berlin ist Kreuzberg. Und umgekehrt. Kaum ein anderer Berliner Bezirk wird so stark mit der Hauptstadt in Verbindung gebracht wie Kreuzberg. Was die Kreuzberger bewegt, viele Kiezgeschichten und Meinungen lesen Sie im hyperlokalen Projekt des Tagesspiegels.
Zum Kreuzberg Blog


Ku'damm-Blog

Alle reden vom neuen Aufschwung am berühmten Berliner Kurfürstendamm. Wir zeigen die Fortschritte, aber auch Schattenseiten der Entwicklung in der westlichen Innenstadt und stellen die Menschen dort vor. Machen Sie mit beim Ku'damm-Blog!
Zum Ku'damm-Blog


Pankow-Blog

Pankow boomt. Das Gebiet nördlich vom Prenzlauer Berg wächst rasant. Zu DDR-Zeiten lebten hier vor allem Diplomaten, Funktionäre und Künstler; nun kommen Familien aus dem Prenzlauer Berg hinzu. Eine interessante Mischung. Wir berichten, wie sich das alte Pankow verändert und wer es verändert. Und wir erzählen Geschichten aus der Zeit vor 1989. Die sind spannender als jeder Krimi.
Zum Pankow-Blog


Wedding Blog

Der Wedding lebt. Nur wie? Finden wir es heraus, gemeinsam. Wir: die Leser und die Journalisten des Tagesspiegels. Wir schreiben: Ein Blog über den Wedding. Den alten. Den neuen. Den guten. Den schlechten. Und den dazwischen. Früher Bezirk, bis heute Ereignis. Machen Sie mit beim Wedding Blog!
Zum Wedding Blog


Zehlendorf Blog

Zehlendorf – fein, langweilig, reich? Denkste! Wir hinterfragen gemeinsam mit Jugendlichen, Erwachsenen, Prominenten Klischees und schreiben spannende Geschichten aus dem Stadtteil: über Menschen, lokale Politik und ein Lebensgefühl mit Wasser und Wald. Schreiben Sie mit am Zehlendorf Blog!
Zum Zehlendorf Blog

Umfrage

Kirche und Senat planen Neubauten auf Friedhöfen. Sind Sie dafür?

Service

Empfehlungen bei Facebook

Nachrichten aus den Bezirken

Weitere Themen

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Veranstaltungen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden regelmäßig Salons, Vorträge und Debatten statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.
Unser HTML/CSS Widget (statisch)

Erleben sie mit tagesspiegel.de die ganz besonderen Veranstaltungen in Berlin und Umgebung. Hier können Sie sich Ihre Tickets zum Aktionspreis sichern.

Weitere Tickets...