Roma in Berlin-Neukölln : Statusbericht belegt Missstände und Ausbeutung

Roma in Neukölln sind vielfach Ausbeutung und der Willkür von Vermietern ausgesetzt. Das belegt nun der vierte Roma-Statusbericht des Bezirks.

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Roma in einem Wohnprojekt in Berlin-Neukölln.
Roma in einem Wohnprojekt in Berlin-Neukölln.Foto: picture alliance / dpa

Ausbeutung, Verarmung, Stigmatisierung: Der „4. Roma-Statusbericht“, der die Situation der in Neukölln lebenden Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien beleuchtet, von denen ein Großteil der Ethnie der Roma angehört, zeichnet ein deprimierendes Bild. „Nach Neukölln ziehen vor allem Personen, die aus prekären Verhältnissen in prekäre Verhältnisse kommen“, heißt es in der Studie. Bundesweite Durchschnittswerte über hochqualifizierte Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien seien wenig hilfreich, wenn es darum gehe, was konkret vor Ort zu tun ist, merken die Verfasser kritisch an. Dem Bezirksamt seien Beispiele von rumänischen Frauen bekannt, die in Luxus-Hotels in Mitte und in Ausstellungsräumen der Fashion Week zu Dumpinglöhnen putzten. Auch im Baugewerbe würden Roma oft ohne angemessene Arbeitsverhältnisse eingesetzt.
Ausbeutung erleben viele Roma auch auf dem Wohnungsmarkt. Der Bezirk weiß von rund 30 Schrottimmobilien, in denen menschenunwürdige Wohnverhältnisse herrschen, in denen die Bausubstanz verfällt und Wohnungen zu Massenschlaflagern ausgebaut wurden. Den Behörden seien weitgehend die Hände gebunden – auch, weil viele Familien von ihren Vermietern abhängig seien. Städtische Wohnungsbaugesellschaften müssten stärker in die Pflicht genommen werden, fordern die Autoren der Studie.

„Verschuldung und mangelnder Wohnraum“ werden als dringendste Probleme genannt. Rund 40 Prozent der rumänischen und bulgarischen Zuwanderer in Neukölln beziehen Sozialleistungen. Es sei allerdings davon auszugehen, dass viele Familien der restlichen 60 Prozent unter dem Existenzminimum leben. Kinder aus diesen Familien hätten es in der Schule oft besonders schwer, da sie keinen Anspruch auf Hilfsmöglichkeiten wie etwa Lernmittelbefreiung oder ermäßigte Fahrkarten hätten.
Angesichts dieser Problemlagen forderte Bezirksstadträtin Franziska Giffey (SPD), dass der Bund den Kommunen mehr Mittel für Maßnahmen zur Bildung und Integration zur Verfügung stellt. „Die Kinder, die heute zu uns kommen, sind die Arbeitskräfte, die wir morgen dringend brauchen“, sagt Giffey.
In Berlin leben rund 30 000 Rumänen und Bulgaren, 10 000 mehr als 2011. In Neukölln waren es Ende vergangenen Jahres 5578 Personen.


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