Schule in Berlin : Gemeinsam lernt sich’s besser

Eine Studie bescheinigt den Berliner Gemeinschaftsschulen Erfolge. Senatorin Scheeres will die Schulform stärken.

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Blick in den Unterricht an der Friedenauer Gemeinschaftsschule.
Blick in den Unterricht an der Friedenauer Gemeinschaftsschule.Foto: dpa

Es klingt fast zu schön an, um wahr zu sein, aber die Wissenschaftler sind sich ihrer Sache – und ihrer Studienergebnisse – sicher: Die Berliner Gemeinschaftsschulen sind ein Erfolg. Schüler lernen dort besser als vergleichbare Schüler in Hamburg, es gibt sogar höhere Lernzuwächse als bei Gymnasiasten. Und an den Gemeinschaftsschulen hängt der Erfolg der Schüler weit weniger stark davon ab, welche soziale Herkunft die Jugendlichen haben, als an vielen anderen Schulen. Das ist das Ergebnis des Abschlussberichtes zur Pilotphase der Berliner Gemeinschaftsschulen, der am Freitag in der Senatsbildungsverwaltung vorgestellt wurde.

Vergleich mit Hamburg

Die Idee der Gemeinschaftsschule ist, dass Kinder von der ersten Klasse bis zum Abschluss in der zehnten oder 13. Klasse zusammen bleiben und gemeinsam lernen. Sie werden nicht nach Leistungsstärke in Lerngruppen oder Schulformen getrennt. Jedes Kind soll in der Klasse individuell gefördert werden – egal wie intelligent es ist, egal wie arm oder reich, gebildet oder ungebildet seine Eltern sind. 24 Gemeinschaftsschulen gibt es inzwischen in Berlin. Seit Beginn der Pilotphase im Schuljahr 2008/2009 wurden die Schulen wissenschaftlich begleitet, die Studie wurde von Schulentwicklungsforschern der Universität Hamburg und dem Beratungsunternehmen Ramboll Management Consulting durchgeführt. Als Vergleichsgruppe nahmen die Wissenschaftler Hamburger Schüler, weil es dort zu Studienbeginn noch ein dreigliedriges Schulsystem gab, während sich das Berliner System bereits im Umbruch zur Sekundarschulreform befand.

Die Berliner Schüler lernten mehr dazu

Mehrere bereits veröffentlichte Teilstudien wiesen schon auf gute Ergebnisse hin. 2009 und 2011 wurde getestet, welche Fortschritte die Schüler von der siebten zur neunten Klasse machten. Höhere Lernzuwächse als erwartet gab es damals beim Leseverständnis, der Rechtschreibung und in Englisch. In Mathematik waren die Ergebnisse durchschnittlich, in Naturwissenschaften etwas schlechter als an den Vergleichsschulen. Zwei Jahre später wiederholten die Wissenschaftler die Tests, wieder mit Siebt- und Neuntklässlern – und die Gemeinschaftsschulen schnitten jetzt sogar noch besser ab, auch in Mathematik und Naturwissenschaften. In allen Feldern haben sie mehr dazu gelernt als die Hamburger. Allerdings war das Ausgangsniveau der Berliner Schüler schlechter, sie konnten zu Beginn der siebten Klasse weniger als die Hamburger. Bis zur neunten haben sie die Rückstände aber aufgeholt, in einigen Bereichen sind sie dann sogar besser.

Die guten Ergebnisse führen die Bildungsforscher vor allem auf die individuellen Lernformen zurück. „Es geht darum, jedes Kind einzeln in den Blick zu nehmen und zu schauen, was es braucht“, sagt Studienleiter Ulrich Vieluf. Und das gelinge offenbar an den Gemeinschaftsschulen besser als an anderen Schulformen. Dazu kommt eine hohe Motivation der Lehrer. Rund 80 Prozent sind von dem Konzept überzeugt, Teamarbeit ist weit verbreitet.

Scheeres prüft Verankerung im Schulgesetz

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will nun die Gemeinschaftsschulen stärken. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass das Angebot verstetigt wird“, sagte sie. Sie werde eine Verankerung im Schulgesetz prüfen. Ihre Partei will das auch: Ein entsprechender Antrag soll auf dem Parteitag am 30. April eingebracht werden, kündigte der Landesvorsitzende Jan Stöß an.

Die Linkspartei, auf deren Initiative das Pilotprojekt in der vergangenen Legislaturperiode maßgeblich zurückging, drängt auf Ausbau. „Wir wollen, dass in jedem Bezirk wenigstens eine Gemeinschaftsschule bis zum Abitur führt“, sagt Bildungspolitikerin Regina Kittler.

Die CDU ist skeptisch

Skeptischer ist dagegen die CDU. Die bildungspolitische Sprecherin Hildegard Bentele bezweifelt die Aussagekraft der Studie: „Erst wenn wir wissen, wie die Gemeinschaftsschulen bei den Schulabschlüssen und den Abbrechern abschneiden, kann man den Erfolg beurteilen.“

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