Berliner Gymnasien : Mittlerer Abschluss schon in der 9. Klasse?

Gymnasien und Eltern verlangen eine Reform beim Übergang von der Mittel- in die Oberstufe. Die Senatorin will sich nächste Woche äußern.

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Nur ein bis zwei Prozent der Gymnasiasten scheitern an den MSA-Prüfungen.
Nur ein bis zwei Prozent der Gymnasiasten scheitern an den MSA-Prüfungen.Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Zwischen 98 und 99 Prozent pendelt seit Jahren die Bestehensquote der Gymnasiasten bei den Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss (MSA) – Grund genug für die Forderung von Eltern und Schulleitern, die „überflüssigen“ Prüfungen entweder abzuschaffen oder zu reformieren. Jetzt kommt Bewegung in die Diskussion.

„Die Senatorin wird sich am 22. März vor den Gymnasialleitern dazu äußern“, kündigte die Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), Beate Stoffers, am Montag an. Anlass ist eine turnusmäßige Sitzung der Gymnasialleiter. Zwar ließ Stoffers offen, in welche Richtung die Ansage der Senatorin gehen wird. Es gilt allerdings als ausgeschlossen, dass sie sich für eine Abschaffung der MSA-Prüfung an Gymnasien aussprechen wird, da sie bisher immer auf der Beibehaltung beharrte.

Berlin verstößt gegen eine bundesweite Regelung

Die Hoffnung der Gymnasien richtet sich daher auf eine Vorverlegung der Prüfungen in die neunte Klasse. Hierfür spräche die Tatsache, dass Berlin ohnehin Reformbedarf hat, denn es verstößt bislang gegen eine Festlegung der Kultusministerkonferenz (KMK): Die Kultusminister, darunter auch Scheeres, hatten sich nämlich 2013 darauf geeinigt, dass sich „die gymnasiale Oberstufe in eine einjährige Einführungs- und zweijährige Qualifikationsphase gliedert“.

Für die Gymnasien bedeutet dies, dass die zehnte Klasse bereits zur gymnasialen Oberstufe gehören müsste. Dann aber ist unverständlich, warum am Ende der zehnten Klasse das Wissen abgefragt wird, das eigentlich als Eintrittskarte in die Oberstufe gilt und von den Gymnasiasten in der Regel schon in Klasse 9 durchgenommen wird. Kein anderes Bundesland geht so vor, wie die Vereinigung der Oberstudiendirektoren (VOB) gerade erst wieder mit einem Hinweis auf Thüringen unterstrich.

Unterrichtsausfall während der Prüfungen

Dieser Widerspruch ist aber nicht der einzige Grund für Eltern, Gymnasiallehrer und -leiter, immer wieder die Abschaffung oder zumindest die Reduzierung des MSA auf die – allseits für sinnvoll gehaltene – Präsentationsprüfung zu fordern: Als ebenso großes Ärgernis wird empfunden, dass die – angesichts der minimalen Durchfallquote – nahezu obsolete Prüfung tausende Lehrerarbeitsstunden kostet und Unterrichtsausfall beschert, denn es handelt sich immerhin um rund 10.000 Zehntklässler an Gymnasien, die jeweils vier Prüfungen, davon mindestens zwei schriftliche, ablegen müssen.

Angesichts dieser Ausgangslage haben die CDU-Fraktion sowie der Vorsitzende der Vereinigung der Oberstudiendirektoren, Ralf Treptow, vergangene Woche erneut gefordert, die Regelung zu verändern. Allerdings ist Scheeres’ Handlungsspielraum gering, da weder sie noch die übrigen Koalitionäre etwas unternehmen wollen, was die formalen Unterschiede zwischen Sekundarschulen und Gymnasien vergrößert. Andererseits gilt ein fortwährender Verstoß gegen eine KMK-Vorgabe auch als nicht hinnehmbar.

Nicht wenige Schulleiter halten es für denkbar, eine entschlackte Version der MSA-Prüfungen in den Gymnasien in Klasse 9 ablegen zu lassen. Den MSA in Klasse 10 zu schreiben, sei für Gymnasien ein "unsinniger Zeitpunkt", unterstrich auch Elke Wittkowski vom VOB-Beirat gegenüber dem Tagesspiegel. "Wenn, dann in Klasse 9", meint die Leiterin des Zehlendorfer Droste-Hülshoff-Gymnasiums.

Fünf Bildungssenatoren haben sich angemeldet

Ab 22. März weiß man mehr. Allerdings dürfte das Thema auch schon am kommenden Montag eine Rolle spielen: Dann wird das 25-jährige Bestehen die Vereinigung der Oberstudiendirektoren des Landes Berlin (VOB) gefeiert, in der die große Mehrheit der Berliner Gymnasien vertreten ist. Von Bildungssenatorin Scheeres wird ein Grußwort erwartet. Zudem haben sich vier ihrer Vorgänger angekündigt: Jürgen Klemann (CDU), Ingrid Stahmer, Klaus Böger und Jürgen Zöllner (alle SPD) sowie die Gründer und Ehrenvorsitzenden der Vereinigung, Harald Mier und Jobst Werner. Sie alle wollen sich im Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasium versammeln, das - seit 25 Jahren - von Ralf Treptow geleitet wird.

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