Schule : Frau Sarrazin in der Gerüchteküche

Ein Schulrat wird versetzt, eine Mutter streitet mit einer Lehrerin, die zufällig Ehefrau des Finanzsenators ist. Daraus lässt sich eine Intrige spinnen.

Susanne Vieth-Entus

Es kann ja viele Vorteile bieten, einen bekannten Namen zu tragen. Man kommt leichter irgendwo umsonst rein (Paris Hilton), kriegt eher einen guten Job (George W. Bush) oder auch schneller einen dicken Kredit (Franjo Pooth). Mitunter ist es aber auch genau umgekehrt: Dann muss man richtig bluten, nur weil Mutter, Bruder oder Ehepartner irgendwie zum Establishment gehören. So geht es gerade Ursula Sarrazin, der Frau des Finanzsenators. Denn ohne diesen Nachnamen ginge es ihr zurzeit wahrscheinlich besser.

Ursula Sarrazin ist Grundschullehrerin, und zwar eine, die polarisiert. Normalerweise würde das die Öffentlichkeit nicht interessieren. Schließlich gehören Meinungsverschiedenheiten zwischen Lehrern und Eltern oder Schulräten und Schulleitern oder Schulräten und Lehrern oder Eltern und Schulräten zum Alltagsgeschäft im Schulwesen. Eine Konsequenz daraus sind laut Bildungsverwaltung pro Jahr 80 bis 100 Dienstaufsichtsbeschwerden allein gegen Lehrer.

Gerüchte über Versetzungen

Auch Ursula Sarrazin hatte sich als Lehrerin die Wut einer Mutter zugezogen, was zu einer anwaltlich unterstützten Dienstaufsichtsbeschwerde führte. Dabei blieb es aber nicht. Offenbar aus Unzufriedenheit darüber, dass der Fall keine nach außen sichtbaren Konsequenzen hatte, entschied sich die Gegenseite, die Öffentlichkeit einzuschalten: Mit Hinweis auf den bekannten Namen der Lehrerin hoffte man offenbar auf Widerhall. Richtig interessant schien die Geschichte aber erst in Verbindung mit dem Gerücht, dass der beteiligte Schulrat versetzt wurde, weil er seinerseits Frau Sarrazin einer anderen Schule habe zuteilen wollen. Aber auch das ist überhaupt nicht bewiesen.

Nun ist es so, dass besagter Schulrat seit Jahren als höchst umstritten gilt. Aber mit Schulräten ist es nicht anders als mit anderen Beamten: Sie gegen ihren Willen zu versetzen oder gar zu entlassen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Deshalb brauchte es viele Jahre und viele Konflikte, um seine Versetzung durchzusetzen, heißt es im betreffenden Bezirk bei Schulleitern und Betroffenen. Offenbar sprach letztlich genug dafür – nur: Der Fall „Sarrazin“ hatte nach Informationen des Tagesspiegels mit der Versetzung nichts zu tun. Allein die zeitliche Nähe zum Konflikt mit der Lehrerin Sarrazin reichte manchen Leuten, um einen kausalen Zusammenhang herzustellen.

Zöllner soll aufklären

Nun hat die Sache eine weitere Wendung genommen: Aufgeschreckt durch die irritierenden Behauptungen in der Öffentlichkeit sehen sich die Fraktionen im Abgeordnetenhaus dazu genötigt, von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) Aufklärung in diesem Fall zu verlangen.

Und noch jemand versucht, aus der Angelegenheit einen Vorteil zu ziehen: Landeselternsprecher André Schindler. Er hat es offenbar nicht verwunden, dass Zöllner seiner Forderung nach einer unabhängigen Ombudsstelle nicht nachgekommen ist. Zwar hat der Schulsenator stattdessen in seiner Behörde eine Beschwerdestelle eingerichtet, die allem Anschein nach gute Arbeit leistet. Schindler aber scheint es nicht zu gefallen, dass er daran unbeteiligt ist.

So haben alle Seiten etwas von dem Streit um die Frau des Finanzsenators. Außer sie selbst.



Die Beschwerdestelle: FACHLEUTE VERMITTELN

Seit dem Frühjahr 2008 gibt es in der Senatsverwaltung für Bildung eine offizielle Beschwerdestelle. Sie besteht aus drei Fachleuten – zwei Schulräten und einer Juristin. Die Aufgabe der so- genannten Beschwerdemanager ist es, durch tragfähige Lösungen Konflikte aus dem Weg zu räumen. Sie sind für Klagen über das Verhalten von Direktoren, Lehrern oder Schulräten ebenso zuständig wie für beanstandeten Unterrichtsausfall. Kontakt: Benno Linne, Tel. 9026-5833, Helga Dittmann-Pätsch, Tel. 9026- 5452, Dirk-Christian Stötzer, Tel. 9026- 6030. Weitere Auskünfte beim Infopunkt unter Tel. 9026-5000. sve

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