Saubere Sache - Gemeinsame Sache : Neukölln: Die Idylle bewahren

Die Initiative „Buckower Dorfteich“ hat den See und die Grünanlage aus der Verwahrlosung gerettet.

Nora Tschepe-Wiesinger
Seit 2008 kümmern sich viele Helfer um den Teich.
Seit 2008 kümmern sich viele Helfer um den Teich.Foto: Georg Moritz

„Jens und Gabi“, ist in das Vorhängeschloss graviert. Auf dem Schloss daneben schwören sich Dennis und Lisa in schnörkeliger Schrift „ewige Treue“. Die Schlösser hängen am schwarzen Zaun, daneben ein Schild in Herzform mit der Aufschrift „Buckower Liebesschlösser“. „Ein Gag, den man aus Großstädten kennt“, sagt Ute Lanske, blonde Haare, schwarz-weiße Bluse.

Ist Buckow im Süden Neuköllns etwa nicht Großstadt? „Nein, hier nicht“, sagt Lanske. Die dreifache Mutter und Hausfrau steht auf dem ehemaligen Dorfanger, vor ihr der Dorfteich, dahinter die Dorfkirche: Alt-Buckow, der historische Dorfkern. Lanske wohnt hier seit über 30 Jahren.

Buckow gibt es seit 1373, erst 1920 wurde es nach Berlin eingemeindet. „Früher haben die Buckower im Teich ihre Pferde gebadet“, erzählt Lanske, die sich seit acht Jahren um die Pflege des Teichs und der umliegenden Wege und Grünflächen kümmert. Mit Jörg Christians, einem Buckower Landwirt, der hier am Stadtrand noch Getreidefelder bestellt, hat sie 2008 den Verein „Buckower Dorfteich Initiative e.V“ gegründet.

Grünflächenamt sparte Personal

Einmal im Monat trifft sich die Hälfte der 50 Vereinsmitglieder am Teich, um sauberzumachen. Dann harken sie Laub, fegen Wege, sammeln Müll und herumliegende Flaschen ein. Wenn der Teich im Winter zufriert, mähen sie das Schilf nieder.

Von Jahr zu Jahr läge weniger Abfall herum, erzählt Lanske – das sei ein Verdienst ihrer Arbeit. Früher sah es rund um den Teich schlimm aus: Grünflächen und Wege waren verdreckt und zugewachsen. „Der Dorfteich war versandet und fast ausgetrocknet“, sagt Jörg Christians, überall lag Müll und Hundekot. „Das konnten wir nicht länger ertragen“, sagt Lanske. Von der Stadt kam keine Hilfe, das Grünflächenamt sparte an Personal.

Also wurden Lanske und Christians selbst aktiv, trommelten Buckower zusammen und räumten auf. Fünf Rosenbeete, einen Blauglockenbaum und Krokusse haben die Vereinsmitglieder über die Jahre gepflanzt und angelegt – finanziert allein durch Vereinsbeiträge und Spenden.

„Alte Vereinsmitglieder, die sich nicht mehr so aktiv an den Aufräumaktionen beteiligen können, wünschen sich zum Geburtstag keine Geschenke, sondern Geld für den Verein“, erzählt Lanske. Von diesem Geld wurden Parkbänke gestrichen, Mülleimer und die Zäune für die Liebesschlösser aufgestellt. Frisch Getraute können nach der Hochzeit in der Dorfkirche ihre Liebe direkt am Teichzaun besiegeln.

Sogar Gelder vom Senat

Idylle in Alt-Buckow – aber Lanske erzählt auch von Vandalismus, Schmierereien und Partynächten. „Früher wurde hier jedes Wochenende wild gefeiert“, erzählt Lanske. Ständig mussten sie Flaschen und Müll aus dem Teich fischen. Einmal seien Parkbänke versenkt worden, ein anderes Mal wurden die Bänke angebrannt. Bäume und Schilder, die auf die Arbeit des Vereins hinweisen, wurden besprayt.

„Seitdem wir regelmäßig Ordnung machen, ist es besser geworden“, sagt Lanske. Wo es sauber sei, trauten sich die Leute weniger, Dreck zu machen. Ein neuer Tiefbrunnen soll bald auch den Wasserspiegel des Teichs konstant halten. Die Gelder dafür kommen sogar vom Senat.

Teich aufräumen am Aktionstag

Die Buckower haben sich durch ihre Aktionen ein Stück dörfliche Idylle zurückgeholt. Landwirt Christians führt den Hof keine 100 Meter vom Teich entfernt in vierter Generation. In den Stallungen, in denen sein Vater noch Schweine und Hühner hielt, steht jetzt das Material für die Dorfteich-Initiative: Besen, Rechen, Schubkarren, ein Boot, um im Entenhaus auf dem See nach dem Rechten zu sehen.

Christians fährt das Material an den Aktionstagen mit seinem Trecker zum Teich. „Ohne Familie Christians würde das hier nicht laufen“, sagt Lanske. Christians lächelt verlegen, ihm sei eben etwas an „seinem“ Buckow gelegen. Am Aktionstag, Freitag, 18. 9. sind alle Helfer, auch Nicht-Buckower, willkommen, rund um den Teich aufzuräumen. Treffpunkt ist direkt am Teich, Alt-Buckow 12.

Die alte Dorfkirche im Berliner Stadtteil Buckow.
Die alte Dorfkirche im Berliner Stadtteil Buckow.Foto: dpa

Sie alle sind dabei

Rund um die Kita Herz Jesu

Eltern und Kinder werden sich am Sonnabend, dem 19. 9., um 10 Uhr treffen, und sich im Park um die katholische Kita „Herz Jesu“ in Tempelhof herum bewegen und sauber machen. Beendet werden soll die Aktion um 12 Uhr. Aktionsort: Templerzeile 15, 12099 Berlin. Kontakt: Sabine Dittert 7523662. E-Mail: kontakt@herz-jesu-kita.de. www.herz-jesu-kita.de

Ein Platz an der Sonne

Die Aktionsgruppe „Wirbelwind“ säubert am Freitag, dem 18. 9., von 9 - 12.30 Uhr die Wege und Grünanlagen am und um den Augustaplatz in Lichterfelde. Treffpunkt: Tietzenweg 101, 12203 Berlin. Kontakt: Hr. Feigl

Hellersdorf soll schöner werden

Die „Müllfänger“ der Sabine-Ball-Grundschule säubern am 18. 9. von 8.30 - 12 Uhr den Schulhof und die nähere Umgebung der Schule. Aktionsort: Lichtenhainer Straße 2, Marzahn-Hellersdorf. Kontakt: Fr. Hinderland

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