Musikcamp im FEZ : Rocken fürs Selbstbewusstsein

Mädchen, inter- und transgeschlechtliche Teenager machen Musik im FEZ. Beim Ruby Tuesday Camp können sie Instrumente ausprobieren, diskutieren und in einer Band spielen.

Bettina Malter
Die Burning Nessels. Lisa (re.) und ihre Bandkolleginnen.
Die Burning Nessels. Lisa (re.) und ihre Bandkolleginnen.Foto: Bettina Malter

Mädchen, Hip-Hop und Rockmusik? Auf dem Ruby Tuesday Hip-Hop & Rock Camp im Freizeit- und Erholungszentrum Wuhlheide (FEZ) in Köpenick gehört das selbstverständlich zusammen. „Oft heißt es, Mädchen können das nicht“, sagt Elisabeth Drescher, die das Camp ehrenamtlich mitorganisiert. Gerade in diesen Musikszenen gelten noch die alte Rollenbilder. „Auf dem Camp wollen wir unseren Jugendlichen Mut machen, Dinge auszuprobieren, die sie sich selbst oder andere ihnen nicht zutrauen.“

Skaten, Tontechnik und Sound sind Beispiele für das, was die Mädchen hier in den Ferien lernen können. In zahlreichen Workshops können die 35 Teilnehmenden alles machen, worauf sie Lust haben. Wie viel sie für den Unterricht, Essen und Unterkunft bezahlen, bleibt ihnen selbst überlassen. Zwischen 25 und 350 Euro ist alles möglich. „Wir wollen Menschen, die wenig Einkommen haben, nicht ausschließen“, sagt Drescher.

In diesem Jahr wird neben Rock auch alles rund um Hip-Hop angeboten. Fatima, Vanessa und Lisa haben sich für Breakdance entschieden. Die Mädchen liegen auf dem Boden, um Standfiguren, sogenannte Freezes, zu lernen. Sie stemmen einen Ellenbogen in ihre Hüfte, um den Oberkörper parallel zum Boden zu halten, die andere Hand wird als Stütze vor die Brust gesetzt. „Nun die Beine vom Boden lösen“, ruft Trainerin Tinka und gibt Hilfestellung. Nach mehreren Versuchen haben es alle geschafft.

Erfolgserlebnisse zu schaffen, um den Mädchen mehr Selbstbewusstsein zu geben, ist ein Ziel des Camps. Sie sollen sich in der männerdominierten Musikszene durchsetzen können. Mädchen sind aber nur eine Gruppe, um die es hier geht. Auch inter- und transgeschlechtliche Teenager sollen gefördert werden. Die 17-jährige Bianca, die für das Camp aus Köln angereist ist, freut sich besonders, transgeschlechtliche Menschen kennenzulernen. „Hier kann ich Fragen stellen, die mir schon lange auf der Zunge liegen“, sagt sie. Im Camp-Programmheft ist konsequent von „Musiker_innen“ die Rede. Der Unterstrich – der sogenannte Gendergap – steht für diejenigen, die sich nicht einem vorgegebenen Geschlecht zuordnen wollen oder können.

Neben Gesprächen über Diskriminierung dreht sich alles um Musik. Instrumente ausprobieren, die meist von Jungs gespielt werden, Songs mit einer Band schreiben und am Ende ein Konzert geben – das ist es, weswegen die meisten Teilnehmer_innen hier sind.

Die 16-jährige Lisa gehört zu den Burning Nessels, einer Band, die auf dem Ruby-Camp entstanden ist. Lisa ist schon zum dritten Mal dabei und hat hier Schlagzeug und Bass entdeckt. „Das auszuprobieren, hätte ich mich ohne das Camp nie getraut.“ Bettina Malter

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