Schule in Berlin : Gott braucht Geld

Es klafft eine erhebliche Lücke zwischen dem, was Berlin an seine eigenen Lehrer zahlt und dem, was sogenannte Bekenntnislehrer erhalten. Die evangelische Kirche droht jetzt wegen Finanznot mit dem Rückzug aus Brennpunktschulen.

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Immer schön aufpassen. Auch im Religionsunterricht. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Immer schön aufpassen. Auch im Religionsunterricht.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Nach dem Humanistischen Verband warnt jetzt auch die evangelische Kirche vor einer Gefährdung des Bekenntnisunterrichts infolge zu geringer staatlicher Zuschüsse. „Wenn sie nicht erhöht werden, müssen wir Standorte aufgeben“, kündigte der Leiter der Bildungsabteilung der evangelischen Kirche, Friedhelm Kraft, gegenüber dem Tagesspiegel an. Davon wären vor allem die sozialen Brennpunkte betroffen, an denen die Finanzierung des Religionsunterrichts aufgrund kleiner Lerngruppen die größten Probleme macht. Die Kirche appelliert an die Koalition, im Rahmen der Haushaltsverhandlungen nachzubessern – bislang allerdings ohne Erfolg. Ein Gespräch zwischen den obersten Kirchenvertretern und dem Regierenden Bürgermeister verlief ohne sichtbares Ergebnis.

Zuletzt nutzte der evangelische Bischof Markus Dröge die Synode, um auf das Problem aufmerksam zu machen: Für die Zukunft des Religionsunterrichtes sei es eine „entscheidende Frage“, ob die Zuschüsse des Landes an die Tarifentwicklung angepasst würden, mahnte er.

Es klafft eine erhebliche Lücke

Tatsächlich klafft eine erhebliche Lücke zwischen dem, was Berlin an seine eigenen Lehrer zahlt, und dem, was die Bekenntnislehrer erhalten. Der Grund hierfür liegt in einer Finanzierungsvereinbarung aus dem Jahr 2002. Damals wurde festgeschrieben, dass die Kirche einen Zuschuss erhält, der rund 90 Prozent des Gehaltes eines Lehrers im Landesdienst entsprach. Seither sind die Landesgehälter allerdings stark gestiegen, ohne dass der Zuschuss angepasst wurde. „Da hat die Kirche schlecht verhandelt“, heißt es dazu aus dem Senat. Wenn sie damit unzufrieden sei, müsse sie die Vereinbarung eben kündigen – so wie es der Humanistische Verband, zuständig für den Lebenskundeunterricht, getan habe.

Zu diesem Schritt hat sich die Kirche noch nicht entschlossen. Stattdessen hofft sie auf die Haushaltsverhandlungen. Die CDU betont, dass sie die Sorgen der Kirchen ernst nimmt, und auch die SPD sieht das Problem, zumal sich etliche Sozialdemokraten dem Humanistischen Verband verpflichtet fühlen, der ebenfalls unter der Unterfinanzierung leidet. Dennoch sind die Koalitionäre skeptisch, ob sie in diesen Haushaltsverhandlungen etwas tun können, da es für einen derart hohen Mehrbedarf – es geht um rund fünf Millionen Euro jährlich – kaum Spielraum gibt.

Möglicherweise kommt dennoch Bewegung in die Verhandlungen, denn ein Wegfall des Religionsunterrichts ausgerechnet an Brennpunktschulen wäre brisant. Sie aber wären zuerst betroffen, weil es hier im Schnitt weniger christliche Kinder gibt – und je kleiner die Lerngruppe, desto defizitärer der Unterricht.

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