Anmeldung für Oberschulen in Berlin : Tschüss, Grundschule!

Gymnasium oder Sekundarschule: Jetzt müssen sich tausende Schüler für eine weiterführende Schule entscheiden. Unsere Tipps.

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Blick in das Treppenhaus einer Berliner Schule.
Blick in das Treppenhaus einer Berliner Schule.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Jetzt wird es ernst: Rund 30 000 Sechstklässler und ihre Eltern müssen sich entscheiden, auf welcher weiterführenden Schule die Kinder nach der Grundschule lernen sollen. Das Anmeldeverfahren für die Gymnasien und Integrierten Sekundarschulen in Berlin ist nicht ganz einfach: Drei Schulen kann man als Wunsch angeben, doch wenn die Schulen mehr Anmeldungen als Plätze haben, greift ein Auswahlverfahren, bei dem es in den meisten Fällen auf den Notendurchschnitt ankommt. In vielen Familien wird deshalb mit Spannung das Halbjahreszeugnis erwartet. Immerhin, im vergangenen Jahr bekamen 92 Prozent der Schüler einen Platz an einer ihrer Wunschschulen. Bei rund 1800 Kindern klappte dies allerdings nicht. Ihnen wurde ein Platz zugewiesen oder sie mussten sich noch mühsam selbst einen suchen. Wir sagen, worauf man im Vorfeld achten sollte.

Wann und wie meldet man sich an?

Der Anmeldezeitraum für die siebten Klassen ist vom 7. Februar bis zum 21. Februar. Eltern melden ihr Kind in der Schule an, die sie als Erstwunsch angeben. Auf dem Anmeldebogen kann (und sollte) man auch einen Zweit- und Drittwunsch angeben. Zur Anmeldung bringt man das Formular mit, das man von der Grundschule zusammen mit der Förderprognose erhält. Manche Schulen verlangen darüber hinaus Bescheinigungen über bestimmte Kenntnisse (z.B. musische Fähigkeiten). Was genau vorgelegt werden muss, erfährt man direkt in der Schule. Die Bescheide über die Schulplätze werden am 19. Mai verschickt.

Was ist die Förderprognose?

In der Förderprognose gibt die Grundschule an, ob sie den Besuch einer Sekundarschule oder eines Gymnasiums empfiehlt. Die Prognose beinhaltet eine Durchschnittsnote, die aus den Zeugnisnoten des zweiten Halbjahres der fünften und des ersten Halbjahres der sechsten Klasse gebildet wird. Die Noten für Deutsch, Mathematik, Fremdsprache und Naturwissenschaften zählen doppelt. Bei einer Durchschnittsnote bis 2,2 wird der Besuch von Gymnasium oder Sekundarschule empfohlen. Im Bereich von 2,3 bis 2,7 berücksichtigen die Lehrer für ihre Empfehlung, wie gut das Kind lernt und wie belastbar es ist. Ab einem Durchschnitt von 2,8 empfehlen sie den Besuch einer Sekundarschule.

Was können die Eltern entscheiden?

Die Eltern müssen sich nicht an die Empfehlung der Grundschule halten. Auch wenn das Kind eine Sekundarschulempfehlung bekommt, können sie es an einem Gymnasium anmelden. Wenn die Durchschnittsnote schlechter als 3,0 ist und das Kind trotzdem aufs Gymnasium soll, müssen die Eltern an einem Beratungsgespräch an einem Gymnasium teilnehmen. Um das Kind nicht zu über- oder unterfordern, sei es sinnvoll, sich an der Förderprognose zu orientieren, rät die Bildungsverwaltung.

Wie wählen die Schulen aus?

Wenn eine Schule mehr Anmeldungen als freie Plätze hat, greift ein besonderes Verfahren: 10 Prozent der Plätze werden für Härtefälle oder Geschwisterkinder reserviert. 60 Prozent der Plätze werden nach den Aufnahmekriterien der Schule vergeben. Viele nehmen dafür die Durchschnittsnote der Förderprognose. Einige Schulen ziehen noch andere Kriterien hinzu, sie gewichten beispielsweise bestimmte Fächer, die zu ihrem Profil passen, stärker oder vergeben Pluspunkte für bestimmte Kompetenzen. Einige Schulen führen Aufnahmegespräche oder Tests durch. Außerdem werden 30 Prozent der Plätze verlost. Im vergangenen Schuljahr waren mehr als die Hälfte der Sekundarschulen und Gymnasien übernachgefragt.

Gibt es eine Taktik beim Anmelden?

Vor der Anmeldung muss man sich klarmachen, dass man nur an der Erstwunschschule ins Auswahlverfahren kommt, wenn es mehr Anmeldungen als Plätze gibt. Scheitert man also an der ersten Schule, weil beispielsweise die Durchschnittsnote nicht gut genug war und hat man dort auch kein Glück beim Losen, so bekommt man nur dann einen Platz an einer der beiden anderen gewünschten Schulen, wenn diese noch freie Plätze haben – und zwar nachdem die dortigen Erstwünsche berücksichtigt worden sind. Und wenn es nur noch ein paar freie Plätze an der Zweit- oder Drittwunschschule gibt, dann werden die Kinder aus dem Bezirk vorrangig berücksichtigt.

Deshalb macht es wenig Sinn, drei Schulen zu wählen, von denen man annehmen kann, dass sie übernachgefragt sind. Allerdings lässt sich schwer voraussagen, welche Schule übernachgefragt sein wird, weil sich die Nachfrage an den Schulen von Jahr zu Jahr ändern kann und sich Eltern manchmal von den Vorjahreszahlen abschrecken lassen. Schulleiter raten in der Regel dazu, die Schule als erste zu wählen, die mit ihrem Profil den Neigungen des Kindes am ehesten entspricht. „Über das Losverfahren hat heute jedes Kind eine Chance, auf seine Wunschschule zu kommen – unabhängig vom jeweiligen Notendurchschnitt“, sagt Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Zur Sicherheit sollte man dann aber eine Schule als Zweit- oder Drittwunsch wählen, die aller Wahrscheinlichkeit nach nicht übernachgefragt ist.

Wie informiert man sich am besten?

Leider gibt es keine berlinweite Übersicht, aus der man ablesen könnte, wie die Anmeldesituation der Schulen in den vergangenen Jahren war. Eltern können aber direkt in den Schulen nachfragen. In der Regel sagen diese dann auch, welcher Notenschnitt bei ihnen in den vergangenen Jahren zur Aufnahme gereicht hat. Dies kann aber wegen der jährlichen Schwankung nur ein unverbindlicher Anhaltspunkt sein.

Zum Kennenlernen der Schulen sollten Eltern und Schüler die Tage der offenen Tür nutzen, die die Schulen anbieten. Sie präsentieren ihre Angebote, man bekommt einen Eindruck von der Atmosphäre und kann mit Schülern, Eltern und Lehrern ins Gespräch kommen. Es empfiehlt sich, mehrere Schulen zu besuchen. Die Termine findet man auf den Schul-Homepages.

Viele Schulen bieten außerdem Hospitationen oder Schnupperunterricht an – so können Sechstklässler schon einmal erleben, wie es im Unterricht an der weiterführenden Schule zugeht.

Wichtige Kennzahlen der Schulen, die Auswahlkriterien, Informationen über das Profil und das Fremdsprachenangebot findet man in den Schulporträts, die man über das Schulverzeichnis der Senatsbildungsverwaltung im Internet aufrufen kann. Dort sind Daten über die Prüfungsergebnisse, Fehlzeiten, die Zusammensetzung der Schülerschaft, die Ausstattung und der Bericht der Schulinspektion aufgeführt.

Wenn man früher aufs Gymnasium will

Es gibt auch die Möglichkeit, schon nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium oder eine Sekundarschule zu wechseln. Im vergangenen Jahr haben sich dafür rund 2300 Familien entschieden.

Über 40 staatliche und private Schulen bieten diese grundständigen Züge an. Es gibt altsprachliche Klassen mit Latein und Altgriechisch, bilinguale Klassen, Züge für Schnelllerner, naturwissenschaftliche und mathematische Profilklassen sowie Sport- und Musikzüge. Für einige dieser Klassen muss man Eignungstests bestehen. Informationen über das Anmeldeverfahren gibt es unter www.berlin.de/sen/bildung/schule/bildungswege/uebergang-weiterfuehrende-schule/#grundstaendig.

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