Sanierung : Sportliche Pläne für den Olympiapark

Das Umfeld des Olympastadions ist eines der größten Berliner Denkmalensembles. 80 Millionen Euro sollen hier in den nächsten Jahren investiert werden. Manche Landespolitiker sind skeptisch, ob das Geld gut angelegt ist.

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Kostenblock. Das Olympiabad soll teilsaniert werden. Dazu wird es zeitweise geschlossen. Die Tribünen sollen nur soweit gesichert werden, wie es Denkmalschutz und Badebetrieb erfordern.
Kostenblock. Das Olympiabad soll teilsaniert werden. Dazu wird es zeitweise geschlossen. Die Tribünen sollen nur soweit gesichert...Foto: Thilo Rückeis

Berlin„Frau Hiller, haben Sie mal ’ne Nagelschere?“, fragt Peter Trapp, während im Hintergrund gleich drei Rasenmäher durch den Olympiapark brummen. „Hier steht noch ein Grashalm über!“ Gabriele Hiller ist sportpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Trapp ihr CDU-Pendant. Am Freitag besichtigen sie mit dem Sportausschuss des Parlaments das Gelände ums Olympiastadion, wo die Wege lang und die Zäune hoch sind. 80 Millionen Euro sollen hier in den nächsten Jahren investiert werden – eine Summe, die nach Berliner Maßstäben wie Weihnachten und Ostern zugleich ist. Und für die Opposition ein Grund, genau hinzuschauen.

Zwischen den sattgrünen Rasenplätzen und einigen Pferdeställen verläuft die mit Schranken gesperrte Friedrich-Friesen- Allee, an der ein selbst gemaltes Verkehrsschild vor „tieffliegenden Ponys“ warnt. Ponytiefflug wäre hier an Tagen wie diesem gefahrlos möglich: Bis auf ein paar Tennis spielende Kinder ist niemand zu sehen. Sie seien von der Poelchau-Schule, rufen sie in Richtung Hiller, die als Lehrerin a.D. streng nachgefragt hatte, was die Kinder um diese Zeit hier machten.

Die Sportschule erhält für gut zwölf Millionen Euro ein neues Domizil in einem Verwaltungsgebäude, das die bis 1994 auf dem Gelände ansässigen britischen Alliierten genutzt haben. Der Bau stammt wie die meisten hier aus den 1920er- bis 1930er-Jahren und wird bereits saniert. An einer verschlossenen Tür klebt ein Zettel mit der Bitte an die „liebe Verwaltung“, diese Tür bitte nicht aufzubrechen: Das verdächtige Klacken dahinter stamme von analogen Uhren.

Die Enden des U-förmigen Gebäudes beherbergen eine top sanierte Schwimmhalle und eine Werkstatt, die zur Turnhalle hergerichtet wird. Sie steht mit fünf Millionen Euro in der 80-Millionen-Liste.

Das Olympiabad, ein paar Sportplätze weiter direkt im Schatten des Olympiastadions gelegen, ist mit 17,5 Millionen der größte Einzelposten. Wie berichtet, sollen die maroden Tribünen nur so weit saniert werden, wie es Denkmalbehörden und Badebetrieb erfordern. Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) verteidigt diese Variante als vernünftige Alternative zur doppelt so teuren Komplettsanierung. Nichtstun gehe auch nicht, heißt es bei den Bäderbetrieben: Schon jetzt stecke man jährlich mindestens einen fünfstelligen Betrag in die allernötigsten Reparaturen. Und bis zu 200 000 Besucher in einem schönen Sommer seien möglich – wobei die Zahlen bisher stets deutlich darunter lagen.

Ob er die 17,5 Millionen für angemessen halte, will Hiller von Statzkowski wissen. Der bejaht, weil das Land damit neben dem Bad auch ein bedeutendes Denkmal erhalte. Hiller würde lieber für viel weniger Geld anderen Kiezen ein Bad spendieren. Auch die 13,5 Millionen Euro fürs Reiterstadion sind ihr zu viel.

Auch die Grüne Felicitas Kubala bezeichnet das Bad als „besonders problematischen Posten“. Während der Tross übers Maifeld wandert, resümiert Kubala, das Gelände sei ein mahnendes Beispiel für die großen Brocken, die Olympische Spiele oder auch nur Bewerbungen in einer Stadt hinterließen. Die Ausschussvorsitzende Karin Seidel-Kalmutzki (SPD) fasst zusammen, man habe „den Investitionsbedarf deutlich erkennen können“ und werde wohl noch viel über Geld zu reden haben. Für Gebäude, Treppen und Tribünen am Maifeld stehen knapp 15 Millionen in der Liste, für den Kuppelsaal 11,5 Millionen – die Aufzählung ist lang. Aber als die Ausschussmitglieder am Ende ihrer Tour vom Glockenturm über den frühherbstlichen Olympiapark – eines von Berlins größten Gartendenkmalen und zugleich eines der unbekanntesten – blicken, herrscht Wohlfühlatmosphäre. Nur wenige wussten, wie schön es hier ist.

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