Satire-Kirche in Brandenburg : Neue Aufregung um Pastafari-Nudelmesse

Anlass zur Sorge oder zum Lachen? In Templin hängen Schilder, die zur Messe der Pastafari, einer Satire-Religionsgemeinschaft, einladen. Jetzt gab es Farbschmierereien. Der örtliche Ober-Pastafari behauptet nun, er lebe in Angst.

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Schilda. Rüdiger Weida im Pastafari-Piratendress am noch sauberen Schild. Einige wurden beschmiert. Nun darf der Religionssatiriker eigene Masten nahe denen der Kirchen mit ihren Gottesdiensten anbringen.
Schilda. Rüdiger Weida im Pastafari-Piratendress am noch sauberen Schild. Einige wurden beschmiert. Nun darf der...Foto promo/www.pastafari.eu

Ach, Du lieber Gott, sagen jetzt viele. Oder im Sprachgebrauch der Pastafaris: Ach, Du liebes Fliegendes Spaghettimonster! Da geht der Templiner Streit um die Nudelmessenschilder also in eine neue Runde. Laut dem Templiner Bürgermeister Detlef Tabbert hat wohl ein „Schmierfink oder junger Sprayer“ die Schilder bunt lackiert. Gegen ihn wird wegen Sachbeschädigung ermittelt.

Rüdiger Weida, Vorsitzender der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Deutschland, alias Bruder Spaghettus, hatte kürzlich durchgesetzt, dass mit Schildern am Ortseingang nicht mehr nur auf christliche Gottesdienste hingewiesen wird, sondern auch auf die so genannte Nudelmesse. Er schreibt jetzt in einem offenen Brief an die christlichen Kirchen Templins, die Pastafari lebten in Angst. „Wird die religiös motivierte Gewalt gegen uns zunehmen? Werden bald Steine in unsere Fenster fliegen oder wir gar persönlich angegriffen werden?“

"Pastafari wollen ohne Angst in Templin leben"

Zu solchen Formulierungen sagt Bürgermeister Tabbert, Weida habe wohl „den Spaß am großen Auftritt entdeckt“. Bruder Spaghettus schreibt weiter: „Uns ist durchaus bewusst, die übergroße Mehrzahl der Templiner Christen lebt hier absolut gewaltfrei und fühlt sich den Werten des Humanismus tief verpflichtet. Diese Christen werden Gewalt gegen uns nicht christlich finden. Es wird nur eine kleine Gruppe oder gar ein Einzelner sein, vielleicht nur ein verwirrter Jugendlicher, der hier gehandelt hat.“ Dennoch bittet er die Pastoren, sich auch in den Predigten „dafür einzusetzen, dass wir Pastafari wieder ohne Angst in Templin leben können und nicht verfolgt werden. Wir möchten Ihnen an dieser Stelle versichern, es war nie unsere Absicht, Sie oder ihre Bräuche zu verspotten.“

Messfahrt. In Templin gibt es verschiedene Angebote, um den Hunger nach Religion zu stillen.
Messfahrt. In Templin gibt es verschiedene Angebote, um den Hunger nach Religion zu stillen.Foto: dpa

Satirischer Protest gegen Kreationisten

Die Pastafari-Religion wurde im Juni 2005 vom US-amerikanischen Physiker Bobby Henderson erdacht. Sie entstand als satirischer Protest gegen die Kreationisten. Diese behaupten, die Schöpfungsgeschichte sei keine religiöse Erzählung, sondern wissenschaftlich fundiert. So wollen sie erreichen, dass im schulischen Biologieunterricht nicht nur die Evolutionstheorie gelehrt wird, sondern auch die Theorie, Gott habe die Erde in sieben Tagen erschaffen. Die Pastafaris kontern, indem sie behaupten, an ein Fliegendes Spaghettimonster zu glauben, das die Erde geschaffen habe. Sie wollen erreichen, dass Staat und Religion streng getrennt werden. In Deutschland sind die Pastafaris ebenfalls aktiv und haben rund 3500 Fans auf Facebook sowie rund 130 aktive Anhänger.

Bürgermeister Detlef Tabbert verweist auf Dienstag, denn da wollen sich er, das Landesverkehrsamt und Weida über eigene Nudelmessen-Masten im Abstand von 100 Metern von den Kirchenschildern einigen. Derweil schimpfen die Katholiken im Ort über Weidas „bösartigen Karnevalsverein“.

Der zuständige Superintendent Uwe Simon sagte dem Tagesspiegel, er halte Satire für sehr wichtig. Mit der Anlehnung des Pastafari-Symbols an den eucharistischen Fisch würden aber auch Gefühle verletzt. In Brandenburgs Kirchen und Schulen passiere jedenfalls das „glatte Gegenteil“ von dem, was die US-Pastafaris einst an kirchlichem Fundamentalismus kritisierten.

Die Geschichte vom Schilderstreit will Bürgermeister Tabbert noch vor Weihnachten friedlich lösen. Die Nudelmesse war am Freitag leer.

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