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Internationale Schulen : Abitur im Doppelpack

Peter Zühlsdorff ist nicht nur Aufsichtsrat von Vivantes und Messe Berlin, sondern betreibt auch eine Schule. Als Berater hat er sich einen bekannten Schulfachmann geholt - aus Neukölln.

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Die vier Schulmacher: Klaus Lehnert, Barbara Greenham, Peter und Svetlana Zühlsdorff (v.l.n.r.) vor dem Hauptgebäude der Schule.
Die vier Schulmacher: Klaus Lehnert, Barbara Greenham, Peter und Svetlana Zühlsdorff (v.l.n.r.) vor dem Hauptgebäude der Schule.Foto: promo

Berlins schulisches Angebot wird nochmals erweitert: Als erste Sekundarschule der Stadt will die International School Villa Amalienhof (ISVA) Schüler gleichzeitig zum deutschen Abitur und zum weltweit anerkannten International Baccalaureate (IB) führen. Das kündigte die Privatschule anlässlich der Grundsteinlegung für ein weiteres Gebäude auf ihrem Campus in Staaken an. Zugleich ist sie Berlins erste Schule für Nachhaltigkeit, weil sie bei dem Neubau auf umweltsichere und wiederverwertbare Materialien setzt.


Internationales oder deutsches Abitur - das ist die Frage

Normalerweise muss man in Berlin früh festlegen, ob man das internationale oder deutsche Abitur anstrebt. So bietet die staatliche Internationale Nelson-Mandela-Schule zwar beide Abschlüsse an; man muss sich aber in der zehnten Klasse für eine der beiden Abiturarten entscheiden. Die meisten Schulen bieten neben dem IB kein deutsches Abitur an, was aber mitunter nur auf den zweiten Blick erkennbar ist. So bezeichnete sich die Berlin Metropolitan School auf ihrer Homepage als Gymnasium, obwohl sie eine Sekundarschule ist und nur zum IB führt. Die Berlin Cosmopolitan School hingegen ist tatsächlich ein Gymnasium und kann Schülern – ebenso wie die ISVA es vorhat– beide Abiture gleichzeitig anbieten. Die Anerkennung der gymnasialen Oberstufe durch die Senatverwaltung für Bildung wurde jetzt im April ganz frisch erteilt.


„Beide Abschlüsse zu machen, ist sehr anspruchsvoll"

Dies ist deutschlandweit extrem selten. Zu wenigen Schulen gehört die renommierte Helene-Lange-Schule in Hamburg. „Beide Abschlüsse zu machen, ist sehr anspruchsvoll, da es nur geringe Schnittmengen bei den Anforderungen gibt“, lautet die Einschätzung des Leiters der Mandela-Schule, Christian Nitschke.


Lehnert leitete das Einstein-Gymnasium und koordinierte den Campus Rütli

Es erfordere tatsächlich „verdammt viel Organisation“, berichtet Schulleiterin Barbara Greenham. Allerdings hat sie an ihrer Seite als Berater Klaus Lehnert, der sich mit komplizierten Lagen auskennt: Er koordinierte im Auftrag Heinz Buschkowskys den Campus Rütli, nachdem er jahrelang das angesehene Britzer Albert-Einstein-Gymnasium erfolgreich geleitet hatte. Vor einem Jahr übernahm Lehnert dann die Beraterfunktion an der ISVA. Inzwischen wurde die gymnasiale Oberstufe beantragt.


Peter Zühlsdorff rettete die Schule 2007 aus der Insolvenz

Geholt hat ihn Peter Zühlsdorff, der Aufsichtsratsvorsitzender bei der Messe Berlin und bei Vivantes ist und auch dem ISVA-Verwaltungsrat vorsitzt: Er hatte 2007 die damals insolvente internationale Schule auf dem Gelände des ehemaligen Gutes Amalienhof gerettet, weil er auf der Suche nach einer vergleichbaren Schule für seine Kinder war. Svetlana Zühlsdorff managt die Geschäftsführung und sorgt jetzt unter anderem dafür, dass die Schule die strengen Kriterien erfüllt, die ein Gebäude für ein Nachhaltigkeitszertifikat aufweisen muss. Neben den schadstoffarmen und wiederverwendbaren Materialien geht es dabei auch darum, regenerative Energieformen einzusetzen.
Die ISVA arbeitete ursprünglich nach dem englischen System, war also eine sogenannte Ergänzungsschule wie die Berlin British School. Allerdings verlangt die Schulverwaltung, dass Schüler, die dauerhaft in Deutschland wohnen, eine Schule besuchen müssen, die nach hiesigen Rahmenplänen arbeitet und mehrere Fächer auf Deutsch unterrichtet. Die ISVA hat daher ihr Programm umgestellt und ist seit 2012 staatlich anerkannte Ersatzschule.

An drei Berliner Schulen wurde das IB bereits abgelegt

Seitdem Berlin erneut Hauptstadt wurde, haben sich die Schulangebote erheblich erweitert: Neben den Europaschulen für Englisch, Französisch, Türkisch, Russisch, Polnisch, Spanisch, Italienisch, Griechisch und Portugiesisch gibt es noch etliche weitere bilinguale Grund- und Oberschulen – sowohl in öffentlicher als auch in privater Trägerschaft. Das Internationale Abitur nennt sich offiziell International Baccalaureate (IB). Eine Schule kann es nur anbieten, wenn sie zertifiziert wurde. Nur drei Schulen haben bereits Schüler bis zum IB geführt: Die Berlin International School in Dahlem, die Staatliche Nelson- Mandela-Schule in Wilmersdorf sowie die Berlin British School in Westend. Weitere Schulen haben ebenfalls diesen Weg eingeschlagen. Das sind in Mitte die Berlin Cosmopolitan School und die Berlin Metropolitan School sowie neuerdings die ISVA. In Berliner Nähe auf Brandenburger Gebiet gibt es das IB außerdem noch am Leonardo-da-Vinci-Campus in Nauen sowie an der Berlin Brandenburg International School in Kleinmachnow. Die privaten Internationalen Schulen kosten einkommensabhängig ca. 1000 Euro im Monat.

Harte Konkurrenz - und irreführende Selbstdarstellungen

Die Konkurrenz um die Familien, die sich dieses Angebot leisten können, ist offenbar groß. So behauptete die Berlin Metropolitan School auf ihrer Homepage nicht nur, dass sie ein Gymnasium sei, sondern auch, dass sie die "einzige IB World School im früheren Ostteil Berlins ist" - und das, obwohl sich auch die IB-zertifizierte Cosmopolitan School in Alt-Mitte befindet.

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